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Rümenapp rückt Rock in den Fokus von Amazon Music

Die Show »Rock Your Monday« ist Teil eines verstärkten Engagements von Amazon Music im Rock- und Heavy-Genre. Henning Rümenapp, Head of Programming and Editorial Amazon Music Deutschland, erläutert die Strategie des Streamingdienstes.

04.08.2021 09:23 • von Jonas Kiß
- (Bild: Amazon Music, Montage: MusikWoche)

Die Show »Rock Your Monday« ist Teil eines verstärkten Engagements von Amazon Music im Rock- und Heavy-Genre. Henning Rümenapp, Head of Programming and Editorial Amazon Music Deutschland, erläutert die Strategie des Streamingdienstes.

MusikWoche: 2019 hat sich Amazon Music bereits im Schlager-Bereich engagiert. Jetzt steht Rock im Fokus. Beides sind Genres, die im Gegensatz zu HipHop oder Pop noch nicht ganz so stark im Musikstreaming nachgefragt werden. Was war die Motivation, Rock und Metal hier stärker ins Rampenlicht zu stellen?

Henning Rümenapp: Schon beim Thema Schlager haben wir beobachtet, dass bei vielen Kunden Musikstreaming zum Teil noch Neuland ist. Wir haben versucht, sie mit unserer »Herzstück«-Kampagne an das Medium heranzuführen und ihnen einen Mehrwert zu bieten. Ähnlich sehen wir es jetzt für den Bereich Rock, Heavy und Metal, und dazu zähle ich Rock in all seinen Farben. Unsere englischen Kollegen haben schon früh angefangen, mit erfolgreichen lokalen Künstlern zu arbeiten. Wir hatten unser Engagement im Bereich Rock und Heavy schon für 2020 geplant, aber da in diesen Genres sehr viel über Live-Auftritte und Konzerte läuft, und das natürlich im letzten Jahr alles ausgefallen ist, hat sich das entsprechend verschoben. Allgemein sehen wir, dass Rock und Metal nicht nur für unsere Kunden eine große Relevanz haben, sondern auch für die ganze Branche. Mit Amazon haben wir da einen guten Ausgangspunkt, da wir den digitalen und den physischen Bereich abdecken. Für viele Künstler ist Amazon natürlich bereits relevant, weil sie für ihre physischen Produkte wie Boxen bis hin zu Merchandise-Produkten mit uns arbeiten. Jetzt möchten wir dieses Engagement auf den digitalen Bereich ausweiten.

Mit Nightwish haben wir zum Beispiel kürzlich eine Kooperation gestartet, bei der wir einen Song aus ihrem großen Live-Streaming-Event als Amazon Original in unser Streamingangebot bei Amazon Music übernehmen durften. Bands wie Nightwish wollen auch ohne Livekonzerte für ihre Fans da sein. Auch andere Bands aus dem Genre, zum Beispiel Nothing But Thieves, haben auf Streaming gesetzt, um den Kontakt zu den Fans zu halten und zu etablieren - vor allem in einer Zeit, in der sie nicht live aktiv sein konnten. Aus all diesen Überlegungen ist schließlich »Rock Your Monday« entstanden, eine Twitch-Show, bei der es um Rock und Heavy in allen Spielarten gehen wird.

MusikWoche:  Die Show startet bei Twitch, einer Videoplattform, bei der auch viele Gamer aktiv sind. Gibt es eine große Schnittmenge zwischen Rock-Fans und Gaming-affinen Personen?

Henning Rümenapp:  Wir sehen durchaus, dass es dort eine gewisse Affinität gibt. Wir nutzen Twitch, weil die Plattform zu Amazon gehört, und wir die Anbindung auch direkt in die Amazon- Music-App integriert haben. Wir können also einerseits die ganze Twitch-Community ansprechen, andererseits aber auch einen sehr einfachen Zugang zu Live-Streaming bieten, indem Kunden ohne einen Twitch-Account die Inhalte bei uns in der App sehen können. Das ist eine gute Möglichkeit, ein größeres Publikum zu erreichen. Gleichzeitig werden wir auch die interaktive Funktionalität von Twitch mit in die Show einbringen, um das Publikum einzubinden. Zum Beispiel haben Zuschauer die Möglichkeit, Spiele zu spielen, Fragen zu stellen oder an Abstimmungen teilzunehmen. Einer der großen Vorteile des Live-Strea-mings ist, dass wir über den Chat immer sehr nah an den Fans und an den Zuschauern dran sein können. Das Ganze lebt von der Interaktion von Tom Küppers als absolutem Metal-Head und Musiknerd sowie Jennifer Haben, die als Frontfrau der erfolgreichsten deutschen Symphonic-Metal-Band Beyond The Black sonst selbst auf der Bühne steht.

MusikWoche:  Inwiefern nutzen Sie Synergien der verschiedenen Amazon-Plattformen?

Henning Rümenapp:  Wir versuchen verschiedenste Berührungspunkte in unserem Programm und Service zu schaffen, mit denen wir Fans dieser Genres begeistern können. Außerdem wollen wir die vielen Möglichkeiten von Amazon über Live-Streaming bis hin zu den Social-Kanälen nutzen und aufzeigen.

MusikWoche:  Sie betreuen bei Amazon Music schon länger das Rock-Genre. Was sind die Herausforderungen im Streamingbereich für diese Musikrichtung?

Henning Rümenapp:  In den letzten anderthalb Jahren hat sich noch einmal sehr stark gezeigt, wie Rock- und Heavy-Musik im physischen Bereich, aber auch in der Experience verankert ist. Hier passiert normalerweise sehr viel über den Livebereich. Genres wie Hip-Hop oder Deutschrap haben viel kürzere Release-Zyklen, sind schneller in der Produktion und viel weniger über Alben-Releases getrieben. Im Bereich Rock- und Heavy-Musik sehen wir eine sehr konservative Herangehensweise: Acts arbeiten auf ein Album hin, dann erscheint eine Single, es folgt eine Tour-Ankündigung. Auch internationales Touring und Merchandise sind eine wichtige Einnahmequelle - und viele dieser Dinge sind jetzt weggebrochen. Umso mehr sehen wir uns hier als starken Mitspieler und möchten uns als Nummer-Eins-Partner im Musikbusiness etablieren. Wir möchten einerseits eine Heimat für Künstler aus diesen Genres darstellen, weil wir verschiedenste Elemente in unseren Services abbilden können, andererseits haben wir auch ein Interesse, Rock- und Heavy-Musik zu fördern. Als Gitarrist der Guano Apes weiß ich selbst, welchen Herausforderungen man sich hier stellen muss: Wie kann ich meine Fans erreichen? Wie kann ich den Mehrwert für eine Technologie wie Streaming, die für einige neu sein wird, herausstreichen? Und da kommt dann Amazon Music ins Spiel: Wir können inhaltliche und redaktionelle Inhalte anbieten, wir haben Unterhaltungsformate im Bereich Social Media, wir bieten Musikstreaming inklusive qualitativ hochwertigen HD-Formaten, mit denen ich Musik sogar in besserer Qualität als auf CD anhören und überall hin mitnehmen kann.

MusikWoche:  Inwiefern profitieren Sie von ihrer eigenen Erfahrung als langjähriger professioneller Musiker?

Henning Rümenapp:  Wir haben die Konzerte der Guano Apes ebenfalls verschieben müssen, erst von 2020 auf 2021, und jetzt auf 2022. Ich kann es kaum erwarten, wieder auf die Bühne zu gehen. Es ist eine Herausforderung für das ganze Team von Amazon Music, diese Genres und die Szene zu unterstützen, um Nähe zwischen Fans und Künstler aufzubauen, wenn sie auf dem physischen Weg nicht möglich ist. Wir freuen uns über die enge Partnerschaft mit dem ICS-Team vom Wacken Festival, das auch darunter leidet, dass das große Wacken Open Air nicht stattfinden kann, aber dafür mit anderen Events wie Wacken Worldwide oder Bullhead City Alternativen geschaffen haben. Unser Ziel ist, die Szene inhaltlich mit »Rock Your Monday« zu begleiten.

MusikWoche:  Gibt es neben »Rock Your Monday« weitere Planungen im Heavy- und Rockbereich bei Amazon Music?

Wir schauen uns ganz genau an, wie wir mit deutschen Bands aus diesen Genres zusammenarbeiten können. Jetzt sind wir sehr glücklich, mit Jennifer Haben eine so bekannte Musikerin als Host unserer ersten Rock- und Heavy-Show gewonnen zu haben. Außerdem sind wir in Gesprächen mit verschiedenen Labels und Künstlermanagements, denn wir möchten von Rock bis Heavy noch verschiedene Formate ausprobieren. Da kann man in diesem Jahr noch einiges von uns erwarten.

MusikWoche:  Amazon Music gilt als der am stärksten wachsende Musikstreamingdienst hierzulande. Gibt es aktuelle Zahlen?

Henning Rümenapp:  Wir sind sehr zufrieden, dass Amazon Music in Deutschland der zweitgrößte Musikstreaminganbieter ist und möchten unseren Marktanteil natürlich weiter ausbauen. Unser Vorteil ist, dass wir interaktive Elemente zum Beispiel Live-Streaming abbilden können, die uns von anderen Diensten abheben - und auch der physische Bereich von Amazon hat eine unterstützende Wirkung, den viele Kunden kennen und schätzen. Diese Kunden möchten wir für das Musikstreaming bei Amazon Music begeistern.

Interview: Jonas Kiss

zur Person

Henning Rümenapp ist seit 2019 Head of Programming and Editorial bei Amazon Music Deutschland und damit verantwortlich für alle redaktionellen und audiovisuellen Inhalte des Streamingdienstes. Rümenapp kann außerdem als Gründungsmitglied und Gitarrist der Guano Apes auf mehr als 20 Jahre Erfahrung auf nationalen und internationalen Bühnen zurückblicken. Neben seiner Tätigkeit als Musiker setzt er sich seit Jahren für den Nachwuchs ein, etwa als Coach und Juror für Musikförderprogramme wie den f6 Music Award, den John Lennon Award oder als Dozent im Bereich Musikproduktion und -management an der Popakademie in Mannheim, der Akademie Deutsche Pop, Macromedia oder SAE. Von 2005 bis 2018 hatte er die künstlerische Leitung des Förderprojekts »PopCamp« des Deutschen Musikrats inne und war von 2009 bis 2015 Beauftragter für die Bund-Länder-Kooperation der Initiative Musik.