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#LetTheMusicMove will UK-Regierung zum Umdenken bringen

Die Kampagne #LetTheMusicMove will die britische Regierung dazu bewegen, Kosten, Gebühren und Bürokratieschranken für in der EU tourende Musikerinnen und Musiker zu reduzieren. Dahinter stehen mehr als 200 Acts, darunter Radiohead, The Chemical Brothers, Skunk Anansie, New Order, Biffy Clyro und Annie Lennox, sowie diverse Branchenverbände.

24.06.2021 15:54 • von Frank Medwedeff
Hat viele prominente Unterstützer: die Kampagne LetTheMusicMove (Bild: LetTheMusicMove)

Die am 23. Juni lancierte Kampagne #LetTheMusicMove will die britische Regierung dazu bewegen, Kosten, Gebühren und Bürokratieschranken für in der EU tourende einheimische Musikerinnen und Musiker zu reduzieren.

Mehr als 200 Musikacts unterstützen die Initiative, darunter Wolf Alice, Annie Lennox, Biffy Clyro, Idles, Radiohead, Anna Calvi, Skunk Anansie, Everything Everything, Bob Geldof, Editors, Mark Knopfler, Two Door Cinema Club, New Order, Rick Astley, Ghostpoet, Midge Ure, Glasvegas, Anna Meredith, Nina Nesbitt, Keane, The Chemical Brothers, Matthew Herbert, Beth Gibbons (Portishead), David Rowntree (Blur), Gilles Peterson, Jack Garratt, Dave Okumu, Peggy Seeger, Nick Mason von Pink Floyd oder die Band Get Cape. Wear Cape. Fly. Auch diverse Branchenverbände, darunter die Dachorganisationen LIVE und UK Music, setzen sich für die Kampagne ein.

#LetTheMusicMove will die Regierung dazu drängen, schnell zu handeln, um das im Zuge der Brexit-Bestimmungen entstehende Ausmaß an Unkosten, Einschränkungen und bürokratischen Hindernissen abzumildern, die britischen Acts das Touren in der EU unrentabel mache und den zukünftigen Erfolg britischer Musik in den Staaten der Europäischen Union bedrohe.

Hintergrund ist, dass für britische Musikacts die EU-Länder der wichtigste Auslandsmarkt sind. So gaben 2019 Musiker*innen und Bands aus dem Vereinigten Königreich in den EU-Staaten insgesamt fast vier Mal so viele Konzerte wie in Nordamerika.

Trotz des Versprechens von Premierminister Boris Johnson, die mannigfaltigen Probleme, die mit dem Ende des visa-freien Tourens einhergehen, zu lösen, bestehen für die britischen Musikerinnen und Musiker weiterhin erhebliche Unsicherheiten und Beschränkungen.

So dürfen laut den Post-Brexit-Bestimmungen britische Tourfahrzeuge maximal drei Stationen in Kontinentaleuropa ansteuern und müssen dann ins Vereinigte Königreich zurückkehren. UK-Musiker*innen müssen spezielle Zollscheine und Dokumente über ihr Equipment und ihre Instrumente mit sich führen, um auf dem europäischen Kontinent touren zu können. In Spanien zum Beispiel, dem zweitgrößten Touring-Markt für britische Acts in Europa, machen unter anderem erforderliche Arbeitserlaubnisse und weitere Formalitäten sowie hohe Transportkosten Shows und Festivalauftritte von UK-Acts kaum lohnenswert.

#LetTheMusicMove fordert vom britischen Staat ein Unterstützungspaket, damit in der EU tourende Musikacts und ihre Crews ihre zusätzlichen Kosten decken können. Außerdem setzt sich die Initiative für die Aufhebung restriktiver Bestimmungen für britische Tourbusse und -Transporter auf dem europäischen Festland ein. Ein langfristiger Plan solle UK-Acts und ihren Crews zudem ermöglichen, ohne kostspielige Genehmigungen und weitere bürokratische Hindernisse ihrer Arbeit in allen 27 EU-Staaten wieder geregelt nachgehen zu können. Und darüberhinaus müsse Musiker*innen aus der EU ebenso freier Zugang zu Shows und Festivalauftritten in Großbritannien gewährt werden.

#LetTheMusicMove-Unterstützer Mark Knopfler meint: "Einen Transporter für dein Equipment zu mieten, um in ganz Europa auftreten zu können, ist ein essenzieller Start für die Karrieren unzähliger UK-Musiker. Ohne unmittelbares Eingreifen seitens der Regierung in Bezug auf die bürokratischen Barrieren, die zum 1. Januar eingeführt wurden, wird es für eine ganze Musikergeneration schlicht nicht möglich sein, ihre Karrieren als tourende Acts zu beginnen oder fortzusetzen."

Dies unterstreicht unter anderem auch Simone Marie Butler von Primal Scream: "Es ist unerlässlich, dass Bands, Künstler, Musiker und DJs auf jeder Stufe ihrer Karriere durch Europa reisen können. Europa ist Teil unseres geographischen Arbeitsraumes. Konzerte und Festivalauftritte finanziell und logistisch unrealistisch zu machen, bedeutet, die Lebensgrundlagen und Karrieren von Generationen von Musikern lahmzulegen."

Greg Parmley, CEO des Dachverbands LIVE, liefert folgendes Statement: "Obwohl sie Tausende von Jobs in Großbritannien erhält und Millionen an Wirtschaftseinnahmen bringt, ist die Livemusikindustrie beim Brexit-Deal von der britischen Regierung vergessen worden. Das Tour-Business ist das Lebenselixier der UK-Musikindustrie - es versorgt die Musiker finanziell und kann den Turbo zünden, um zu ikonischen Musikmarken zu werden. #LetTheMusicMove fordert die Regierung auf, dringend zusammen mit den EU-Mitgliedstaaten unsere stillgelegte Branche wieder in Ordnung zu bringen, und dafür zu sorgen, dass Tourneen für die nachfolgenden Generationen durchführbar sind."

Und Jamie Njoku-Goodwin, Chief Executive von UK Music, erklärt: "Tourneen in Europa sind entscheidend für Tausende von britischen Musikern und Crews, und es gilt dringend, die Aufmerksamkeit auf die immensen Herausforderungen, denen sie sich jetzt ausgesetzt sehen, zu richten. Die '#LetTheMusicMove'-Kampagne erfährt großartige Unterstützung und zeigt, wie einig und entschlossen unsere Branche ist, um dieses Problem zu lösen." Die Regierung habe nun im Dialog mit den EU-Mitgliedstaaten sicherzustellen, die weltbedeutende britische Musikindustrie zu stützen, die der Wirtschaft des Vereinigten Königreiches jährlich 5,8 MilliardenPfund einbringe und 2,9 Milliarden an Exportumsätzen sowie für 200.000 Arbeitsplätze sorge, wie Njoku-Goodwin anmerkt.