Unternehmen

Zebralution setzt voll auf All-Audio

Das Team von Zebralution nutzte jüngst das Reeperbahn Festival, um seine aktuellen Aktivitäten und die Entwicklung des Unternehmens vorzustellen. Das Dienstleistungsspektrum reicht dabei vom ­Musikgeschäft über Podcasts und Hörbuch bis hin zur Kooperation mit MusicHub.

13.10.2021 11:15 • von
Stellten den MusicHub vor (Foto links, von links): Florian von Hoyer (COO Musihub), Sascha Lazimbat (CEO MusicHub), Maïa Heidling (Marketing Manager MusicHub), Ariane Petschow (Marketing Manager MusicHub), und Alexander Kops (Lead Engineer MusicHub) (Bild: MusikWoche)

Das Team von Zebralution nutzte jüngst das Reeperbahn Festival, um seine aktuellen Aktivitäten und die Entwicklung des Unternehmens vorzustellen. Das Dienstleistungsspektrum reicht dabei vom ­Musikgeschäft über Podcasts und Hörbuch bis hin zur Kooperation mit MusicHub.

»Wir haben einst mit Klingeltönen angefangen, sind inzwischen aber längst eine All Audio Company«, umriss Kurt Thielen die Entwicklung im Hause Zebralution. Der Firmengründer erinnerte an den Start des Unternehmens als Digitaldienstleister im Musikvertrieb im Jahr 2004 - »wer von euch hatte alles ein Jamba-Abo?«, fragte der CEO am 24. September in den gut besuchten, dafür auf ganzer Breite belüfteten Sommersalon am Spielbudenplatz - berichtete von der Übernahme durch Warner Music 2007 und vom Buy Out zehn Jahre darauf: »Am 30. November 2019 haben wir uns schließlich mit der GEMA zukunftsorientiert aufgestellt.«

Seit 2017 habe sich die Zahl der Mitarbeiter*innen bei Zebralution »fast verfünffacht«, ergänzte Sascha Lazimbat, der das Unternehmen einst zusammen mit Thielen aus der Taufe hob und heute als COO fungiert. Dazu habe der Aufbau der Hörbuchabteilung ebenso beigetragen wie der Einstieg ins Podcast-Geschäft. Zudem habe man mit der Übernahme der EMS als langjährigem Partner zusätzlich »technische Kompetenz ins Unternehmen geholt«, berichtete Lazimbat. Unterm Strich mache sich das bezahlt: »Wir sehen mehr und mehr Kunden, die nicht nur einen Aspekt dieser Dienstleistungskompetenz brauchen, sondern vielmehr umfangreiche Pakete buchen.«

Die Vermarktung im Podcast-Bereich habe sich »toll entwickelt«, bestätigte auch Tina Jürgens als Managing Director von zebra-audio.net. Das Podcast-Netzwerk von Zebralution betreue nach inzwischen drei Jahren am Markt rund 140 Shows. Zudem, so betonte die Managerin, »sind wir als All-Female-Team ein prima Ausgleich zu den Jungs der EMS«.

Der einstige finetunes-Mitgründer Oke Göttlich, der Anfang 2020 zu Zebralution stieß und als Managing Director den Geschäftsbereich Music lenkt, erläuterte derweil, dass er keine lange Bedenkzeit gebraucht habe, als Kurt Thielen und Sascha Lazimbat ihn fragten, ob er nicht zu dem nur kurz zuvor von der GEMA übernommenen Unternehmen wechseln wolle. Gerade die Idee hinter der Verwertungsgesellschaft, die mitgliederbasiert aufgestellt ist, habe ihn überzeugt: »Das ist eine geile Aufgabe, auf die ich Bock habe.« Gerade angesichts aktueller Entwicklungen in der Lizenzierung von Musikrechten und dem gestiegenen Interesse an neuen Auswertungsformen könne die GEMA über einen Partner wie Zebralution an der Seite glücklich sein: »Wir sind eine hervorragende Ergänzung, ein schnelles Begleitboot«, betonte Göttlich.

_____SCHNELLES BEIBOOT FÜRS MUTTERSCHIFF

Das zeigt auch die Unterstützung der GEMA bei der Entwicklung des MusicHub in den vergangenen Monaten. Das Projekt beschreibt Florian von Hoyer, der im Frühjahr 2021 die Rolle als COO bei MusicHub übernommen hatte, wie folgt: »MusicHub ist ein Portal für Musikschaffende, eine Technologiefirma, für die Kundensupport und die menschliche Komponente sehr wichtig« seien: »Wir arbeiten für Künstlerinnen und Künstler sowie all die Musikschaffenden«, fasste von Hoyer zusammen. Angesichts der Entwicklung im Digitalbereich sei eine technische Begleitung hier von besonderer Bedeutung. Allerdings gebe es bei MusicHub als Dienstleister »nicht eine Strategie für eine Person«, vielmehr handele es sich um einen »One To Many«-Ansatz, der all jenen helfen könne, sich im digitalen Musikgeschäft zu positionieren, die gut mit einer automatisierten Plattform leben können.

Die Zielgruppe von MusicHub seien demnach in einem ersten Schritt die Mitglieder der GEMA, bevor das Angebot auch für Künstlerinnen und Künstler außerhalb der GEMA eröffnet wird. MusicHub ist ein onlinebasierter »Werkzeugkasten«, bei dem Musikschaffende unter anderem ihre Werke über Distributoren auf den großen Streamingplattformen verfügbar machen können: »Es gibt sehr viele Werke, die nicht bei einem Label oder den üblichen Musikauswertern landen, es aber trotzdem verdienen auf Spotify verfügbar zu sein«, machte von Hoyer deutlich. Das könne zum Beispiel das Wirken von Orchestermusiker*innen betreffen, die auch über Aufnahmen von Film- oder Jazzprojekten verfügen.

_____GEMA-MITGLIEDER SIND DIE ERSTE ZIELGRUPPE

Die Abgrenzung zwischen Zebralution und MusicHub erläuterte Sascha Lazimbat: Während ein Partner beim Digitalvertrieb Zebralution persönliche Betreuung bis hin zur heißen Release-Phase erwarten könne, wolle MusicHub den Kreativschaffenden viele Features liefern, die den Arbeitsalltag im Musikbereich abdecken und ihnen »auf einer DIY-Basis dabei helfen, die Karriere voranzutreiben«. MusicHub ermöglicht nicht nur die Veröffentlichung von Werken über Vertriebspartner wie Zebralution, sondern schafft vor allem Erleichterungen im administrativen Rechte- und Contentmangement.

_____SCHWEIZER TASCHENMESSER MUSICHUB

Die Entwicklung und der Betrieb von MusicHub basiert dabei auf einem Abomodell, welches im Sinne der MusicHub-Nutzer*innen um weitere Services ergänzt werden soll. »Wir sehen bereits, dass das, was wir anbieten, anders ist, als das, was schon zuvor auf dem Markt war«, sagt von Hoyer, während Lazimbat abschließend noch einmal den Gedanken der administrativen Erleichterungen für Musikschaffende unter dem MusicHub-Dach unterstrich: »Am Ende haben wir hier einen Werkzeugkasten, oder auch ein Schweizer Taschenmesser.« Das große Messer gebe es bereits, nun sollen der Korkenzieher, die Feile und andere Elemente folgen.

Text: Knut Schlinger