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Für Detlef Hornstein "sind wir die Politik"

Detlef Hornstein, Geschäftsführer OWL-Konzerte, war elf Jahre lang als Abgeordneter für die SPD auf Kommunal- und Kreisebene im Bereich Kulturpolitik tätig. Im Gespräch mit MusikWoche erklärt er, warum die Branche sich verstärkt in der Politik engagieren sollte.

24.09.2021 14:12 • von Dietmar Schwenger

Detlef Hornstein, Geschäftsführer OWL-Konzerte, war elf Jahre lang als Abgeordneter für die SPD auf Kommunal- und Kreisebene im Bereich Kulturpolitik tätig. Im Gespräch mit MusikWoche erklärt er, warum die Branche sich verstärkt in der Politik engagieren sollte.

Warum sind Sie damals als Veranstalter in die Politik gegangen?

Politik hat mich schon seit meiner Jugend stark interessiert. Ich wollte seither gern mitgestalten, die Gestaltung unseres Lebens nicht nur anderen überlassen. Viele Jahre schreckte mich meine intensive Tätigkeit als Veranstalter ab, dieses zusätzliche Zeitengagement einzugehen. Dann war der "Point of no Return" erreicht

Welche Erfahrungen haben Sie in der Politik gemacht, was konnten Sie umsetzen?

Als selbstständiger Kulturarbeiter, Manager, Agent, Veranstalter ist man anfänglich doch überrascht darüber, wie Kultur in der Politik, vor allem aber in der Verwaltung wahrgenommen und bewertet wird. So wird dann auch sehr oft in den politischen Gremien entschieden. Oft fernab der gesamten kulturellen Realitäten. Entscheidungsindikatoren waren oft die Kultureinrichtungen, die seit Jahr und Tag auch gefördert wurden - also zum Beispiel Theaterhäuser bis hin zu Heimatvereinen. Das war die vorgefundene Kulturpolitik auf kommunaler und regionaler Kreisebene. Hier neue Ansatzpunkte zu knüpfen, die Bandbreite von Kultur in die Kulturpolitik zu integrieren war die vornehmlichste Aufgabe der ersten Zeit. Eine spannende, und sehr umfangreiche Aufgabe, die durchaus auf Interesse, aber erst einmal auch auf gewisse Ablehnung stieß. Den politischen Kulturhorizont zu erweitern ist nicht für alle politisch oder verwaltungspolitisch einfach, um es einmal diplomatischer auszudrücken. Das war die Basis dafür, um andere Entscheidungsbilder auch mehrheitlich durchsetzen zu können und somit Fördermittel auch einmal anders als bislang einzusetzen. Das stößt durchaus auf Widerstand, keine Frage. Gerade in der Pandemie-Zeit war dieser Weg in der Kommunal und Kreis-Politik sowie in den entsprechenden Verwaltungen hilfreich. Als kulturpolitischer Sprecher meiner Kreistagsfraktion war mir der regionale Kulturbeirat ein Anliegen, das ich positiv in der Fraktion vorstellen konnte, und stets weiter verfolgte - auch was die Besetzung dieses Gremiums betraf. Seitdem wir den Kreistag (das Parlament) davon überzeugen konnten, funktioniert dieses Gremium seit nunmehr einigen Jahren, und zwar praktisch mit Entscheidungsbefugnissen der Verwaltung gegenüber, also nicht als Papiertiger der Verwaltung nebst Landrat & Co. Dies war ebenfalls ein wichtiger Baustein in meiner kulturpolitischen Arbeit.

Was könnte die Musikbranche von der Politik lernen - und was umgekehrt?

Eindeutiger Vorteil ist in der Politik die Vernetzung, die offene Gesprächsbereitschaft, die positive Auseinandersetzung, das Ringen um die Inhalte, auch wenn man anderer Meinung ist - kurzum: die professionelle Lobbyarbeit. Die Politik kann aus der Vielfältigkeit der Kulturbranche sehr viel lernen, die engen Horizonte zu erweitern und daraus Kenntnisse ziehen, wie es wirklich in der Kulturwelt aussieht. Zwei ganz wichtige Dinge, die grundsätzlich nötig sind, um miteinander ins echte Gespräch zu kommen, gegenseitig wahrgenommen und akzeptiert zu werden. So können dann gemeinsame Entscheidungen erarbeitet und umgesetzt werden.

Sollte die Musikbranche sich verstärkt politisch engagieren?

Definitiv ja! Politik ist nichts Abstraktes. Politik setzt die Eckdaten, bewässert die Felder unseres Alltags und unseres Lebens. Politik gehört zu unserem Leben, wir alle können teilhaben, mitgestalten und somit auch unsere Anliegen viel besser und genauer und schneller Vertreten. Dies zeigt gerade diese Zeit der Pandemie deutlich auf. Wir sind - auch als Kulturarbeiter - die Bürgerinnen und Bürger, wir sind die Politik. Wir müssen es nur wollen. Unsere Verfassung zeigt uns dies deutlich auf. Die beste aller Verfassungen, die je aus diesem Lande hervorkam. Sie ist kein Papiertiger, sondern Vorgabe und Realität. ?

zur Person

Detlef Hornstein arbeitet seit 34 Jahren in der Veranstaltungsbranche, er ist Geschäftsführer von OWL-Konzerte in Bad Driburg. Elf Jahre war er in der regionalen und zum Teil landesweiten Kulturpolitik tätig. Für die SPD war Hornstein Abgeordneter im Kreistag Bad Driburg und kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, Mitinitiator und Mitglied des regionalen Kulturbeirats sowie Mitglied in vielen politischen Gremien oder Delegierter auf Landes- und Bundesparteitagen. Hornstein hat kommunale Fraktionen und Gremien kulturpolitisch beraten, war Mitglied des NRW AK Medien und Kultur der SPD. Ab November 2020, dem Ende der Wahlperiode, hat er sich bewusst aus der aktiven Politik zurückgezogen, um sich komplett den beruflichen Herausforderungen wie etwa Corona zu widmen.