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Mittelgrün Reisen bietet nachhaltiges Mentoring-Programm

Mit Mittelgrün Reisen haben die Gründer*innen Lena Stoppe und Eric Lubadel aus Erfurt eine Firma ins Leben gerufen, bei der nachhaltiger Imageaufbau, soziale Gerechtigkeit und ein geringer CO2-Fußabdruck im Mittelpunkt der Artist-Betreuung stehen. Im Interview erläutern Stoppe und Lubadel, was es mit dem Mentoring-Programm auf sich hat.

10.08.2021 15:17 • von Jonas Kiß
Expert*innen in Sachen Nachhaltigkeit: Eric Lubadel und Lena Stoppe (Bild: Fotoloft Erfurt, Montage: MusikWoche)

Mit Mittelgrün Reisen haben die Gründer*innen Lena Stoppe und Eric Lubadel aus Erfurt eine Firma ins Leben gerufen, bei der nachhaltiger Imageaufbau, soziale Gerechtigkeit und ein geringer CO2-Fußabdruck im Mittelpunkt der Artist-Betreuung stehen. Im Interview erläutern Stoppe und Lubadel, was es mit dem Mentoring-Programm auf sich hat.

_Wie kam die Idee zustande, Mittelgrün Reisen zu gründen?

Eric Lubadel: Ich habe lange Zeit als selbstständiger Musiker in verschiedenen Bereichen der Musikindustrie gearbeitet. Zurück in Erfurt habe ich immer wieder bemerkt, dass das Netzwerken und die Gespräche in der Branche hier besser laufen könnten. Ich bin also selbst tätig geworden, habe einen Proberaumkomplex vermietet und ein Tonstudio eingerichtet. Mit der Zeit stellten mir zunehmend Musiker*innen Fragen zur Branche. So entstand die Idee, etwas Unternehmerisches daraus zu machen.

Lena Stoppe: Ich komme aus dem sozialen und ökologischen Projektbereich, habe deshalb viel Erfahrung im Thema Nachhaltigkeit. Das Wichtigste ist die Nachhaltigkeit des Teams im Projekt - das Grundgerüst muss stehen, damit wir langfristig arbeiten können. Danach können wir über wirtschaftliche Rentabilität und Umwelt sprechen. Es gibt in grüner Hinsicht schon erste Initiativen, wie die Green Music Initiative oder Green Touring Network, dennoch ist der Bereich noch sehr ausbaufähig, und wir wollen den Vorteil der Nähe zum Artist nutzen.

_Was bieten Sie den Künstlerinnen und Künstlern mit ihrer Firma alles an?

Lena Stoppe: Der Fokus unseres Konzeptes ist das 360° Mentoring, in dem wir den Artist rundum auf ­seinem Karriereweg begleiten. Anfangs finden wir sein Ziel und besprechen, wie wir diesen Weg gemeinsam gehen wollen. Im besten Fall entsteht daraus eine längerfristige Zusammenarbeit, in der es um diverse Themen gehen kann - zum Beispiel Release, Touring, Vernetzung. Für uns stehen das Mindset und die ­Stabilität des Projekts an erster Stelle.

Eric Lubadel: Wir bezeichnen uns manchmal auch als »Unternehmensberatung für Artists«. Das Mentoring ist eine Alternative zum herkömmlichen Musikmanagement.

Lena Stoppe: Das heißt: Wir bieten eine transparente Dienstleistung. Unsere Beratung ist eine Art Hilfe zur Selbsthilfe, in der wir fachlich beraten und vernetzen, aber keine Ergebnisse oder fertige Kommunikation auf den Tisch legen. Mit unserer Hilfe wird der Artist ein eigenes, individuelles Denken und Handeln entwickeln.

_Wie gestaltet sich ihr Geschäftsmodell?

Eric Lubadel: Wir bieten, grob gesagt, drei Geschäftsfelder an. Das wichtigste sind die Mentorings, sprich eine Komplettbetreuung. Das zweite Geschäftsfeld bilden die Workshops und Seminare. Da geht es zum Beispiel allgemein um Zusammenhänge der Musikindustrie, spezifisch um GEMA/ GVL, PR, ein gutes EPK, Green Touring. Das dritte Geschäftsfeld ist der sogenannte Artist Dealer, eine Plattform, die wir aktuell digital aufbauen. Dort sind alle unsere Netzwerkpartner*innen zu finden, so dass sich der Artist ein Portfolio an Kontakten zusammenstellen kann. Es ist eine Art Branchennetzwerk. Täglich kommen neue Anfragen von Bands, Singer/Songwriter*innen und Rapper*innen.

Lena Stoppe: Wir passen unsere Beratung immer an die Themen des Artists an. Langfristig wollen wir auch in die Livebranche und unter anderem ein nachhaltiges Open Air organisieren. In allen Punkten wollen wir einen möglichst geringen CO2-Fußabdruck hinterlassen.

_Warum denken Sie, dass dieses Konzept Zukunft in der Musikbranche hat?

Eric Lubadel: Das letzte Jahr und Corona sind eigentlich das beste Beispiel dafür, wie brüchig Kultur werden kann. Das hat damit zu tun, dass viele Dinge nur kurzfristig bedacht werden. Und das ist das genaue Gegenteil unseres Denkens. Wir haben vor, eine zentrale Anlaufstelle für Nachhaltigkeit zu werden. Wir wollen die Zukunft in der Musikindustrie mitgestalten. Das geht durch gute Workshops, Aufklärung und persönliche Beratung.

Lena Stoppe: Das Bedürfnis in der Industrie ist da, grüner und sozialer zu werden. Deswegen denken wir, dass das Thema eine große Zukunft hat. Wir sprechen hier nicht von einem Trend, sondern einer Notwendigkeit für eine stabile Kulturlandschaft. Anderenfalls passiert genau das: Die Umwelt schlägt zurück, Pandemien kommen, Glaubenssätze spalten die Gesellschaft, Kultureinbrüche folgen. ?

Interview: Jonas Kiss

____zur Person

Lena Stoppe ist selbst Musikerin und hat jahrelange systemische und grüne Projektarbeit hinter sich. Sie ist auf »Team, Wirkung und Ziele« spezialisiert.

Eric Lubadel bewegt sich schon seit 15 Jahren in verschiedenen Bereichen der Musikindustrie - auf und hinter der Bühne. Er hat den »fachspezifischen Blick«.Kennengelernt haben sich die Gründer*innen auf einem Konzert. Mittelgrün Reisen ging im Mai 2021 in Erfurt an den Start. Aktuell betreuen die beiden zehn Bands aus dem kompletten Bundesgebiet.