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Keychange-Studie untersuchte Geschlechtervielfalt in der Musikwirtschaft

Am 23. September präsentierte das Reeperbahn Festival eine groß angelegte Studie zur "Geschlechtervielfalt in der Musikwirtschaft und zur Musiknutzung".

28.09.2021 12:19 • von Jonas Kiß
Bei der Präsentation der Studie im East Hotel (von links) Alexander Schulz (CEO Reeperbahn), Elisabeth Furtwängler (MaLisa-Stiftung), Andreas Hombach (KANTAR), Merle Bremer (Project-Lead Keychange) und Moderatorin Birgit Reuther (Bild: MusikWoche)

Am 23. September 2021 präsentierte das Reeperbahn Festival eine groß angelegte Studie zur "Geschlechtervielfalt in der Musikwirtschaft und zur Musiknutzung", die auch online veröffentlicht wurde.

In einer von Musikjournalistin Birgit Reuther moderierten Pressekonferenz sprachen Elisabeth Furtwängler (MaLisa-Stiftung), Merle Bremer (Project-Lead Keychange), Alexander Schulz (CEO Reeperbahn Festival) und Andreas Hombach (Director Insights Division Marktforschungsinstitut KANTAR) über die Ergebnisse der Studie.

Mit der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Marktforschungsstudie hat das Reeperbahn Festival in Kooperation mit der MaLisa Stiftung im Rahmen der Initiative Keychange die Geschlechterverteilung in den Teilmärkten der deutschen Musikkultur und Musikwirtschaft untersucht. Erstmalig wurde auch die Relevanz von Geschlechtergleichheit auf die Nutzung von Musikangeboten aus Sicht von Konsument*innen betrachtet.

So geht nur jede*r vierte Teilnehmer*in aktuell von einer Chancengleichheit für Frauen und Männer in der Musikwirtschaft aus. Zudem hat nahezu jede befragte Frau aus der Musikwirtschaft schon einmal diskriminierende Erfahrungen in Bezug auf Ihr Geschlecht gemacht. Als sinnvolle Maßnahmen sehen die Teilnehmer*innen unter anderem "die gezielte Förderung junger Menschen in Sachen Geschlechtergleichstellung" oder "Mentorings und weibliche Netzwerke".

Etwa jede zweite Frau befürworte Quotenregelungen bei Konzerten und Festivals oder bei Führungskräften. Und empirische Beispiele würden belegen, dass dort wo Quoten eingeführt wurden, der Frauen-Anteil steige.

Auf Seite der Musikkonsument*innen sei das Bewusstsein über Geschlechtervielfalt in Bezug auf ihre Kaufentscheidungen in der Breite noch nicht angekommen. Es gäbe jedoch deutliche Unterschiede in den befragten Altersgruppen. So hätte vor allem für jüngere Konsument*innen im Alter von 16-29 Jahren Geschlechtervielfalt eine hohe Relevanz. Auch für Musikprodukte von Radiosendern und Streamingdiensten hätte eine größere Vielfalt Einfluss auf die Kaufentscheidung von Konsument*innen.

"Wir möchten einen nachhaltigen Wandel in der Musikwirtschaft erzeugen, und dabei die Personen in den Fokus rücken, die bis heute noch zu wenig gesehen werden", erklärt Merle Bremer von Keychange: "So bieten wir das Keychange-Förderprogramm an, gleichzeitig gehen wir mit Organisationen, also den Entscheidern und Machern der Branche, ins Gespräch, und fordern sie auf, sich zu einer Quote zu verpflichten."

Elisabeth Furtwängler von der 2016 gegründeten MaLisa Stiftung, freut sich, "dass wir mit Keychange jetzt Zahlen haben und Befragungen gemacht haben, um zu schauen, wie es mit der Geschlechtervielfalt in der Musikbranche aussieht, was die Barrieren sind, mit denen Frauen konfrontiert sind, und was die Lösungsansätze sind, die als sinnvoll erachtet werden."

Alexander Schulz, CEO Reeperbahn Festival, findet die Ergebnisse der Studie sehr interessant: "Es ist viel zu Tage getreten, wie die Strukturen in den Musikwirtschaftsunternehmen aller Teilmärkte tatsächlich aussehen. Vieles haben wir bereits geahnt, und es ist gut, dass wir es auch jetzt wissen."