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Schulenberg rechnet mit weiter steigenden Ticketpreisen

Die Folgen der Pandemie werden "zwangsläufig" zu höheren Ticketpreisen führen, sagt Klaus-Peter Schulenberg, CEO CTS Eventim. Zugleich hofft der CTS-Eventim-CEO, dass im vierten Quartal Konzerte mit voller Kapazität ohne Abstand und Maske zurückkehren.

02.07.2021 12:47 • von Dietmar Schwenger
Sieht CTS Eventim nicht als Monopolist, sondern marktrelevant: Klaus-Peter Schulenberg (Bild: CTS Eventim)

Die Folgen der Pandemie werden "zwangsläufig" zu höheren Ticketpreisen führen, sagt Klaus-Peter Schulenberg, CEO CTS Eventim, im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Er begründet das damit, dass etwa Ton- und Lichttechniker oder andere Fachleute davon überzeugt werden müssten, in die Livebranche zurückzukehren, aber auch mit den Kosten, die die gestiegenen Hygienemaßnahmen mit sich bringen.

In dem "FAZ"-Gespräch nennt Schulenberg auch Zahlen. So sind von den 250 Millionen vor der Pandemie jährlich verkauften Tickets "vielleicht sechs Millionen" für Events, die Veranstalter aus dem Hause CTS Eventim organisiert haben. Den Rest vermarktet CTS Eventim im Auftrag von Veranstaltern außerhalb des Konzerns.

Auch wehrt sich Schulenberg gegen die Bezeichnung "Monopolist": "Wir betrachten uns selbst als marktrelevant, nicht als Monopolist - und wir verhalten uns auch nicht wie ein Monopolist. Ich glaube, dass wir einen freundlichen Umgang mit unseren Wettbewerbern und unseren Kunden pflegen."

Beim einstigen Rechtsstreit mit dem Verbraucherschutz um die Gebühr von 2,50 Euro bei AC/DC-Tickets begründet Schulenberg zwar, warum diese Gebühr etwa wegen der größeren technischen Aufwendungen erforderlich gewesen sei, räumt aber ein: "Im Nachhinein war es aber keine gute Entscheidung, dafür Geld zu nehmen. Daher haben wir in Deutschland in der Folge auch darauf verzichtet, die Gebühr nur zu verringern, was das BGH-Urteil durchaus zugelassen hätte."

Selbstkritisch formuliert Schulenberg: "Bei AC/DC haben wir einem Veranstalteransinnen stattgegeben, das war rückblickend ein Fehler. im Zuge der Pandemie hat die Verbraucherzentrale das Thema Tickets meines Erachtens allerdings missbraucht, um Marketing in eigener Sache zu betreiben."

In dem Zusammenhang kommt er auch auf das Urteil des Landgerichts München zu sprechen, dem zufolge CTS Eventim für die Rückerstattung von Vorverkaufsgebühren zuständig sei. "Die Vorverkaufsgebühr steht uns grundsätzlich zu, das hat das Gericht bestätigt. Wir müssen sie allerdings dem Veranstalter berechnen. Bislang waren wir von den Veranstaltern angewiesen, die Gebühr beim Kunden einzuholen, das haben wir jetzt angepasst." Das Urteil stelle aber auch klar, dass Kunden pandemiebedingte Verlegungen akzeptieren müssten.

Den Beschluss des Kartellamts gegen die Übernahme von Four Artists sowie gegen Exklusivvereinbarungen zur Ticketvermarktung mit Veranstaltern und Vorverkaufsstellen will Schulenberg jedoch nicht kommentieren, findet aber: "Grundsätzlich finde ich es aber bedauerlich, dass das europäische Kartellrecht einen wirklich großen europäischen Entertainment-Konzern verhindert, während US-Unternehmen in ihrem Heimatmarkt uneingeschränkt agieren und wachsen können."

Abschließend kommt Schulenberg in dem "FAZ"-Gespräch auf die aktuelle Lage zu sprechen. Die Branche brauche klare Rahmendaten, wie es weitergehen soll. "Das kann nicht länger derart im Ungefähren bleiben, da ist die Politik jetzt nachdrücklich gefordert." Er hofft, dass man im vierten Quartal 2021 Indoor-Konzerte mit voller Kapazität ohne Abstand und Maske sehen werde.

"Vielleicht geht das ab November. Natürlich wird dann die 3-G-Regel angewandt werden müssen, und das wird auch noch einige Zeit so bleiben", prophezeit Schulenberg, der zugleich auf das von der Eventim-Gruppe veranstaltete Frequency Festival mit 55.000 Besuchern hinweist, das im August in Österreich geplant ist. "Da gilt es zu beweisen, dass Hygienekonzepte - auch elektronisch - umsetzbar sind bei solchen Großveranstaltungen."