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Opus Klassik setzte "ein weithin sichtbares Zeichen"

Der Opus Klassik ging am 9. und 10. Oktober in seine vierte Runde. Das Konzept der doppelten Preisverleihung scheint sich inzwischen bewährt zu haben, die Zahl der Zuschauer*innen beim ZDF aber reichte nicht ans Vorjahr heran. Dennoch wertet Clemens Trautmann vom Verein zur Förderung der Klassischen Musik die Verleihung als "ein weithin sichtbares Zeichen".

11.10.2021 14:53 • von
Freute sich sichtlich über seine Trophäe und legte mit der Trompeterin Lucienne Renaudin Vary einen unterhaltsamen Auftritt beim Opus Klassik 2021 hin: der Cellist Pablo Ferrandez (Bild: Markus Nass)

Der Opus Klassik ging am 9. und 10. Oktober 2021 in seine vierte Runde. Das vom Verein zu Förderung der Klassischen Musik mit dem Ziel, die Vielfalt der Klassiklandschaft abzubilden, eingeführte Konzept der Preisverleihung an gleich zwei Abenden mit Kammermusikabend und TV-Gala scheint sich inzwischen bewährt zu haben.

So konnten auch in diesem Jahr wieder insgesamt 48 der bereits vorab verkündeten Preisträger*innen ihre Trophäen für außergewöhnliche Leistungen in einem würdevollen Rahmen in Empfang nehmen. Beim Kammerkonzert in der Villa Elisabeth waren unter anderem die Flötistin Helen Dabringhaus, die Trompeterin Selina Ott, das Trio Parnassus und die Bratschistin Tabea Zimmermann live mit dabei sowie als Moderatorin Anna Novák.

Die TV-Gala stieg dann tags darauf im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt und startete mit dem Vorspiel zum dritten Akt aus Richard Wagners "Lohengrin", gespielt vom Konzerthausorchester unter der Leitung von Dirigent Cornelius Meister, und einer Premiere: Désirée Nosbusch führte erstmals als Moderatorin durch die Verleihung des Klassikpreises. Sie brachte damit ein wenig mehr Diversität ins Geschehen, schließlich trat Nosbusch die Nachfolge von Thomas Gottschalk an, der nach einigen Gastspielen beim Echo Klassik in früheren Jahren zuletzt von 2018 bis 2020 auch beim neu positionierten Opus Klassik zunächst als Gastgeber fungierte.

Désirée Nosbusch versuchte, nicht nur mit einem goldenen Kleid Glanzpunkte zu setzen, allerdings wirkten hier die Folgen der Corona-Krise spürbar nach: Bezüge auf die für viele Künstler*innen schwere Zeit nahmen der angestrebten Freude ein wenig den Wind aus den Segeln, zum Beispiel, wenn Nosbusch zwar von einer im Vergleich zum Vorjahr auf nunmehr 550 vor Ort mehr als verdoppelten Zahl der Teilnehmer*innen sprach, die Kamerafahrt aber zugleich doch reichlich Abstand zwischen vielen der unter Einhaltung der 3G-Regel besetzten Plätze offenbarte. Fürs kommende Jahr brachte Nosbusch zwischenzeitlich ihre Hoffnung auf ein dann "wieder volles Haus" zu Ausdruck.

Auch in vielen Dank- und Grußworten der Preisträger*innen spielte die Pandemie eine bedeutende Rolle: die als Sängerin des Jahres geehrte Sonya Yoncheva etwa widmete ihren Preis "all den Künstlern und Institutionen, die in den vergangenen 18 Monaten nicht aufgegeben haben", während Violinist Daniel Hope davon berichtete, dass das kulturelle Leben langsam wieder zurück ins Leben finde, und das Publikum einlud, daran teilzuhaben: "Wir sind überzeugt, dass der Konzertsaal ein sicherer Ort ist."

Live auf der Bühne des Konzerthauses standen unter anderem auch der "Sänger des Jahres", Piotr Beczala, und Pianist Daniil Trifonov. Zudem setzten drei in den Nachwuchssparten ausgezeichneten Acts Glanzlichter: Das galt für die Sopranistin Fatma Said, die das klassische Repertoire des Abends mit dem Titel "Aatini Al Naya Wa Ghanni" um einen Beitrag aus der arabischen Musikwelt bereicherte, aber auch für Pablo Ferrández (Cello) und die barfuß auftretende Lucienne Renaudin Vary (Trompete) mit einem gemeinsamen Auftritt.

Leider nur per Videobotschaft zugeschaltet waren Lang Lang (Bestseller des Jahres) und Opernsängerin Reri Grist, die für ihr Lebenswerk geehrt wurde. "Ich danke ihnen allen. Meiner Familie und meinen Freunden, die mir geholfen haben, ohne gefragt zu werden", sagte Grist, der als einer der ersten afroamerikanischen Sängerinnen eine internationale Karriere im Opern- und Konzertbereich gelang. "Ich hoffe, dass ich allen jungen Leuten, die auch träumen, meine Erfahrung weitergeben kann."

Auch wenn es im Konzerthaus selbst voller war als noch vor Jahresfrist, so reichte die Zahl der Zuschauer*innen im Fernsehen nicht ans Vorjahr heran: Die TV-Übertragung der 2021er-Verleihung im ZDF erreichte am Sonntagabend 1,03 Millionen Menschen, was beim Gesamtpublikum einer Quote von 6,5 Prozent entsprach; bei den 14- bis 49-Jährigen lag die Quote bei 1,7 Prozent. Im Vorjahr hatten noch 1,43 Millionen die Gala zum Opus Klassik im ZDF verfolgt, damals ein Marktanteil 7,8 Prozent.

Beim Verein zur Förderung der Klassischen Musik wertet man den Opus Klassik 2021 indes unabhängig davon als ein "gelungenes Klassik-Wochenende": "Mit dem Opus Klassik und unseren beiden Preisverleihungen konnten wir ein weithin sichtbares Zeichen setzen, dass das klassische Musikleben nach den langen Einschränkungen in unserem Land wieder aufblüht", sagte der Vorstandsvorsitzende Clemens Trautmann.

"Das ist vor allem auch den Preisträger*innen zu verdanken, die - wie die gesamte Klassikgemeinde auf und hinter der Bühne - die entbehrungsreiche Zeit mit hoher Kreativität und einer unglaublichen Energieleistung aktiv gestaltet haben."Viele der prämierten Projekte würden sich dadurch auszeichnen, "dass sie einer breiten Öffentlichkeit eine kulturelle Teilhabe ermöglicht haben", betonte Trautmann. "Ich danke allen Preisträger*innen und unseren Partnern für dieses inspirierende Wochenende."

Text: Knut Schlinger