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IFPI geht weiter gegen Fake Streams vor

Streaming-Betrug ist nicht allein ein First World Problem. Das zeigt ein aktuelles Beispiel aus Brasilien. Nach Informationen der internationalen IFPI-Dachorganisation und des nationalen Branchenverbands Pro-Música Brasil mussten allein im vergangenen Jahr 14 Anbieter von Fake Streams ihre Dienste einstellen.

05.07.2021 13:23 • von
Wachstumsregion Südamerika: 2020 wuchsen die Umsätze in der Region nach IFPI-Zahlen aus dem Global Music Report um 15,9 Prozent (Bild: IFPI, Global Music Report 2021, Screenshot)

Betrügereien und Manipulationen im Streaming sind nicht allein ein First World Problem. Das zeigt ein aktuelles Beispiel aus Brasilien. Nach Informationen der internationalen IFPI-Dachorganisation und des nationalen Branchenverbands Pro-Música Brasil mussten allein im vergangenen Jahr 14 Anbieter von Fake Streams ihre Dienste einstellen.

Insgesamt hätte die Musikbranche Brasiliens bereits mehr als 65 Anbieter von Manipulationen im Streaminggeschäft ins Visier genommen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von IFPI und Pro Musica. Davon seien zehn Onlineseiten mit entsprechenden Angeboten ganz abgeschaltet worden, weitere 20 hätten ihre betrügerischen Angebote im Musikbereich eingestellt, und weitere 35 Angebote seien von einem Onlinemarktplatz entfernt worden.

Lateinamerika war 2020 nach IFPI-Zahlen aus dem Global Music Report erneut die wachstumsstärkste Region im weltweiten Musikmarkt. Das Umsatzplus lag demnach bei 15,9 Prozent. Brasilien als größter Musikmarkt der Region trug dazu allein Zuwächse in Höhe von 24,5 Prozent bei, wobei die Einnahmen aus dem Streaming insgesamt um 37,1 Prozent wuchsen.

"Streaming-Manipulation hat in der Musikwelt keinen Platz", macht IFPI-CEO Frances Moore deutlich. Man wolle das Problem weiterhin weltweit angehen.

Hierzulande hatte der der Bundesverband Musikindustrie zuletzt im Frühjahr 2021 Erfolge im Kampf gegen Fake Streams verkündet, als das Landgericht Frankfurt dem Anbieter von Likeservice24 den Verkauf von Plays auf Plattformen wie Spotify, YouTube, Soundcloud und Deezer untersagte.

Bereits im Sommer 2019 hatte sich eine globale Allianz aus Labels, Verlegern, Streamingdiensten und Verbänden zusammengefunden und veröffentlichte einen umfassenden "Code Of Best Practice", der Manipulation von Streams aufspüren und verhindern soll. Spätestens mit dem "Rap Hack" rückte das Thema der Fake Streams in den Fokus von Branche und Öffentlichkeit. Zuletzt hatten BVMI und IFPI im März und im August 2020 einstweilige Verfügungen gegen Betreiber erwirkt, die entsprechende "Dienstleistungen" im Angebot führten.

Text: Knut Schlinger