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Harald Heker analysiert Urheberrecht, Aussichten und Langfristziele der GEMA

Auch bei der virtuellen Mitgliederversammlung der GEMA bildete der Bericht von Harald Heker einen Höhepunkt. In seiner Rede widmete sich der Vorstandsvorsitzende der Verwertungsgesellschaft Themen wie dem Urheberrecht oder der Geschäftsentwicklung, bestätigte aber nach dem Zebralution-Deal nun auch offiziell eine weitere Beteiligung der GEMA.

11.06.2021 13:08 • von
Sprach über aktuelle Entwicklungen und langfristige Pläne: der GEMA-Vorstandsvorsitzende Harald Heker bei der virtuellen Mitgliederversammlung der Verwertungsgesellschaft (Bild: Sebastian Riepp)

Auch bei der virtuellen Mitgliederversammlung derGEMA vom 8. bis 10. Juni 2021 bildete der Bericht von Harald Heker einen Höhepunkt. In seiner Rede widmete sich der Vorstandsvorsitzende der Verwertungsgesellschaft Themen wie dem Urheberrecht oder der Geschäftsentwicklung, zunächst aber erinnerte er an die nur wenige Monate zurückliegende jüngste Zusammenkunft der GEMA-Mitglieder:

"Anfang Oktober 2020 fand unsere letzte Mitgliederversammlung statt", erinnerte Heker. "Damals herrschte Stille auf den Bühnen in Deutschland. Und heute ist es immer noch still. Eine Stille, die betroffen macht." Viel weniger still sei es hingegen bei der GEMA selbst zugegangen. Zwar sei die Lizenzierungstätigkeit für den Livebereich "weitgehend" weggefallen, dafür aber man "fieberhaft" an diversen Maßnahmen gearbeitet. Unter anderem, um die Folgen der Pandemie für Mitglieder und Kunden der GEMA "wenigstens etwas" abzufedern, aber auch, um in der Politik gezielt um Gelder "für die von der Pandemie betroffenen Urheber, Künstler und Verlage" zu werben oder Digitalisierungsprozesse voranzutreiben. "Und natürlich waren wir intensiv involviert, als es um die Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie in deutsches Recht ging."

Diesem Thema - der"größten Reform des Urheberrechts seit langem" - widmete Heker sich dann ausführlicher, und bezeichnete dabei Regelungen zur Verantwortlichkeit von Onlineplattformen als "Kernstück" der Refprm: "Anbieter wie YouTube oder Facebook sind künftig in der Pflicht. Sie müssen Lizenzvereinbarungen mit den Rechteinhabern abschließen, wenn deren Werke auf ihrer Plattform genutzt werden", betonte Heker, der unter anderem das "bewährte System der kollektiven Rechtewahrnehmung von Urhebern und Verlegern in gemeinsamen Verwertungsgesellschaften" durch die Reform "insgesamt gestärkt" sieht.

Zudem habe der Deutsche Bundestag schließlich noch den "für Musikurheber wichtigen Melodienschutz nicht wie geplant ersatzlos gestrichen", vielmehr sei "die besondere Schutzwürdigkeit von Melodien in einer modifizierten Form im Gesetz enthalten", strich Heker unter anderem heraus. Er sprach aber auch über die viel diskutierte 15-Sekunden-Regelung: "Wir als GEMA sehen die Regelung nach wie vor kritisch, aber sie wurde auch auf unser Drängen wenigstens entschärft", sagte der GEMA-Chef. "Uns war besonders wichtig, dass der Schutz der Urheberpersönlichkeitsrechte gewahrt bleibt. Ebenso darf diese Nutzung keine negativen Auswirkungen auf die Vergütung der Musikurheber zur Folge haben." Punkte wie die "15-Sekunden-Regelung" oder die "Pasticheschranke" hätten aber eindeutig "nicht auf unserer Wunschliste" gestanden, sagte Heker. Sein Fazit: "Das neue Gesetz weist definitiv in die richtige Richtung. Nun kommt es darauf an, die Vergütungssituation der Musikschaffenden insgesamt zu verbessern. Lassen Sie uns die Chancen nutzen, die das Gesetz uns bietet. Ich bin überzeugt, dass uns dies durch unsere weitere gemeinsame Arbeit gelingen wird."

In seinem Geschäftsbericht für das Jahr 2020 erinnerte Heker an ein Gesamtergebnis in Höhe von 958,8 Millionen Euro, von denen die GEMA 806,5 Millionen Euro an die Rechteinhaber ausgeschüttet habe. Allerdings sei das Gesamtergebnis im Zuge der Coronoa-Krise "um mehr als hundert Millionen Euro" zurückgegangen, dank eines Sondereffekts sei die GEMA aber 2020 "noch mit einem blauen Auge davongekommen", bilanzierte Heker, der sich in seinem Ausblick zurückhaltend gab: "Was erwarten wir für das laufende Jahr 2021? Aufgrund der sich beschleunigenden Impfkampagne rechnen wir zwar mit einer allmählichen Rückkehr zur Normalität. Trotzdem wird Corona auch 2021 prägen, und es bestehen weiterhin erhebliche Risiken für die Ertragsentwicklung."

Nach seinem Dank an das GEMA-Team nahm Heker die weitere Entwicklung einer Langfriststrategie der Verwertungsgesellschaft unter die Lupe, und verwies dabei auf die Fokusthemen Digitalisierung und Wachstum, samt dem 2019 eingeführten Mitglieder-Dashboards oder der Übernahme von Zebralution im Dezember 2019, die Heker als einen "zentralen Baustein" der Strategie bezeichnete:

"Zebralution hat im Jahr 2020 ein deutliches Umsatzplus verzeichnet, und auch dieses Jahr läuft bisher sehr positiv und bestätigt die Richtigkeit der Investition", sagte Heker, der auch über den mit Zebralution entwickelten MusicHub sprach, der "GEMA-Mitgliedern und weiteren Musikschaffenden eine breite Palette an digitalen Werkzeugen zur Verfügung" stelle, um sie "bei der Administration und Verbreitung der eigenen Werke" zu unterstützen. "Im Moment testen wir die Möglichkeit für Musikschaffende, ihre Werke direkt digital zu distribuieren", verriet Heker mit Verweis auf "eine gezielte Informations- und Marketingkampagne" nach Abschluss der Testphase noch im laufenden Jahr.

Neben dem Zebralution-Deal bestätigte Heker nun auch offizielle eine weitere Beteiligung der GEMA als "nächsten strategischen Schritt in Richtung Wachstum und Digitalisierung". So habe sich die Gesellschaft bereits im vergangenen Jahr am Dresdener Unternehmen deecoob beteiligt, "das mit einer Software Veranstaltungen digital ausfindig machen kann". So könne man "nicht-lizenzierte oder falsch gemeldete Musiknutzungen identifizieren und nachlizenzieren, was die Erträge für unsere Mitglieder steigert", fasste Heker zusammen: "Diese Beispiele verdeutlichen, dass die GEMA ihren strategischen Weg konsequent weiterverfolgt und erfolgreich umsetzt - auch in der schwierigen Corona-Zeit."

Heker schlug schließlich den Bogen zurück zur Corona-Krise: In der Pandemie habe sich die GEMA "wie nie zuvor in der Geschichte als Solidargemeinschaft ihrer Mitglieder und als Unterstützerin der breiten kulturellen Landschaft in Deutschland" gezeigt. Man habe versucht, die Lage für Mitglieder und Kunden zu erleichtern. "Aber uns ist bewusst, dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist." Darüber hinaus bleibe "erst einmal nur eine starke Sehnsucht", nämlich nach offenen Bühnen: "So weit ist es noch nicht, aber bald, sehr bald - so hoffen wir alle - werden die Bühnen Deutschlands wieder mit Leben gefüllt sein. Dabei ist darauf Verlass, dass wir in Ihrer GEMA alles dafür tun werden, dies zu ermöglichen! Wir werden Sie unterstützen, wo es nur geht!"