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Dieter Semmelmann sieht "Planungssicherheit" dank 2G

Am 17. September begann die von Semmel Concerts veranstaltete "Alles oder Dich"-Arenatour von Roland Kaiser. Im Gespräch mit MusikWoche erläutert Dieter Semmelmann, wie der Veranstalter die Tour umsetzt, und welche Rolle dabei die verschiedenen Zutrittsbedingungen spielen.

22.09.2021 14:13 • von Dietmar Schwenger
Begann seine Arenatour in Riesa: Roland Kaiser (Bild: Tom Schulz)

Am 17. September 2021 begann die von Semmel Concerts veranstaltete "Alles oder Dich"-Arenatour von Roland Kaiser. An den ersten drei Konzerttagen kamen zusammengezählt knapp 15.000 Besucher. Im Gespräch mit MusikWoche erläutert Semmel-Geschäftsführer Dieter Semmelmann, wie der Veranstalter die Tour umsetzt und welche Rolle dabei die verschiedenen Zutrittsbedingungen spielen.

"2G ist sicher nicht unsere Lieblingslösung, bringt uns und unserem Publikum aber Planungssicherheit", betont Semmelmann. "Der Vorteil besteht darin, dass nach unserer rechtlichen Einschätzung die Behörden Konzerte bei 2G nicht absagen oder verbieten dürfen . In den Städten wo Verkaufsstatus und Regelung 3G zulassen, versuchen wir dies aber noch umzusetzen."

Semmelmann geht aber davon aus, dass man spätestens ab November komplett für einen gewissen Zeitraum 2G gelten lassen müsse. Geimpfte Besucher hätten damit sowohl die Garantie, dass Ihre gebuchten Shows stattfinden können, und außerdem die Sicherheit, dass sie nur unter immunisierten Besuchern wieder ihre Stars feiern können. "Das bringt hoffentlich auch wieder Lust, Tickets für die kommenden Shows zu kaufen."

Bei der nun erfolgten Umsetzung der Tour von Roland Kaiser kann Semmel Concerts auch auf Erfahrungen von früheren Shows unter Corona-Bedingungen zurückgreifen. "Wir waren mit unseren Sommer-Shows, mit den 'Back To Live'-Konzerten 2020 und anderen Liveprojekten einer der aktivsten Veranstalter in der Zeit - auch weil wir daran glauben, dass unsere Branche selbst in diesen Zeiten Dinge bewegen kann."

"Im Team und in Rücksprache mit Roland haben wir beschlossen, dass wir die Tournee umsetzen wollen", so Semmelmann, der eine nochmalige Verlegung nicht mehr in Betracht gezogen habe. "Klar, auf dem Papier wäre es bequemer, Konzerte noch einmal zu verlegen. Aber wie lange wollen wir das unseren Mitarbeitern, den Dienstleistern und allen, die mit Live-Entertainment ihren Lebensunterhalt bestreiten, noch zumuten?"

"Wir, als einer der Marktführer, sehen uns da in einer wichtigen Verantwortung, auch wenn es anders einfacher wäre", erklärt der Semmel-Chef. "Ich habe großen Respekt vor der Situation im Jahr 2022, wenn dann all die ausgefallenen Tourneen binnen weniger Monate nachgeholt werden sollen. Da ist noch gar nicht allen klar, was da auf uns zukommt, wenn es richtig wieder losgeht."

Konkret habe man für die Roland-Kaiser-Tour die Lage konkret analysiert und festgestellt, dass eine bestuhlte Tour wie diese gut zu den derzeitigen Bedingungen passe. "Und mit der möglichen 2G-Option war das Risiko vertretbar. Deswegen haben wir beschlossen, dass wir es wagen und durchziehen. Dass das aufwändig, spannend und mit einer gehörigen Portion Unsicherheit und Idealismus verbunden ist, ist uns klar. Wir erleben dies jeden Tag neu."

Aber schon bei den Sommer-Shows in den vergangenen drei bis vier Wochen habe die begeisterte Reaktion des Publikums gezeigt, dass die Entscheidung, diesen Schritt zu gehen, richtig gewesen sei. "Wir wissen, dass wir nicht Alle zufriedenstellen können, da manche einfach noch nicht auf Konzerte gehen wollen oder sich nicht impfen lassen wollen/können und dann nur schwer zu den Konzerten kommen", führt Semmelmann aus.

"Aber auf der anderen Seite gibt es sehr viele Menschen, die wieder Live Entertainment erleben wollen, und das hat uns den Mut gegeben, diese große Tour in Angriff zu nehmen - nicht zuletzt, weil wir es so sehr lieben, unsere Besucher glücklich zu machen. Und der Künstler, die Band und die Crew lieben das genauso. Wir wollten einfach nicht mehr länger warten. Und wer sagt uns denn, dass es im Frühjahr 2022 besser ist als jetzt?"

Vor Beginn der Tour gab es Kritik einiger nicht geimpfter Besucher, die nun einen PCR-Test machen müssen, um auf einzelne Konzerte zu kommen, für die eine "2G + PCR-Test"-Regelung gilt. "Ich kann den Ärger der Leute über die 2G-Reglung oder den teuren PCR-Test natürlich komplett nachvollziehen, aber die kurzfristige Änderung der Einlassbestimmungen zum Tourstart in Riesa wurde wegen der gestiegenen Inzidenzen in der Region erforderlich", erläutert der Veranstalter.

"Ehrlicherweise muss man sagen, dass all die Karteninhaber ihre Tickets ja bereits in der Vor-Corona-Zeit ohne irgendwelche Bedingungen gekauft haben. Ich weiß auch, dass solche Zutrittsregelungen in Sachsen, dem Bundesland mit der niedrigsten Impfquote, am schwierigsten umzusetzen sind", so Semmelmann weiter.

"Aber die Alternative wäre gewesen, das Konzert in Riesa abzusagen und wieder zu verschieben. Gerade weil Riesa bereits im März 2020 das Auftaktkonzert gewesen wäre und jetzt wieder am Anfang der Tour stand, wollten wir es unbedingt spielen, obwohl wir wussten, dass wir uns damit Ärger einhandeln würden", räumt Semmelmann ein.

"Andererseits haben die Besucher, die nicht kommen können, die Möglichkeit, ihre Tickets in Gutscheine umzutauschen", informiert er. "Diesen können sie dann bei einem der Konzerte von Roland im Jahr 2022 einlösen oder sich ab dem 1. Januar 2022 den Ticketpreis in cash erstatten lassen, so wie das unser Gutscheingesetz vorsieht. Es ist nicht so, dass die Ticketkäufer ihr Geld verlieren, weil sie - was wir sehr bedauern - nicht geimpft sind."

Für die Tour von Roland Kaiser ist Semmelmann optimistisch. "Ich gehe davon aus, dass die Tour gut laufen wird, aber ich gehe davon aus, dass jeden Abend bestimmt einige Besucher nicht kommen werden. Wir erwarten derzeit No-Show-Raten von circa 20 Prozent, bei den ersten Shows von Roland Kaiser war die Rate erfreulicherweise sogar etwas geringer." Er wisse von Kollegen aus dem Ausland, dass Konzerte derzeit auch dort von 70 bis 80 Prozent der verkauften Kapazität besucht werden.