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Björn Bieber lässt Flight13 Duplication ausrollen

Die Vinylumsätze befinden sich laut Zahlen des BVMI weiterhin im Steigflug. Doch ein Player am Markt zieht sich aus dem eigentlich boomenden Geschäft zurück: "Wir werden die Schallplattenproduktion zum 31. Dezember einstellen", ließ Flight13 Duplication wissen. Im Gespräch mit MusikWoche erläutert Björn Bieber die Gründe für den Schritt.

25.10.2021 12:38 • von
Zieht sich nach mehr als 20 Jahren mit Flight13 Duplication aus dem Vinylgeschäft zurück: Björn Bieber (Bild: Flight13 Duplication)

Die Vinylumsätze befinden sich laut Zahlen des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) weiterhin im Steigflug. So schrieb das Format im ersten Halbjahr 2021 ein Umsatzplus von 49,5 Prozent, Schallplatten kommen damit auf einen bundesweiten Marktanteil von nunmehr 5,9 Prozent.

Doch ein Player am Markt zieht sich aus dem eigentlich boomenden Geschäft zurück: "Wir werden die Schallplattenproduktion zum 31. Dezember einstellen", ließ Flight13 Duplication kürzlich unter anderem über seine Onlineseiten und ein Facebook-Posting wissen. Im Gespräch mit MusikWoche erläutert Geschäftsführer Björn Bieber die Gründe für den Schritt.

"Zu Beginn habe ich vollständig gebrokert", erinnert Björn Bieber an die Anfänge des Unternehmens im Jahr 2005. Damals, in einem schrumpfenden Markt, hielten Labels und Acts aus den Bereichen Electronica, Punk und Hardcore dem beinahe schon totgesagten Vinyl die Treue. "Die Subkultur hat das Vinyl damals am Leben gehalten", sagt Bieber im Rückblick. Nach seinem Studium habe er sich in diesem Bereich engagiert, in Absprache mit dem weiterhin eigenständig agierenden Versandhändler Flight13 dessen Namen entleihen dürfen und ein eigenes Geschäft aufgebaut.

Zunächst trat er also als reiner Zwischenhändler auf, sammelte Aufträge ein, die er dann bei ausgewählten Partnern bei den Presswerken platzierte. Später kam eine eigene Fertigung hinzu, mit zuletzt vier Toolex-Pressen und einem Neumann-Schneidetisch, den Bieber als "unser wertvollstes Stück" bezeichnet.

Doch das Geschäft mit Vinyl habe sich in letzter Zeit völlig verändert, betont Bieber: So sei der Wettbewerb um knappe Ressourcen wie Vinyl-Granulat sowie Papierwaren oder Cover-Kartonagen härter und teurer geworden. Zudem würden große Presswerke kleinere Kunden oder Broker zunehmend ausschließen. Auch ihm seien im laufenden Jahr von einem langjährigen Partner längst angenommene Aufträge wieder gestrichen worden. "Wir waren gezwungen, alles selbst zu machen, was wir an Aufträgen angenommen hatten", bilanziert Bieber. "Dafür aber sind wir nicht gut genug ausgestattet."

Er selbst habe deshalb zuletzt stets zehn Stunden täglich in der Fertigung an den Maschinen gestanden. "So haben wir im Monat rund 100 Produktionen gestemmt." Schließlich habe er Kunden, die angesichts der großen Nachfrage nach Vinylkapazitäten für Katalog- oder Pop-Produktionen auch sonst am Markt kaum eine Chance hätten, kleinere Stückzahlen produzieren zu lassen. "Auf Dauer aber kann das nicht funktionieren", wie Bieber unter anderem mit Verweis auf die Gefahren in der Fertigung erklärt. Wenn zum Beispiel eine der Leitungen mit heißem Dampf reiße, sei das lebensgefährlich.

Vor diesem Hintergrund und angesichts der Entwicklung am Markt habe er sich also entschieden, den Stecker zu ziehen: "Bis zum 31. Dezember läuft hier noch die Produktion, als letztes die für die befreundete Band Eure Wunden."

Und seine Maschinen aus der Fertigung? Die habe er verkauft, sagt Bieber: "Eine Toolex ist sogar schon weg." Bisherigen Kunden empfiehlt er für weitere Aufträge die Zusammenarbeit mit dem Augsburger Unternehmen Duophonic von Moritz Illner und David Jahnke. "Die machen ihren Weg", zeigt sich Bieber zuversichtlich.

Text: Knut Schlinger