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55 Songs am Tag - Musikindustrie misst Hörern den Puls

In Deutschland hörten Menschen zuletzt pro Woche 19,3 Stunden Musik. Diese Zahl zieht der BVMI aus der internationalen Musiknutzungs-Studie der IFPI. Umgerechnet in Drei-Minuten-Songs entspricht das rund 55 Titeln pro Tag. Streaming gewinnt an Bedeutung, aber auch in Sachen Tonträger und Radio steht Deutschland im globalen Vergleich ganz gut da.

21.10.2021 11:07 • von
Nationaler Fokus: der BVMI stellt das deutsche Zahlenwerk zur internationalen IFPI-Studie "Engaging With Music 2021" vor (Bild: IFPI, BVMI)

In Deutschland hörten Menschen zuletzt pro Woche 19,3 Stunden Musik. Diese Zahl zieht der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) aus der internationalen Musiknutzungs-Studie des IFPI-Dachverbands, der seinen "Engaging With Music 2021"-Report am 21. Oktober in London präsentierte. Damit rangiert Deutschland im internationalen Vergleich über dem Durchschnitt, der bei 18,4 Stunden Musikkonsum liegt.

Umgerechnet in Drei-Minuten-Songs entsprechen die 19,3 Stunden rund 386 Titeln pro Woche oder auch 55 Songs pro Tag - ein Plus von einem Lied im Vergleich zu 2019.

Streaming gewinnt dabei an Bedeutung: So gaben 56 Prozent der Befragten an, für Musik vermehrt auf Audiostreamingdienste zuzugreifen, weltweit waren es 51 Prozent. Aber auch in Hinblick auf die Tonträger und vor allem Radio steht Deutschland im internationalen Vergleich ganz gut da. So nutzt immerhin noch jeder Zehnte hierzulande CDs, LPs und DVDs oder auch kostenpflichtig erworbene Downloads, international sind es noch neun Prozent. 22 Prozent nutzen zudem Radiosender oder Onlineradios als Musikabspielstation, deutlich mehr als die 16,9 Prozent auf internationaler Basis.

"In einer Zeit der musikalischen Ubiquität, der enormen Bandbreite digitaler Nutzungsformen, unterstreicht der Report einmal mehr, dass das von unseren Mitgliedern strategisch entwickelte und unterstützte Miteinander von digital und analog die Beschäftigung und Befassung mit Musik weiter beflügelt", analysiert Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des BVMI: "Das Zusammenspiel von Streaming, Radio und physischem Produkt belebt den globalen wie den lokalen Markt, begeistert die Fans und stimuliert gleichzeitig die musikalische Vielfalt."

Obwohl Deutschland bei der Nutzung von Kurzvideodiensten mit sieben Prozent noch nicht ans weltweite Niveau von elf Prozent herankommt, gaben laut BVMI-Auswertung 68 Prozent der Studienteilnehmer:innen an, während der Pandemie die TikTok-App heruntergeladen zu haben. Weltweit habe sich die Reichweite von TikTok seit 2019 verzehnfacht.

Daneben attestiert man der Musik beim BVMI eine unverändert hohe Bedeutung im Alltag der Menschen, gerade auch in Zeiten der Pandemie: So gaben 85 Prozent der für die Studie Befragten aus Deutschland an, dass die Musik in dieser Phase ihr Wohlbefinden gesteigert habe, immerhin drei Vierteln habe sie zu einem Gefühl von Normalität verholfen.

Für den Bericht "Engaging With Music 2021" ließ die IFPI in Zusammenarbeit mit den Marktforschern von AudienceNet im Juni und Juli 2021 insgesamt 43.000 Onlinenutzer im Alter zwischen 16 und 64 aus 21 Nationen befragen. Ihre bislang noch jüngste Untersuchung zur weltweiten Musiknutzung hatte die IFPI 2019 noch unter dem Namen "Music Listening 2019" vorgelegt, 2018 lief die Erhebung noch als "Music Consumer Insight Report".

Text: Knut Schlinger