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Meet Germany will in 16 Schritten zur ­Klimaneutralität

Bei der Abendveranstaltung des Meet Germany Summits Berlin ging es jüngst um ein Programm, wie die Veranstaltungswirtschaft bis 2025 Klimaneutralität erreichen könnte. Im dritten Teil der MusikWoche-Serie zur Nachhaltigkeit berichtet der Booker Stefan Lohmann von dem Event und dem dort vorgestellten Klimaplan.

24.09.2021 09:18 • von Dietmar Schwenger

Bei der Abendveranstaltung des Meet Germany Summits Berlin ging es jüngst um ein Programm, wie die Veranstaltungswirtschaft bis 2025 Klimaneutralität erreichen könnte. Im dritten Teil der MusikWoche-Serie zur Nachhaltigkeit berichtet der Booker Stefan Lohmann von dem Event und dem dort vorgestellten Klimaplan.

Bei Meet Germany haben sich nach eigenen Angaben über 3000 Eventplaner*innen und Supplier organisiert. Passend zum diesjährigen Motto "(R)evolution of Business" haben ich als CEO Sustainable Event Solutions und Tanja Schramm (CEO Meet Germany) vor dem Fachpublikum klargestellt: "Durch die 16 Steps Initiative wird Klimaneutralität und Nachhaltigkeit zum neuen Standard der Eventbranche!" So freut sich Tanja Schramm, gemeinsam mit mir die 16 Steps zur Klimaneutralität anzuschieben, wie sie selbst schreibt: "Bis Ende 2025 werden wir in jedem Quartal Branchenkollegen zu einem Thema in den Austausch bringen, Best-Practice-Beispiele zeigen, Tipps für die Umsetzung geben und gemeinsam lernen. Dieses sehr wichtige Thema bildet einen Meilenstein, bei dem unsere Branche weiter zusammenrückt."

Die Idee zu den 16 Steps entstand durch ein Gespräch mit ihr. Ich sagte ihr, dass zu viele in unserer Branche nur über das Thema reden, aber leider nicht entsprechend handeln würden, und dass man jetzt aktiv werden müsse aufgrund der kurzen Zeit, die uns noch bleibt, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Als sie fragte, was man konkret tun könnte, um wirklich etwas zu verändern, entstanden daraus die 16 Schritte zur Klimaneutralität bis 2025. Die einzelnen Steps werden nun Schritt für Schritt veröffentlicht und sind angelehnt an dem Sustainability Rider und der Checkliste von Sustainable Event Solutions, ein extrem komprimierter Leitfaden, der mit Hilfe von EMAS (Eco-Management and Audit Scheme)- und ISO (Internationale Organisation für Normung)-Experten erstellt wurde, um allen Interessierten die Möglichkeit zu geben, Veranstaltungen nachhaltig umzusetzen.

Diese niedrigschwelligen einzelnen Schritte gehen wir nun Hand in Hand als Branche an, um gemeinsam einen Standard zu setzen und Nachhaltigkeit als Grundlage für unsere Eventplanungen in der Branche zu etablieren. Wer unbedingt noch eine Umweltsauerei betreiben will, sollte sich vielleicht langsam eine andere Branche suchen. Spannend ist aber auch, dass viele Veranstalter*innen und Lieferant*innen noch gar nicht erkannt haben, welche riesigen Einsparpotenziale das nachhaltige Wirtschaften bietet und welche Kostenvorteile daraus entstehen.

Unterstützt wird die Kampagne von insgesamt 13 Verbänden und Netzwerken der Green Economy und der Event Industrie. Das Thema Nachhaltigkeit vereint die Eventbranche mit den Firmen, die schon nachhaltig wirtschaften. "Wir können wichtige Themen wie das Thema Nachhaltigkeit nur im Schulterschluss mit anderen Akteuren gemeinsam voranbringen. Eine einheitliche Linie wie die 16 Steps hilft allen Akteuren und Playern am Markt, im Großen wie im Kleinen Handlungsempfehlungen für die eigene Umsetzung zu bekommen. Daher unterstützt der VDVO die Initiative", sagt etwa Doreen Biskup vom Verband der Veranstaltungsorganisatoren.

Alle Unterstützer*innen verstehen das Thema Nachhaltigkeit nicht als das Problem der Branche, sondern als Lösung, um die Branche fit und rechtssicher für die Zukunft zu machen. Die aktuellen Klagen von Greenpeace und der Umwelthilfe gegen BMW, Mercedes und Volkswagen zeigen, welch hohes Risiko Firmen eingehen, wenn sie die Ziele des Klimaschutzgesetzes nicht beachten. Nachhaltigkeit macht die Event-Branche zukunftsfähig in einem klimaneutralen Europa. Das Deutsche Klimaschutzgesetz und der Green Deal der EU geben den Rahmen bereits vor, allerdings sollte man auch wissen, dass die Ziele der aktuellen Bundesregierung nicht ambitioniert genug sind, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens wirklich zu erreichen.

Deshalb wollen wir mit unserer 16-Steps-Initiative bis 2025 Klimaneutralität erreichen, um zu zeigen, dass es auch schneller geht. Wir wollen damit auch andere Branchen inspirieren. Vielleicht entsteht dadurch sogar ein positiver Wettbewerb um die besten Ideen zur Klimaneutralität der gesamten Wirtschaft. Mein Dank geht an Tanja und alle unterstützenden Verbände und Netzwerke für den Mut, die Eventwirtschaft zu einer großen und aktiven Community zu vereinen, und für ihr Engagement, die Plattformen und Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Die 16 Steps sind einfache Schritte zur Klimaneutralität, die möglichst viele aus der Branche gemeinsam gehen werden. Zum Beispiel: Alle wechseln zu Ökostromanbietern und fordern auch Ökostrom von den Spielstätten für die künftigen Veranstaltungen. Ein nächster Schritt ist die Beachtung der Gewerbeabfallverordnung - ein nachhaltiges Abfallmanagementsystem mit Abfalltrennung in die jeweiligen Wertstoffgruppen. Beides sind Maßnahmen mit großem Einsparpotenzial an CO2 und Kosten. Zu jedem Step wird es einen Austausch, Workshops und Panels innerhalb der Verbände geben. Ich stelle meine Expertise und Materialien allen Verbänden und Netzwerken zur Verfügung. Zusätzlich werden alle die einzelnen Schritte auch nach außen kommunizieren, damit möglichst viele in der Branche erreicht werden und entsprechend von dem Wissenstransfer und der gemeinsamen Umsetzung profitieren können.

Die Ankündigung der 16 Steps wurde bei der Abendveranstaltung am 26. August eindrucksvoll unterstützt vom Brass & Beats Ensemble des nachhaltig agierenden Berlin Show Orchestras. Zusammen mit dem Gründer des Orchesters, Lenn Kudrjawizki, möchte ich am Beispiel des Orchesters zeigen, was Green Entertainment in der Praxis bedeutet und beinhaltet. Und wer denkt, nachhaltige Veranstaltungen seien langweiliger, leiser, dunkler oder weniger lecker, der hat keine Ahnung von den Möglichkeiten nachhaltiger Veranstaltungen. So wurden im nachhaltigen Humboldt Carré vegetarische und vegane Gerichte von Kofler und Kompanie serviert, sowie nachhaltige Getränke wie das Knärzje-Bier, das aus Brotresten hergestellt wird, die nicht mehr verkauft werden konnten. Viele weitere Produkte und Lieferant*innen der Abendveranstaltung gehören zum Sustainable Event Solutions Netzwerk. Dazu gehört auch die Technikfirma BTL, die für das Sound- und Lichtkonzept zuständig war.

Wie wichtig das Thema ist, dafür fand Katharina Reuter vom Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft die richtigen Worte: "Nachhaltige Veranstaltungen müssen das neue Normal werden!" ?

Text: Stefan Lohmann