Events

Applaus 2021 vergeben

Bei einer zweistündigen Hybridshow im Berliner Säälchen ging am 29. Juni der Spielstättenprogrammpreis Applaus über die Bühne. Während Club- und Programmauszeichnungen bereits vorab feststanden, wurden an dem Abend noch Preise für Awareness und Nachhaltigkeit sowie ein Corona-Sonderpreis verliehen.

30.06.2021 11:33 • von Dietmar Schwenger
Verliehen die Applaus-Preise: Dieter Gorny und Monika Grütters (Bild: Stefan Wieland)

Bei einer zweistündigen Hybridshow im Berliner Säälchen ging am 29. Juni 2021 der Spielstättenprogrammpreis Applaus über die Bühne. Während die Club- und Programmauszeichnungen bereits vorab feststanden, wurden an dem Abend noch Preise für Awareness und Nachhaltigkeit sowie ein Corona-Sonderpreis verliehen.

Die zweistündige Veranstaltung, die live auf YouTube übertragen wurde und bei der Ausstrahlung gut 250 Zuschauer erreichte, begann mit Grußworten von Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Dieter Gorny, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der bei dem Preis federführenden Initiative Musik. Beide waren persönlich zur achten Ausgabe der Preisverleihung erschienen, die unter Einhaltung der bekannten Hygieneregeln stattfand.

Kleine Filme zeigten die ausgezeichneten Clubs in den drei Hauptkategorien, "Programm", "Spielstätte" und "Programmreihe", danach kamen jeweils die Gewinner der Hauptpreise auf die Bühne. Diese gingen an das Theaterstübchen in Kassel ("Programm des Jahres", dotiert mit 50.000 Euro), das YAAM in Berlin ("Spielstätte des Jahres", 25.000 Euro) und das Franz Mehlhose in Erfurt ("Programmreihe des Jahres", 10.000 Euro).

Mit dem Sonder-Applaus ehrte Grütters zudem zwölf Spielstätten und Netzwerke für ihren Umgang mit der Corona-Pandemie. So haben Spielstätten wie das Harry Klein in München, der Moritzhof in Magdeburg sowie der Zig Zag Jazz Club in Berlin und Netzwerke wie Cologne Culture Stream sowie Don't Panic TV aus Erfurt "innovative Streaming-Formate für Konzerte und DJ-Sets" entwickelt.

Mit den bei den Streamingformaten generierten Spenden hätten sich Arbeitsplätze erhalten, Finanzierungslücken überbrücken und regionale Szenen unterstützen lassen. Das Büro für Offensivkultur wiederum sei mit seiner mobilen Bühne Kultur-Lümmel corona-konform auf Tour gegangen. Organisationen wie das Kulturwerk MV, das Klubnetz Dresden, das Kompetenzzentrum Popularmusik Rheinland-Pfalz und die Clubstiftung Hamburg haben vielseitige Rettungskampagnen gestartet.

"Zudem sind zwischen Clubbranche, Künstler:innen und weiteren gesellschaftlichen Akteur:innen neue Allianzen entstanden: Zusammenschlüsse wie der Club 100 in Bremen und die IG Clubkultur Baden-Württemberg arbeiteten mit großem zeitlichem Engagement und hoher Lernkurve an Veranstaltungs- und Förderkonzepten", heißt es in der Jury-Begründung.

Weil zahlreiche Spielstätten, clubkulturelle Vereine und Veranstaltungsteams ihre programmatische Arbeit an soziales und ökologisches Handeln koppeln würden, honoriert der Applaus "dieses stetig wachsende Verantwortungsbewusstsein" erstmals mit Preisen für Awareness und Nachhaltigkeit.

"Clubs wie das SO36 in Berlin und die GrooveStation in Dresden fördern seit vielen Jahren, zum Teil sogar seit Jahrzehnten, eine Kultur des rücksichtsvollen Umgangs miteinander", heißt es aus Berlin. "An diesen Orten können Menschen ungeachtet von Herkunft, Aussehen und Alter, körperlicher Konstitution, geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung zusammen feiern. Das komplexe Aufgabengebiet der Awareness reicht von Gewaltprävention und Antidiskriminierungsarbeit bis hin zu diverser gestalteten Strukturen, um marginalisierte Personen einzubeziehen. Das gemeinsame Ziel ist mehr Sicherheit, Sensibilität und Solidarität im Nachtleben."

Zahlreiche Clubs und Kulturhäuser wie Feinkost Lampe in Hannover, silent green in Berlin und das Oberstübchen in Regen lebten Klima- und Umweltschutz bereits in vielen Facetten und bis ins liebevollste Detail, lobt die Jury.

Insgesamt wurden 121 Auszeichnungen in allen Bundesländern für ihr kreatives Engagement in den Jahren 2019 und 2020 mit insgesamt 2,7 Millionen Euro Preisgeldern vergeben. Damit ist der Applaus einer der höchstdotierten Bundeskulturpreise.

Für Livemusik sorgten Umme Block, Betterov und Liun & The Science Fiction Band. Deren Sängerin Lucia Cadotsch nahm auch an einem von Julia Menges moderierten Panel zur Lage der Clubs teil. Neben Cadotsch beteiligten sich auch die ebenfalls nach Berlin gereisten Peter Fleming (Harry Klein), Pamela Schobess (Clubcommission Berlin, Gretchen) und Aziz Sarr (Freak De l'Afrique).

Abschließend sprachen Gorny und Grütters Schlussworte und zogen ein positives Fazit der Verleihung. Grütters hob zudem hervor, dass sich die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Ministerien und den Dachverbänden "super bewährt" habe. Das sei auch ein "Stilprinzip für die Zeit nach Corona".

Auszeichnungen in den Kategorien Sonder-Applaus, Awareness und Nachhaltigkeit

Sonder-Applaus

- Club100, Bremen

- Cologne Culture Stream, Köln

- Don't Panic TV, Erfurt

- Harry Klein, München

- IG Clubkultur Baden-Württemberg, Mannheim

- Klubnetz Dresden, Dresden

- Kultur-Lümmel - Das Liedermacher-Überlebens-Mobil, Lutterbek

- Kulturwerk MV, Rostock

- Moritzhof Magdeburg - Hof On Air, Magdeburg

- Rettet die PopKultur RLP, Koblenz

- S.O.S - Save Our Sounds, Hamburg

- Zig Zag Jazz Club, Berlin

Awareness

- GrooveStation, Dresden

- SO36, Berlin

Nachhaltigkeit

- Feinkost Lampe, Hannover

- Oberstübchen, Regen

- silent green, Berlin