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Christian Bruhn gratuliert Mireille Mathieu zum 75. Geburtstag

Am 22. Juli feiert Mireille Mathieu ihren 75. Geburtstag. Für MusikWoche erinnert sich ihr Komponist und Produzent Christian Bruhn im Auftrag der Edition Intro Meisel an die Zusammenarbeit mit der Künstlerin.

22.07.2021 09:11 • von Dietmar Schwenger

Am 22. Juli 2021 feiert Mireille Mathieu ihren 75. Geburtstag. Für MusikWoche erinnert sich ihr Komponist und Produzent Christian Bruhn im Auftrag der Edition Intro Meisel an die Zusammenarbeit mit der Künstlerin.

Kürzlich habe ich aus meinem Tonbandarchiv das Mireille-Mathieu-Album "Die schönsten deutschen Volkslieder" herausgesucht, um es endlich einmal zu digitalisieren. Als ich die 1977 aufgenommen Lieder wieder hörte, war ich gerührt. Welches Zartgefühl, welche ungeheure Musikalität, welche Vielfalt und welche Kraft diese kleine Dame in die Musik legt, diese einmalige Sängerin, die aus kleinen Verhältnissen aus der Provence stammt. Ihre ersten deutschen Songs waren 1969 "Hinter den Kulissen von Paris" und "Martin". Die Aufnahmearbeit im Studio war nicht einfach. Mireille hatte vorher noch nie deutsch gesprochen und kaum gesungen. Aber verbissen und doch gleichwohl voller Siegesgewissheit bekämpften und überwanden wir gemeinsam die Schwierigkeiten der für sie fremden Sprache. Nach drei Stunden waren die "Kulissen" fertig, und nach einer Pause und weiteren drei Stunden auch "Martin".

Mireille Mathieu ist ein Naturtalent, eine musikalische Naturbegabung. Ihre Stimme ist nicht stählern, sondern eher silbern oder aus Platin. Sie kann, obwohl des Deutschen zunächst kaum mächtig, mit ihrem Gesang eine fröhlich-ernsthafte Herzlichkeit vermitteln, die einmalig ist. Das ewige Geschwätz vom Marionettenhaften der Mathieu ist völliger Unfug, nur unmusikalische, bornierte und vernagelte Menschen können so etwas äußern. Da ist nix Puppe, nix Marionette, das ist geballtes Können und hochgradiges Talent.

Es folgten dann eine ganze Reihe von Schlagern aus der "Pariser Kiste", wie Textdichter Georg Buschor und ich sie nannten, also Lieder mit französischer Aura, Musette- und Chanson-Anklängen, wie "An einem Sonntag in Avignon", "Ganz Paris ist ein Theater", "Der Pariser Tango", "Die Spatzen von Paris" und mein Lieblingslied "Kinder vom Montparnasse." Ja - und da wären noch die Millionen-Hits, "Akropolis adieu" zum Beispiel. Ein Song, den die Griechen mittlerweile für eines ihrer Volkslieder halten. Und: "La Paloma ade". Letzteres Lied ist, wie man weiß, leider nicht von mir, aber es stellt eine Bearbeitung dar, die sich gewaschen hat. Und dazu Mireilles wundervoller Gesang.

Ich habe für die göttliche Mireille Mathieu wohl über 100 Lieder geschrieben, bekannte und weniger bekannte. Titel wie "Gott lebt in Frankreich", "Sahara", "Leise dreht sich unser Lied", "Regen ist schön", "So ein schöner Abend", "Klaus" und natürlich "Meine Welt ist die Musik" wären ohne Mireille Mathieu nicht entstanden. Dazu kommen noch die romantisch-musikalischen Dichtungen "Der Rhein" und "Das Lied von der Elbe" sowie etwa 27 Bearbeitungen. Mit den fremdsprachigen Versionen meiner Lieder (darunter die sensationelle französische Aufnahme "Mamouchka") sowie einigen Covers sind es wohl an die 186 Veröffentlichungen.

Seit dem Tod ihres klugen Managers Johnny Stark ist es um Mireille vielleicht ein wenig ruhiger geworden. Ich denke in Dankbarkeit an unsere wundervolle langjährige Zusammenarbeit, es war eine besonders fruchtbare Epoche in unser beider Musikleben. ?

Text: Christian Bruhn