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Sebastian Kahlich sieht "viel Bewegung im Markt"

Als Sebastian Kahlich Anfang 2020 zu Ticketmaster wechselte, konnte er noch nicht ahnen, wie sehr die Pandemie auch seinen Aufgabenbereich bestimmen würde. Im Gespräch mit MusikWoche berichtet der Senior Director Sales & Marketing, wie das Ticketingunternehmen die Zeit genutzt hat.

14.09.2021 09:48 • von Dietmar Schwenger

Als Sebastian Kahlich Anfang 2020 zuTicketmaster wechselte, konnte er noch nicht ahnen, wie sehr die Pandemie auch seinen Aufgabenbereich bestimmen würde. Im Gespräch mit MusikWoche berichtet der Senior Director Sales & Marketing, wie das Ticketingunternehmen die Zeit genutzt hat.

Wie ist Ticketmaster in Deutschland bislang durch die Corona-Zeit gekommen?

Ticketmaster hat die herausfordernde Zeit genutzt, um sich bestmöglich für die Restart-Phase der Branche vorzubereiten. So wurde zum Beispiel die weltweite Ticketmaster-Struktur, die vorher getrennt nach US und International gearbeitet hat, in eine globale Ticketmaster-Organisation unter der Leitung von Mark Yovich geführt. Unter der Leitung von Klaus Zemke in Central Europe können wir Themen wie Produktentwicklung und natürlich auch die laufenden Digitalisierungsthemen noch besser abstimmen. Eindrucksvolle Verkaufszahlen, wie sie Ticketmaster in den USA im Juni geliefert hat, unterstreichen die Stärke der Branche.

Wie ist Ticketmaster bei der Rückerstattung von Tickets vorgegangen? Haben Käufer den vollen Ticketpreis erhalten?

Wir sind dankbar für das Instrument der Covid-Gutscheine, die allen Marktteilnehmern geholfen haben, diese Zeit zu überstehen. Um unsere Kunden zu unterstützen, haben wir bei Stornierungen den vollen Kaufpreis erstattet und keine Gebühren einbehalten, übrigens auch nicht gegenüber unseren Kunden auf der Veranstalterseite.

Können Sie Beispiele für neue, von Ticketmaster entwickelte Technologien nennen, mit denen Sie auf die Herausforderungen der Pandemie und der Zeit danach reagiert haben?

Ticketmaster hat sich 2020 zum globalen Marktführer beim Ticketverkauf für Online-Events und kostenpflichtige Livestreams entwickelt. Darüber hinaus wurde erstmals eine globale Livestream-Plattform gestartet. Erfolgreich waren zum Beispiel Streamkonzerte von Dua Lipa, James Bay, Kaiser Chiefs, Andrea Bocelli, Liam Gallagher oder Sam Smith. Zudem haben sowohl die Veranstalter, als auch die Kunden von der beschleunigten Digitalisierung des Ticketings profitiert, in die wir seit vielen Jahren investiert haben und in der wir weiter wachsen werden. Viele unserer neuen Entwicklungen werden wir auch im Rahmen des Ticketmaster Forum am 14. und 15. September in Berlin präsentieren.

Trotz der Pandemie hat sich der Livemarkt in der Zeit stark verändert. Erwarten Sie einen noch härteren Wettbewerb, wenn es wieder losgeht - nicht nur unter den Ticketingunternehmen, sondern auch im Verhältnis zu den Tour- und Festivalveranstaltern, den örtlichen Veranstaltern und den Spielstätten?

Wir merken an allen Stellen, dass viel Bewegung im Markt ist, mit vielen Chancen für uns. Noch ein Grund, unser zehnjähriges Jubiläum mit Freunden und Wegbegleitern aus der Branche am Abend des 14. September zu feiern.

Wird das Ticketmaster-Team in Berlin weiter wachsen? Worauf legen Sie in den kommenden Monaten den Schwerpunkt beim Marketing?

Ticketmaster wird auch weiter wachsen, um dem hohen Service-Anspruch unserer Kunden und Partner gerecht zu werden. So ist zum Beispiel gerade Melissa Weston als unser neuer Head of Marketing angetreten. Melissa hat zuletzt das Marketing für Zalando in UK und Irland geleitet und wird neue wichtige Impulse setzen und gemeinsam mit mir ein schlagkräftiges Central-Europe-Team bauen, um für jeden Kunden mit seiner individuellen Zielgruppe den perfekten Marketing-Mix zu finden.

Ticketmaster hat jüngst in den USA den viertbesten Monat der Unternehmensgeschichte gemeldet. Gibt es ähnliche Zahlen auch für Deutschland?

Wir geben keine separaten Zahlen für Deutschland raus.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Sie waren schon bei verschiedenen Unternehmen tätig - vom Label über die TV-Branche bis hin zum Start-up. Warum nun der Livebereich? Und können Sie Unterschiede zu den anderen Bereichen des Musikgeschäfts ausmachen?

Lieben Dank für diese spannende Frage. Die Livebranche hat mich schon immer fasziniert, seit ich das erste mal auf ein Konzert gegangen bin. Als ich dann im Rahmen meiner Arbeit bei Jive Records einen noch tieferen Eindruck gewinnen durfte, wurde die Faszination noch größer. Jetzt die Unterschiede aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, aber ein großer Unterschied ist bestimmt, dass in dieser Branche alle mit einer unbeschreiblichen Leidenschaft für unvergessliche Livemomente arbeiten, egal an welcher Stelle, und es mich stolz macht, nun Teil dieser Community zu sein.

zur Person

Der am 12. August 1974 geborene Sebastian Kahlich studierte an der Universität zu Köln sowie an der Cologne Business School. Er begann seine Karriere in der Musikbranche im Jahr 2000 bei Zomba Records Von 2003 bis 2006 war er für unter anderem als Product Manager für RTL Enterprises tätig Nach einem Jahr als Director Marketing beim Start-up Icon Impact kehrte ins TV-Geschäft zurück. Von 2007 bis 2015 arbeitete er zuletzt als Group Account Director DACH und Head of Sales für MTV Network, dem späteren Viacom International Media Networks. Anfang 2016 wechselte er als Director Brand Partnerships And Event zum ProSiebenSat.1-Unternehmen Starwatch Entertainment. Vier Jahre später vollzog Kahlich den Schritt ins Ticketinggeschäft: Im Januar 2020 wurde er Director Music & Entertainment bei Ticketmaster, im September des Jahres stieg er zum Director Sales & Marketing Germany & Austria auf, im September 2021 folgte seine Beförderung zum Senior Director Sales & Marketing Germany & Austria.