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US-Musikmarkt wächst sprunghaft

Trotz aller Einschränkungen fürs Musikgeschäft insgesamt geht es im US-Musikmarkt für Recorded Music steil bergauf: Die Halbjahresbilanz des RIAA-Branchenverbands weist ein Umsatzplus von 27 Prozent aus. Die Zahl der Streamingabos durchbrach dabei erstmals die Marke von 80 Millionen, die Vinyl-Umsätze haben sich knapp verdoppelt.

14.09.2021 12:22 • von
Streaming dominiert den US-Musikmarkt: 84 Prozent der Gesamteinnahmen entfielen im ersten Halbjahr 2021 auf kostenpflichtige und werbefinanzierte Streamingdienste (Bild: RIAA-Präsentation, Screenshot)

Trotz aller Einschränkungen fürs Musikgeschäft insgesamt geht es in den USA mit der Vermarktung von Recorded Music steil bergauf: Die Halbjahresbilanz des RIAA-Branchenverbands (hier) weist für die Einnahmen nach Konsumentenpreisen ein sattes Umsatzplus von 27 Prozent aus. Lagen die Umsätze im ersten Halbjahr 2020 noch bei 5,6 Milliarden Dollar, so summierten sie sich nun von Anfang Januar bis Ende Juni 2021 bereits auf 7,1 Milliarden Dollar. nach Großhandelspreisen ging es im Vorjahresvergleich von 3,7 Milliarden Dollar rauf auf 4,6 Milliarden Dollar.

Der US-Markt dürfte damit auf das sechste Wachstumsjahr in Folge zusteuern, und das mit einer ganz neuen Dynamik. Das Gesamtjahr 2020 hatte die RIAA noch mit einem Umsatzplus im prozentualen einstelligen Bereich abgeschlossen.

Über alle kostenpflichtigen und werbefinanzierten Angebote hinweg wuchsen die Einnahmen der Plattenfirmen aus dem Streaming um 26 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar und einen Gesamtmarktanteil von 84 Prozent. Kostenpflichtige Musikabos steuerten dazu bei einem Plus von ebenfalls 26 Prozent bereits 4,6 Milliarden Dollar bei, fast zwei Drittel der Gesamtumsätze und 78 Prozent der Einnahmen aus dem Streaming.

Die Zahl der Streamingabos im weltgrößten Musikmarkt erreichte dabei im ersten Halbjahr 2021 nunmehr 82 Millionen, wobei die RIAA hier Familienabos als einen Kunden zählt und eingeschränkte Preismodelle nicht mit einrechnet.

Im physischen Bereich stellt das Vinyl die CD zunehmend in den Schatten: So wuchsen die Umsätze aus dem Verkauf von Schallplatten im ersten Halbjahr 2021 um 94 Prozent auf 467 Millionen Dollar. Allerdings muss man dabei auch den Corona-Effekt des Vergleichszeitraums mit bedenken, samt geschlossener Läden und einem verschobenen Record Store Day, der 2021 wieder ins Frühjahr fiel. Selbst die CD konnte davon profitieren und im ersten Halbjahr 2021 ein Umsatzplus von 44 Prozent verbuchen, was allerdings im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019, also vor der Corona-Pandemie, ein Minus von 19 Prozent bedeutet.

Im Formatvergleich entfallen inzwischen 70 Prozent der Umsätze aus dem Verkauf von Tonträgern auf die LP.

Trotz der eindrucksvollen Zuwächse gibt Chairman & CEO Mitch Glazier in einem Beitrag auf den "Medium"-Seiten der RIAA nur zurückhaltend optimistisch. Schließlich rüttele die Pandemie auch weiterhin an den Grundfesten der Gesellschaft, und die schnelle Rückkehr des öffentlichen Lebens im Frühjahr sei durch das Aufkommen der Delta-Variante längst neuen Unsicherheiten gewichen. Die starken Ergebnisse des ersten Halbjahres 2021 aber würden die vielen Möglichkeiten spiegeln, wie Menschen heute beständig Musik nutzen und neu für sich entdecken, was wiederum Wachstumschancen für Künstler*innen und deren Labelpartner eröffne.

Text: Knut Schlinger