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Nova Rock Encore zieht Corona-Fazit

Zwei Wochen nach dem Nova Rock Encore, bei dem am 11. September in Wiener Neustadt 15.000 geimpfte und getestete Fans erlaubt waren, melden die Veranstalter von Nova Music Entertainment eine Infektion und zwei positive PCR-Tests im Vorfeld. 86 Prozent der Besucher waren geimpft, 180 ließen sich vor Ort spritzen.

24.09.2021 15:52 • von Dietmar Schwenger
Fand am 11. September vor 15.000 Fans statt: das Nova Rock Encore (Bild: David Bitzan)

Zwei Wochen nach dem Nova Rock Encore, bei dem am 11. September in Wiener Neustadt 15.000 geimpfte und getestete Fans erlaubt waren, melden die Veranstalter von Nova Music Entertainment eine Infektion und zwei positive PCR-Tests im Vorfeld. 86 Prozent der Besucher waren geimpft, 180 ließen sich vor Ort spritzen. Das eintägige Festival fand als Ersatz für das abgesagte Nova Rock Festival statt, bei dem 50.000 Zuschauer geplant waren.

Der österreichische Festivalintendant Ewald Tatar spricht nun von einem "großen Erfolg" und einem "Wegweiser in die kulturelle Zukunft unseres Landes". Konkret führt Tatar aus: "Es gibt sage und schreibe eine gemeldete Infektion, die laut Contact Tracing dem Nova Rock Encore zugerechnet wird. Des Weiteren waren im Vorfeld zwei PCR-Tests positiv, diese Besucher*innen konnten somit am Festival leider nicht teilnehmen."

"Ich würde mir jetzt gerne den Kommentar dazu ersparen, aber es muss raus: Wo bitte schön ist denn nun das Superspreader Festival...? Ich empfehle einfach, man sollte, bevor man beim nächsten Mal als Virolog*in aus dem tollen großen Universum der Wissenschaft in die Superspreader-Posaune bläst und damit ein Festival zu Fall bringt sowie 50.000 Jugendliche enttäuscht, eventuell vorher ins kleine Veranstalter-Universum herabsteigen und sich mal erkundigen, wie denn so ein Festival überhaupt aussieht und funktioniert."

Kritisch formuliert der Veranstalter: "Aber ich unterstelle hier mal ganz direkt, dass man in puncto Festival genauso viel wusste, wie ich von der Quantenphysik, nämlich gor nix. Es ist immer noch sehr ärgerlich, dass man sich in St.Pölten durch eine solche Aussage derart verunsichern hat lassen. Sorry, aber es wird echt Zeit, dass Politiker langsam wieder mehr Rückgrat und Mut an den Tag legen und nicht nur diese taktisch-nervige Wischi-Waschi-Politik betreiben. Und damit meine ich die Politik allgemein."

Für Hans-Peter Hutter, einen Public-Health-Experten, unterstreicht das Ergebnis "eindrucksvoll", dass auch in Pandemiezeiten größere kulturelle Events möglich seien. "Spaß und hohe Maßstäbe hinsichtlich Infektionsschutz schließen sich also nicht aus. Mit vorausschauender Planung, durchdachten Konzepten, professioneller Zusammenarbeit und klarer Kommunikation lassen sich Veranstaltungen - speziell für junge Menschen - erfolgreich durchführen. Man darf nicht vergessen, dass sich Gesundheit nicht nur über physische und psychische Aspekte definiert, sondern auch über soziales Wohlbefinden - Musik und Kultur zählen eindeutig dazu."

Der Simulationsexperte Niki Popper führt aus, dass die Sicherheitsvorkehrungen nicht nur gut geplant waren, sondern auch gut umgesetzt worden seien. "Im Modell sehen wir, dass so auch große Events stattfinden können. Optimal ist es, wenn ein Impfanreiz und Impfaufklärung passiert, da man bei solchen Events zielgerichtet junge Menschen, bei denen die Durchimpfungsrate noch niedrig ist, erreichen kann."

Die Auswertung der Besucher ergab zudem, dass 59 Prozent Frauen und 41 Prozent Männer wären; 89 Prozent der Besucher waren aus Österreich, fünf Prozent sind von weiter als 400 Kilometer für das Festival angereist.