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Ronny Boldt: "Wachstum stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen"

Kürzlich gab Sony Music den Einstieg bei Ragucci & Boldt sowie Ibrahim & Boldt bekannt. Im Gespräch mit MusikWoche spricht Musikmanager Ronny Boldt über Hintergründe und Perspektiven der neuen Partnerschaft sowie über Majors und Indies.

28.06.2021 10:52 • von
"Wir haben mit allen Firmen gesprochen und das Interesse war sehr groß." Ronny Boldt (Bild: Ragucci & Boldt, Sony Music; Layout: MusikWoche)

Kürzlich gab Sony Music den Einstieg bei Ragucci & Boldt sowie Ibrahim & Boldt bekannt. Im Gespräch mit MusikWoche spricht Musikmanager Ronny Boldt über Hintergründe und Perspektiven der neuen Partnerschaft sowie über Majors und Indies.

MusikWoche: »Sony Music investiert ...«, hieß es in der Mitteilung zur neuen Partnerschaft. ­Können Sie sich jetzt zur Ruhe setzen?

Ronny Boldt: Wir sind die Partnerschaft mit Sony Music eingegangen, weil wir noch viel vor haben und weiter wachsen wollen. Wir freuen uns auf die neuen Möglichkeiten, die sich aus der Zusammenarbeit ergeben und arbeiten an neuen Projekten. An Ruhestand denke ich eher weniger.

MusikWoche: Sind Sie denn noch Herr im eigenen Haus, oder handelt es sich bei dem Investment um eine Mehrheitsbeteiligung?

Ronny Boldt: Natürlich ist es wichtig, dass jemand die Richtung vorgibt. Aber heutzutage werden die wichtigen Entscheidungen immer mehr im Team getroffen. Das war vor unserem Sony-Music-Deal bei uns so und wird auch so bleiben.

MusikWoche: Gab es weitere Interessenten?

Ronny Boldt: Wir haben mit allen Firmen gesprochen und das Interesse war sehr groß. Das hat uns natürlich gefreut. Die Gespräche waren alle sehr konstruktiv und gut. Ich bin sehr dankbar dafür, dass unsere Arbeit dieses Interesse hervorruft.

MusikWoche: Warum fiel die Entscheidung letztendlich zugunsten von Sony Music aus?

Ronny Boldt: Das Wichtigste für uns war, dass wir von der Struktur und dem Geschäft unseres Partners profitieren können und die Möglichkeit haben, weiter zu wachsen. Die Herausforderungen, die in den nächsten Jahren auf uns zukommen werden, sind enorm. Dafür ist es gut einen starken Partner an der Seite zu haben, der uns insbesondere auch bei unseren internationalen Aktivitäten unterstützen kann. Die ganze Vision hat dann am Ende bei Sony Music am besten gepasst. Wir treten ab jetzt gemeinsam an, um noch stärker und erfolgreicher zu werden.

MusikWoche: Welche Rolle spielen dabei die dort handelnden Personen, zum Beispiel Patrick Mushatsi-Kareba und Daniel Lieberberg?

Ronny Boldt: Ich arbeite seit Jahren mit Patrick und Daniel sehr eng und sehr gut zusammen. Das wir das jetzt als Team fortsetzen können, freut mich sehr. Tilmann Richter, der in seiner neuen Funktion als Vice President Live Ventures bei Sony Music die Leitung des Livebereiches und die Entwicklung von Live- und Konzert-Kampagnen für Sony-Music-Artists und -Brands übernimmt, hat hier eine Schlüsselfunktion bei unserer Zusammenarbeit. Er wird unter anderem die Zusammenarbeit mit der Livesparte von Ibrahim & Boldt intensivieren und über die Nutzung von Synergien die Portfolios weiter ausbauen.

MusikWoche: Zum Boldt-Berlin-Firmengeflecht gehören beziehungsweise gehörten darüber hinaus doch auch Marken wie RBK oder Indipendenza. Wie sieht es damit aus? Sind die Firmen noch aktiv, sind sie Teil der Sony-Music-Kooperation oder sind hier weitere Partnerschaften denkbar?

Ronny Boldt: Indipendenza ist das Label von RAF, hier hat er auch die A&R-Hoheit. RBK ist nicht nur ein Label, wir betreiben hier auch einen Labelservice für die Künstler, die wir managen. Wir arbeiten vertrieblich mit allen Firmen zusammen und das wird auch so bleiben.

MusikWoche: Gefühlt hatte ich Ragucci & Boldt sowie Ibrahim & Boldt immer als eindeutig unabhängige Unternehmungen eingestuft. Wie passt nun der Deal mit einem Musikmajor mit diesem Indie-Selbstverständnis zusammen?

Ronny Boldt: Ich glaube, ich hatte sowas wie ein Indie-Selbstverständnis nie so richtig. Wir arbeiten ja schon immer mit Majorfirmen zusammen. Sicherlich gibt es in einer Konzernstruktur ein paar Dinge die anders sind, als wir es in der Vergangenheit kannten, aber ich sehe das sehr positiv. Wachstum stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen. Wenn die eigene Firmenstruktur da nicht mitkommt, ist das Scheitern vorprogrammiert. Von der Warte her können wir von Sony Music extrem profitieren, weil wir die Erfahrungen nutzen können. Uns steht eine große Expertise zur Verfügung, das ist ein riesiger Vorteil für uns.

Fragen: Knut Schlinger

_____zur Firma

Ragucci & Boldt wurde vom Musikmanager Ronny Boldt zusammen mit dem unter dem Namen RAF Camora bekannten Raphael Ragucci in Berlin gegründet. Das Portfolio des Unternehmens umfasst unter anderem Labelservices und Vermarktung, die Herstellung von Markenartikeln oder strategisches Management. Zu den Partnern zählen Produzenten wie The Cratez oder Künstler wie RAF Camora, Bonez MC, 187 Strassenbande, Ufo361, KC Rebell, Trailerpark und Alligatoah.Die Agentur Ibrahim & Boldt ist derweil im Livegeschäft in den Bereichen Promotion, Booking und Ticketing tätig. Die Firma wurde von Ronny Boldt und Massimo Ibrahim ebenfalls in Berlin gegründet und arbeitet mit Künstlern wie Shindy oder Loredana zusammen und steht hinter der gemeinsamen Tour von Bonez MC & RAF Camora.

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