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Münchens HP8-Areal - mehr als eine Zwischenlösung?

Eigentlich soll es nur ein Ausweichquartier für die Umbauzeit des Gasteig sein. Doch zur Eröffnung zeigte sich das HP8 genannte Areal in München-Sendling samt der neuen Isarphilharmonie und der Halle E durchaus von seinen guten Seiten.

12.10.2021 16:33 • von
Mehr als nur ein Foyer der Isarphilharmonie: die Halle E im HP8-Areal in München-Sendling (Bild: MusikWoche)

Eigentlich soll es nur ein Ausweichquartier für die Umbauzeit des Gasteig sein. Doch zur Eröffnung zeigte sich das nach einem Wettbewerb in Anlehnung an die Adresse Hans-Preißinger-Straße 4-8 nun HP8 genannte Areal in München-Sendling samt der neuen Isarphilharmonie und der Halle E durchaus von seinen guten Seiten.

Am 8. Oktober 2021 fiel der Startschuss für die neue Location. Die Münchner Philharmoniker weihten das Kulturareal Gasteig HP8 und die neue Isarphilharmonie unter der Leitung von Valery Gergiev und mit Pianist Daniil Trifonov mit einem Festkonzert ein, das aktuell noch hier in der BR-Mediathek zu finden ist. Oberbürgermeister Dieter Reiter sprach in seiner Begrüßung nicht zuletzt deshalb von einem "sensationellen Projekt", weil es "innerhalb kürzester Zeit geplant und gebaut worden" sei. "Für mich sind der Gasteig HP8 und die Isarphilharmonie eine ideale Blaupause für Kulturbauten der Zukunft", sagte Reiter.

Das Ensemble schließt einen neu entworfenen Konzertsaal mit einem historischen Industriebau kurz und soll während der Sanierung des Gasteig neben den Münchner Philharmonikern auch die Stadtbibliothek, die Volkshochschule, die Hochschule für Musik, das Theater München und das Münchener Kammerorchester beherbergen.

Die Isarphilharmonie mit ihren rund 1900 Plätzen entstand nach einem Entwurf des internationalen Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner in sogenannter Holzmodulbauweise; die Akustik verantwortete Yasuhisa Toyota, den man beim Gasteig als "weltweit bekannten Akustikspezialisten" lobt: "Von der Isarphilharmonie sind alle begeistert: Chefdirigent, Musiker, Akustiker, Kulturjournalisten - fehlt nur noch das Publikum. Wenn auch das begeistert ist, habe ich eine leise Vorahnung, dass uns dieses Interim relativ lange erhalten bleiben wird", sagte Oberbürgermeister Reiter in seiner Eröffnungsrede.

Passend dazu beichtete zum Beispiel die "Süddeutschen Zeitung" im Anschluss an das Eröffnungskonzert von "begeistertem Beifall" der 1800 Zuschauer*innen, die das Konzert dank 3G-Plus-Regel ohne Abstand und Masken verfolgen konnten.

Schon am zweiten Abend kam auch die Halle E musikalisch zum Einsatz: In der alten Trafohalle - längst nicht so eindrucksvoll und voluminös wie die Tate Modern, von der Idee aber durchaus in diese Richtung zielend - spielte der einst mit den Einstürzenden Neubauten bekannt gewordene FM Einheit mit seiner Band um Schlagzeugerin Saskia von Klitzing (unter anderem auch Fehlfarben) und anfänglicher Unterstützung einiger Musiker*innen der Münchner Philharmoniker ein Set im Rahmen der neu installierten Reihe MPhil Late. Dabei zeigte sich, dass die Räumlichkeiten hier mehr sein können, als nur das Foyer der Isarphilharmonie - auch wenn das helle Aufräumlicht nicht wirklich für einen stimmungsvollen Konzertabend taugte.

Text: Knut Schlinger