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Orange Blossom Special muss neu planen

Von noch "einem Prozent Resthoffnung" für das Orange Blossom Special 2021 sprach Rembert Stiewe jüngst. Doch auch dieses Fünkchen ist nun verflogen: Die Veranstalter verschieben ihr Festival auf 2022. Stiewe verweist auf Unsicherheiten und das Wechselspiel von Inzidenzzahlen und Sommerferien, aber auch auf seinen Ärger angesichts der Bilder der Fußball-EM.

14.07.2021 13:17 • von
"Die Ente ist nah": angesichts der Unsicherheiten im Kulturbetrieb ziehen die Veranstalter des Orange Blossom Specials für 2021 den Stecker, und peilen nun für Pfingsten 2022 einen neuen Anlauf an (Bild: orangeblossomspecial.de, Screenshot)

Von noch "einem Prozent Resthoffnung" für das Orange Blossom Special im laufenden Jahr sprach Rembert Stiewe jüngst noch bei einer Talkrunde der neu belebten Popkomm. Doch auch dieses Fünkchen ist nun ganz offenbar verflogen:

Die Veranstalter des Happenings am Glitterhouse-Firmensitz in Beverungen verschieben ihr bislang für den 20. bis 22. August 2021 geplantes Festival nun auf den Zeitraum vom 3. bis 5. Juni 2022, das Pfingstwochenende des kommenden Jahres und somit zugleich der traditionelle Termin des Events.

"Es ist monströs traurig, und wir sind untröstlich. Aber es geht nicht anders, das OBS 24 muss erneut verlegt werden", schreibt Rembert Stiewe im Namen des Veranstalterteams auf den Onlineseiten des Festivals. "Wir haben gekämpft und gebangt, gehofft und gezweifelt, haben Hygienekonzepte verfasst und uns in Online-Workshops fortgebildet, haben Verbandsarbeit betrieben und versucht, die politisch Entscheidenden auf Fehleinschätzungen und Möglichkeiten hinzuweisen - auch nach intensiver Abwägung aller Alternativen müssen wir nun aber einsehen, dass es keine Chance mehr gibt, in diesem Jahr ein OBS zu veranstalten."

Es würde sich "trotz eines ausgeklügelten Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes für viele immer noch falsch anfühlen, Ende August auf Gedeih und Verderb ein Festival mit 4000 Menschen durchzuführen", führt Stiewe in der ausführlichen Erklärung an: "Wir wollen ein möglichst unbeschwertes Erlebnis bieten, wollen Genuss ohne Reue. Das Leben ist allerdings kein Wunschkonzert - schon gar nicht derzeit."

Stiewe verweist auf Unsicherheiten und schlaflose Nächte, auf das Wechselspiel von Inzidenzzahlen und Sommerferien, aber auch auf seinen Ärger angesichts der Bilder der Fußball-EM und nicht wirklich passgenaue Unterstützungsmaßnahmen.

_____"Entsprechend schwillt mir angesichts der Bilder und der Auswirkungen der Fußball-EM der Kamm." Rembert Stiewe.

"Das Risiko ist sehr hoch, dass uns die Durchführung der Veranstaltung kurzfristig um die Ohren fliegt", macht Stiewe klar. Und "eine solch kurzfristige Absage wäre dann wirklich ein existentielles Problem", angesichts entstehender Produktionskosten, aber auch angesichts der Regelungen im Sonderfonds Kulturveranstaltungen, mit dem das Bundesfinanzministerium zwar 80 Prozent der Ausfallkosten für Veranstaltungen mit über 2000 Personen übernehmen will, "allerdings lediglich für Veranstaltungen, die ab 1. September 2021 geplant sind" - das Orange Blossom Special fiele hier mit dem Termin Ende August wohl durchs Raster. "Eine völlig willkürlich gezogene terminliche Grenze, die nichts mit der Veranstaltungswirklichkeit zu tun hat - die Mehrzahl der Festivals findet nun mal vor September statt", klagt Stiewe. "Während ohnehin öffentlich subventionierte Tempel der Hochkultur den Rahm des Förderprogramms abschöpfen, pfeifen die Veranstaltenden von Festivals aus dem letzten Loch."

Stiewe erinnert daran, dass die Karten für die schon im Vorjahr ausgefallene Veranstaltung bei jeder Verlegung ihre Gültigkeit behalten haben. "Damit haben wir uns allerdings selbst der Möglichkeit beraubt, das OBS in einem eventuell kleineren, pandemiegerechten Rahmen zu feiern. Denn von den 3500 verkauften Tickets habt ihr bisher lediglich 42 Stück zurückgegeben, großenteils unter Verzicht auf Rückzahlung." Das OBS 24 sei somit nach wie vor ausverkauft. "Das ist ein riesiger Loyalitätsbeweis und macht uns nach wie vor sprachlos und stolz. Aber wir können nun mal in der derzeitigen Verordnungslage keine 3458 Personen auf das Gelände lassen." Nun jedoch müsse man "das Ruder herumreißen": Die Karten für das OBS 24 werden für das OBS 24.1 nicht gültig bleiben, denn nur so können man gewährleisten, "dass wir im nächsten Jahr ein OBS veranstalten können, selbst wenn eventuell der Pandemie geschuldete Maßnahmen die Teilnehmendenzahl deutlich beschränken sollten".

Einen Vorverkauf für das Pfingstwochenende aber werde man erst "so spät wie möglich" starten.

Unterm Strich bedeutet das alles für die Festivalmacher existenzielle Probeleme: "Es fällt uns nach wie vor schwer, um Hilfe zu bitten oder um Almosen zu betteln. Aber es ist augenfällig, dass die Zukunft des OBS gefährdeter denn je ist", gesteht Stiewe ein. "Im vergangenen Jahr habt ihr uns durch eure vielfältige Unterstützung über Wasser gehalten", so lege man "den Fortbestand des OBS hoffnungsvoll" in die Hände von Fans und Unterstützern, und präsentiert unter anderem eine Merch-Kollektion unter dem Motto "Die Ente ist nah": "Wenn genügend Ticketinhaber:innen ihr Ticket behalten oder spenden, wenn die komplett neu aufgelegte OBS-Merchandising-Kollektion wieder so reißenden Absatz bei euch findet, wenn ihr uns weiter durch euer Solidarität unterstützt, können wir gemeinsam von der Zukunft des OBS träumen."

Text: Knut Schlinger