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Deutscher Musikmarkt zum Halbjahr zweistellig im Plus

Während weite Teile der gesamten Musikwirtschaft weiterhin unter den Auswirkungen der Pandemie leiden, geht es im Geschäft mit Recorded Music aufwärts. Die jüngsten Zahlen des Bundesverbands Musikindustrie fürs erste Halbjahr 2021 zeigen sogar eine wachsende Dynamik.

10.08.2021 11:02 • von
Streaming wächst weiter: der Umsatzanteil digitaler Formate am deutschen Musikmarkt näherte sich im ersten Halbjahr 2021 der Marke von 80 Prozent (Bild: Zahlen: Bundesverband Musikindustrie, GfK Entertainment; Grafik: MusikWoche)

Während weite Teile der gesamten Musikwirtschaft weiterhin unter den Auswirkungen der Pandemie leiden, geht es im Geschäft mit Recorded Music aufwärts. Die jüngsten Zahlen des Bundesverbands Musikindustrie (BVM) fürs erste Halbjahr 2021 zeigen sogar eine wachsende Dynamik.

Von Anfang Januar bis Ende Juni 2021 setzten die Plattenfirmen hierzulande mit der Vermarktung von Musik 903,8 Millionen Euro um - ein Umsatzplus in Höhe von 12,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Gesamtjahr 2020 hatte die Musikindustrie mit einem durchaus schon eindrucksvollen Plus von neun Prozent gegenüber 2019 abgeschlossen, zum Halbjahr 2020 lagen die Zuwächse noch bei knapp fünf Prozent.

Das aktuelle Umsatzplus basiert auf anhaltenden Erfolgen im Streaming, aber auch das Vinyl konnte in der Nische weiter wachsen. Umsatzstärkstes Format war erneut das Audiostreaming, das im Vorjahresvergleich ein Umsatzplus von 19,9 Prozent verbuchte und nun auf einen Umsatzanteil von 70,6 Prozent kommt. Downloadverkäufe hingegen brachen bei einem Umsatzminus von 25,9 Prozent erneut um mehr als ein Viertel ein, kommen noch auf einen Umsatzanteil von 3,3 Prozent und fallen damit hinters Vinyl zurück. Über die verschiedenen Auswertungsformen hinweg kommt der Digitalmarkt in Deutschland nun auf einen Marktanteil von 78,6 Prozent.

"Im ersten Halbjahr 2021 wuchs der Umsatz der Branche um deutliche 12,4 Prozent. Der digital erwirtschaftete Anteil stieg dabei auf fast 80 Prozent an, was einen neuen Höchstwert abbildet", bilanzierte der BVMI-Vorstandsvorsitzende Florian Drücke bei der Präsentation der Zwischenbilanz für den deutschen Musikmarkt. Zum Vergleich: Zum Halbjahr 2020 lag der digitale Umsatzanteil im deutschen Musikmarkt noch bei gut 74 Prozent, im Gesamtjahr waren es 71,5 Prozent, wobei hier die traditionell aufs Saisongeschäft zum Jahresende zielende VÖ-Planung der Musikunternehmen in Hinblick auf physische Premium-Produkte eine Rolle spielen dürfte.

"Dass im analogen Segment die Schallplatte in den letzten sechs Monaten sogar um rund 50 Prozent gewachsen ist, zeigt eine besondere Facette unseres Marktes", ergänzt Drücke. Fürs Gesamtjahr 2020 hatte der BVMI für Schallplatten noch ein Umsatzplus in Höhe von knapp 25 Prozent ausgewiesen.

Im physischen Bereich fuhr die CD ein Umsatzminus von 16,4 Prozent ein, während das Vinyl "in den ersten sechs Monaten 2021 erneut einen wahren Höhenflug" erlebte, wie der BVMI bilanziert: Ein Umsatzplus von 49,5 Prozent führte die Schallplatte zu einem Marktanteil von nunmehr 5,9 Prozent. Damit nähert sich die LP zwar der CD mit einem Umsatzanteil von immer noch 14,5 Prozent an, allerdings bleibe "die Formathierarchie im physischen Bereich unverändert". Über alle Ton- und Bildtonträgerformate hinweg setzen die Plattenfirmen hierzulande noch gut jeden fünften Euro mit dem Verkauf physischer Produkte um, der Marktanteil lag hier bei 21,4 Prozent des Gesamtumsatzes.

Für Drücke zeigen die aktuellen Zahlen einerseits das Potenzial der Musikindustrie, unterstreichen andererseits aber auch die Bedeutung der Entwicklung im Digitalmarkt und die Fragilität einer ganzen Branche im Unterhaltungsgeschäft: "Die Halbjahreszahlen belegen einmal mehr die Innovationskraft der Branche und die strategische Weitsicht unserer Mitglieder, die als Partner der Künstler:innen die digitalen Wertschöpfungsmöglichkeiten kontinuierlich erweitern", sagt Drücke. "Gerade die dramatischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den gesamten Livesektor verdeutlicht vielen die Bedeutung des Digitalgeschäfts noch einmal, zeigt aber auch, wie tief betroffen aktuell bestimmte Teilbranchen der Musikwirtschaft durch die Pandemie sind."

Mit dem deutlichen Umsatzplus liegt die deutsche Musikindustrie durchaus auf Linie mit der internationalen Entwicklung: So hatte der IFPI-Dachverband fürs Gesamtjahr 2020 globale Zuwächse in Höhe von 7,4 Prozent gemeldet. Für den weltgrößten Musikmarkt USA wies der Branchenverband RIAA für 2020 ein Umsatzplus von 8,9 Prozent aus, und die Chartsermittler von MRC Data bilanzierten fürs erste Halbjahr 2021 ein kumuliertes Absatzplus von 14,4 Prozent.

Text: Knut Schlinger