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Forum Veranstaltungswirtschaft fordert Freedom-Day

Die deutschen Veranstaltungsunternehmen fordern spätestens am 1. Dezember einen Freedom Day - also die Aufhebung aller Corona-Eindämmungsmaßnahmen. Unter den aktuellen Bedingungen ließen sich Tourneen "nach wie vor nur mit erheblichen Hindernissen" planen.

15.10.2021 12:55 • von Dietmar Schwenger
Fordern ein Ende aller Corona-Einschränkungen: die im Forum Veranstaltungswirtschaft zusammengeschlossenen Verbände (Bild: Forum Veranstaltungswirtschaft)

Die deutschen Veranstaltungsunternehmen fordern spätestens am 1. Dezember 2021 einen Freedom Day - also die Aufhebung aller Corona-Eindämmungsmaßnahmen. Die in dem Forum zusammengeschlossenen Verbände - BDKV, EVVC, FAMA, ISDV, LiveKomm und VPLT - schreiben in einer Mitteilung zwar, dass es erstmals seit 20 Monaten auch für die Veranstaltungswirtschaft zumindest ein Licht am Corona-Horizont gebe.

Denn in zahlreichen Bundesländern könnten jetzt auch Großveranstaltungen wieder stattfinden. Allerdings seien die "dunklen Wolken" des Flickenteppichs unterschiedlichster Regelungen für die Durchführbarkeit von Veranstaltungen nach wie vor nicht verschwunden. "Hier 3G mit Abstandsregeln, dort 2G mit Vollauslastung, Masken ja und Masken nein und natürlich Hygienekonzepte - Tourneen lassen sich unter diesen Vorzeichen nach wie vor nur mit erheblichen Hindernissen planen."

Zudem weist das Forum darauf hin, dass das Robert-Koch-Institut seine bisherigen Zahlenangaben korrigiert und festgestellt habe, dass unter den Erwachsenen bereits bis zu 84 Prozent einmal und bis zu 80 Prozent vollständig geimpft seien. Es stelle sich "ein weiteres Mal die Frage, was noch geschehen muss, bis Veranstaltungen wieder ohne Einschränkungen stattfinden dürfen".

Kritisch merkt das Forum an, dass Jens Spahn als Bundesminister für Gesundheit erst im Frühjahr mit einem Ende der Pandemie rechne. Daher sei es derzeit "für eine Rückkehr zur Normalität noch zu früh", zitieren die Verbände den Minister.

Mit der Forderung nach einem sogenannten Freedom Day fänden sich die Live-Verbände im Einklang nicht nur mit zahlreichen Ländern Europas, sondern auch zum Beispiel mit dem Vorstandsvorsitzenden der einflussreichen kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen.

"Schließlich müsse doch allen klar sein, dass Corona sich nicht einfach verabschieden wird, sondern dass die Gesellschaft - wie mit dem Grippe- oder dem Masern-Virus - für immer leben muss. Viele europäische Länder haben sich längst damit arrangiert und alle Beschränkungen aufgehoben", betont das Forum Veranstaltungswirtschaft.

"In Deutschland ist die Belegung der Krankenstationen moderat, die Inzidenzzahlen sind weitgehend konstant, die Impfquote steigt täglich. Die Fortdauer von Einschränkungen erscheint daher zunehmend unangemessen. Nationale und föderalistische Maßnahmen sind mangels hinreichender Kontrollen an den Landesgrenzen schlichtweg eine Farce. Sie täuschen eine Sicherheit vor, die es faktisch nicht gibt", heißt es in der Mitteilung.

Die Veranstaltungswirtschaft habe sinnvolle Maßnahmen des Bundes und der Länder immer unterstützt, soweit diese verhältnismäßig waren, streicht das Forum heraus. "Die Aufrechterhaltung der Beschränkungen des Veranstaltungsbetriebs ist dies nicht."

Bereits im Januar hatte das Forum Veranstaltungswirtschaft Rahmenbedingungen für einen bundeseinheitlichen Infektionsschutz für Besucher von Veranstaltungsstätten erarbeitet, die allen Ministerien und auch dem Kanzleramt vorgelegt wurden. "Damit hätte bereits im Frühjahr eine höchstmögliche Sicherheit für alle Veranstaltungsbesucher:innen gewährleistetet werden können."

Die Verbände monieren zudem: "Nachdem nun allerdings ein dreiviertel Jahr später eine derart hohe Impfquote erreicht wurde und auch damit zu rechnen ist, dass spätestens am 1. Dezember, also in zwei Monaten, alle Erstgeimpften ihre zweite Impfung erhalten haben, ist bei einer Impfquote von dann über 84 Prozent (RKI) nicht mehr nachvollziehbar, wieso die den Veranstaltungsbetrieb nach wie vor erheblich einschränkenden Restriktionen nicht endlich aufgehoben werden können."

Immer noch bleibe selbst bei Wahl des 2G-Modells mindestens einem Drittel des potenziellen Veranstaltungspublikums - nämlich den Ungeimpften - der Besuch von Veranstaltungen verwehrt, so das Forum weiter.

"Die Veranstaltungsunternehmen haben dank der staatlichen Fördermaßnahmen die letzten 20 Monate mehr schlecht als recht überlebt. Ganz anders übrigens als viele Veranstaltungsdienstleister:innen, die zwischenzeitlich in andere Branchen abgewandert sind", merkt das Forum an. Für die Veranstaltungsbranche sei das ein großes Problem, denn selbst wenn Konzerte und andere Events wieder uneingeschränkt stattfinden dürfen, werde das Fehlen dieser Experten schwer zu kompensieren sein.

Das Forum Veranstaltungswirtschaft erwartet daher von der amtierenden Bundesregierung, "unverzüglich dem letzten immer noch im Corona-Koma liegenden Wirtschaftszweig sein aktives Leben zurückzugeben". Der Wirtschaftszweig fordert daher, dass bis zum 1. Dezember alle Einschränkungen für die Durchführungen öffentlicher Veranstaltungen aufgehoben werden und damit ermöglicht wird, dass bereits in der Weihnachtszeit wieder kulturelle und andere Veranstaltungen stattfinden können.