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Forum Veranstaltungswirtschaft für "2G + PCR"

Das Forum Veranstaltungswirtschaft fordert für gegen Corona vollständig Geimpfte, für Genesene und Menschen mit aktuellem negativen PCR-Test den Einlass in Veranstaltungen ohne Kapazitätsbeschränkungen.

24.08.2021 12:17 • von Frank Medwedeff
Kämpft mit dem Forum Veranstaltungswirtschaft für einheitliche Öffnungsszenarien mit wirtschaftlicher Perspektive: Marcus Pohl, 1. Vorsitzender der ISDV (Bild: ISDV)

Das Forum Veranstaltungswirtschaft kritisiert den Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom 10. August 2021, in dem es heißt: "Großveranstaltungen, Veranstaltungen in geschlossenen Räumen, Feiern, Bars und Clubs sind die Bereiche, die mit einem besonders hohen Risiko für Mehrfachansteckungen ("superspreading events") verbunden sind." Dabei hätte es laut dem Forum den Veranstaltungsunternehmen gereicht, einfach nur eine Antwort auf ihre "seit Monaten gestellte Frage" zu erhalten: "Was muss denn noch passieren, damit bei Veranstaltungen endlich auf Abstandsregeln und Kapazitätsbeschränkungen verzichtet werden kann?"

Stattdessen habe man es seitens der Politik bei "vagen Mutmaßungen der von Großveranstaltungen ausgehenden Gefahren belassen", eine Teilnehmerobergrenze von 5000 Personen festgelegt und es im Übrigen den Bundesländern überlassen, "durch einschränkende Regelungen oder situationsbezogene Entscheidungen im Einzelfall die zulässige Teilnehmerzahl und den Zugang zu begrenzen, wo dies erforderlich ist".

Immer wieder hätten die Verbände des Forums Veranstaltungswirtschaft in der Vergangenheit der Kanzlerin, den Bundesministerien und den Länderregierungen detailliert dargelegt, dass Veranstaltungsräume infektionsschutzsicher gestaltet werden können. Sie haben "Schnelltestangebote vor Ort" angeboten. Und die Forumsrepräsentantinnen und -repräsentanten erinnern daran, dass sie "gebetsmühlenartig" anmahnten, dass ihnen "endlich eine Perspektive gegeben werde und ihnen mitgeteilt werden müsse, ob es denn überhaupt noch Sinn mache, auf einen Neustart zu hoffen".

Seit Januar erlebe die Branche auf diese Frage das "Schweigen im Walde". Einigkeit habe bei den Ansprechpartnern allerdings bestanden, dass Schnelltests keine hinreichende Aussagekraft hätten, und die Ansteckungsgefahr bei Veranstaltungen zu groß sei. Alles andere ließe sich derzeit schwer beurteilen, habe es immer wieder geheißen, wie das Forum Veranstaltungswirtschaft resümiert.

Der Wirtschaftszweig, der immer noch verzweifelt nach einem Weg suche, endlich wieder auch wirtschaftlich tragfähige Veranstaltungen durchführen zu können, habe zwischenzeitlich angeregt, dann eben Veranstaltungen nur mit den "2G" - Geimpften und Genesenen - zu realisieren. Schließlich müsse das doch möglich sein - denn mehr als geimpft oder immun zu sein, sei doch "gar nicht vorstellbar".

Die Stadt Hamburg scheine die Initiative des Forums immerhin "bereits beeindruckt" zu haben: Der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher wolle dort "für die 2G den Weg zurück in die Normalität ebnen". Über den Umfang der Lockerungen werde zwar noch debattiert, aber die Marschrichtung findet das Forum Veranstaltungswirtschaft "erfreulich". Es bleibe zu hoffen, dass "schnell auch andere Bundesländer diesen Weg gehen".

Natürlich könne für die Livebranche eine Reduktion lediglich auf die 2G "keineswegs eine mittelfristig tragbare Lösung" sein. Kein Wirtschaftszweig könne es sich leisten, auf nahezu die Hälfte seiner Klientel zu verzichten. Daher regt die Veranstaltungswirtschaft unter dem Kürzel "2G + PCR" jetzt an, dass "auch Personen, die einen negativen PCR-Test vorweisen können, Einlass in Veranstaltungen ohne Kapazitätsbeschränkungen gewährt werden darf".

"Mit Nachdruck" fordert das Forum zudem, dass "jedenfalls" bei Veranstaltungen mit den "2G" die nun durch den MPK-Beschluss vom 10. August festgeschriebene Grenze von 5000 Teilnehmern fällt, denn dafür gebe es "jedenfalls für Geimpfte und Genesene keinerlei Rechtfertigung mehr."

Ein weiteres "undifferenziertes Festhalten an Abstandsregeln und Kapazitätsbeschränkungen" bei Veranstaltungen müsse, und da seien sich die Verbandsvertreter:innen einig, zwangsläufig die Frage aufwerfen, in welchem Umfang Beschränkungen der Grundrechte von Veranstaltern und Veranstaltungsbesuchern auch bei einer Reduktion auf die Besuchergruppen 2G + PCR noch angemessen und damit rechtlich belastbar seien.

"Sobald wir endlich Antworten auf die hier gestellten Fragen haben, wird sich das Forum Veranstaltungswirtschaft mit Nachdruck dafür einsetzen, dass jedes Öffnungsszenario tatsächlich bundesweit einheitlich umgesetzt wird", formulieren die Forumsrepräsentant*innen in ihrer gemeinsamen Erklärung. Nur so werde es möglich sein, "dass Veranstalter sich nicht weiterhin mit einem Flickenteppich konfrontiert sehen, wie es derzeit der Fall ist".

Das Forum Veranstaltungswirtschaft ist die Allianz sechs maßgeblicher Verbände des Wirtschaftsbereichs. Beteiligt sind der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), der Europäische Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC), der Fachverband Messen und Ausstellungen (FAMA), die Interessengemeinschaft der selbständigen Dienstleisterinnen und Dienstleister in der Veranstaltungswirtschaft (ISDV), die Livekomm als Verband der Musikspielstätten in Deutschland und der VPLT als Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik.