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Metoo erreicht den Deutschrap

Die Deutschrap-Szene steuert auf eine Grundsatzdiskussion in Sachen sexueller Gewalt und strukturellem Sexismus zu. Der Protest formiert sich unter dem Hashtag #Deutschrapmetoo. Vorausgegangen waren Vergewaltigungsvorwürfe gegen einen Rapper.

21.06.2021 11:26 • von
Steht aktuell im Fokus der Diskussion um sexuelle Gewalt und Sexismus im Deutschrap: Samra (Bild: Sony Music Publishing)

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die "Süddeutsche Zeitung" oder der "Spiegel" gehören nicht unbedingt zu den führenden Meinungsmachern in Sachen Deutschrap. Dass sich selbst diese etablierten Medien nun mit der Szene befassen, hat allerdings auch nur bedingt mit der Musik zu tun. Vielmehr dürfte es ein klares Zeichen sein, dass die Deutschrap-Szene auf eine Grundsatzdiskussion in Sachen sexueller Gewalt und strukturellem Sexismus zusteuert.

Zunächst richtete die Influencerin Nika Irani via Instagram Vergwaltigungsvorwürfe gegen den Rapper Samra. Der wiederum wies die Vorwürfe später zurück. Unter anderem die "FAZ", die "SZ" und der "Spiegel" fassten den aufkommenden Skandal samt ersten Reaktionen aus der Szene und dem Umfeld zusammen, weitere Betroffene meldeten sich zu Wort. Inzwischen formiert sich der Protest unter anderem unter dem Hashtag #Deutschrapmetoo.

Im Umfeld kam es zu weiteren Reaktionen: Shirin David stellte die Veröffentlichung einer Single zurück, in deren Text Samra wohl erwähnt werden sollte, Rapper Nimo ließ einen gerade erst veröffentlichten Track samt Passagen, die nicht nur im Zuge dieser Diskussion als fragwürdig gelten dürfen, wieder von den Plattformen nehmen. Eine Sammlung der verschiedenen Vorwürfe und Wortmeldungen findet sich unter anderem in einem Thread auf der Reddit-Plattform.

Auch Universal Music bezog Position: "Universal Music und das gesamte Team verurteilen jede Form von sexueller Gewalt auf das Schärfste und solidarisieren sich jederzeit ausnahmslos mit den Opfern", ließ das Unternehmen über Instagram wissen und ergänzte: "Gegen einen unserer Künstler wurden auf Social Media schwere Anschuldigungen erhoben. Konkret geht es um den Vorwurf der sexuellen Gewalt. Die Vorwürfe erschüttern uns sehr."

Auch erste Konsequenzen zog man bereits: "Aufgrund der Schwere der Anschuldigungen haben wir uns dazu entschlossen, die Zusammenarbeit mit dem betroffenen Künstler bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen zu lassen. Dieser Schritt dient dem Schutz aller Beteiligten und ist keine Vorverurteilung." Das Fazit aus dem Hause Universal Music: "Wir nehmen die Anschuldigungen sehr ernst und behalten uns vor, in Abhängigkeit von weiteren Erkenntnissen weitreichendere Konsequenzen zu ziehen."

Text: Knut Schlinger