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detektor.fm zeigen sich als Podcast-Pioniere mit Reichweite

Als detektor.fm 2009 in Leipzig als Onlineradio startete, war in der Form nicht absehbar, welche Rolle digitale Audio-Inhalte, und vor allemPodcasts, in Zukunft spielen würden.

02.06.2021 09:25 • von Jonas Kiß
Verknüpft Radio und Podcasts: Christian Bollert (Bild: Susann Jehnichen)

Als detektor.fm 2009 in Leipzig als Onlineradio startete, war in der Form nicht absehbar, welche Rolle digitale Audio-Inhalte, und vor allemPodcasts, in Zukunft spielen würden. Umso mehr freut sich Christian Bollert, Geschäftsführer von detektor.fm, »dass die Annahme, dass digitale Audio-Inhalte immer wichtiger werden, und Leute Inhalte zeitunabhängig konsumieren wollen und können«, zugetroffen sei. Vor allem seit 2017 habe es bei dem Thema digitales Hören in Deutschland nochmal einen »wahnsinnigen Shift« gegeben, insbesondere für das Thema Podcasts.

_Kunden aus Kultur und Wissenschaft

In der Anfangszeit um 2009 war detektor.fm noch mehr auf das Radio fokussiert, und das stellte in den ersten fünf Jahren auch den wichtigsten Kanal dar. Aber von Anfang an bot die Leipziger Firma auch Podcasts von allen ihren Radioformaten an. »Seit 2015 haben wir gesehen, dass die Nachfrage nach den Podcasts massiv wächst, während sich die Radionutzung stabil weiterentwickelt. Deshalb haben wir unseren Fokus, spätestens seit 2017, ganz klar auf Podcasts gesetzt«, sagt Bollert: »Mittlerweile sagen wir 'Podcast first', das heißt, wir denken eigentlich jedes Format zuerst als Podcast, und überlegen dann noch, wie man das im linearen Ausspielweg bei detektor.fm nutzen, ausspielen und bewerben kann.«

2015 ging auch der Podcast »Antritt« an den Start, der mittlerweile als erfolgreichster Fahrrad-Podcast in Deutschland gilt, 2016 folgte dann der »brand eins-Podcast« in Kooperation mit dem gleichnamigen Wirtschaftsmagazin.

»Das hörten auf einmal hunderttausende Leute, zehntausende Leute abonnierten es. Das waren Momente, wo wir gemerkt haben, dass es eine massiv steigende Nachfrage nach Podcast-Inhalten gibt«, so Bollert.

Wenn es bei detektor.fm um Podcasts geht, gibt es zwei Bereiche: Erstens das Podcast-Radio detektor.fm, wo die Firma mit vielen Partner-Redaktionen zusammenarbeitet wie »Spektrum der Wissenschaft«, »brand eins« oder »Monopol«. »Da bringen wir die Audio-Expertise, und die anderen Redaktionen bringen eine Fachexpertise mit«, sagt Bollert. »Die zweite Möglichkeit ist, dass wir als Dienstleister für andere Podcasts produzieren, deswegen heißt unsere Marke, die wir dafür nutzen, Podcastproduzenten.de.« Unter diesem Namen produziert detektor.fm stark inhaltlich getriebene Podcasts, für die »Süddeutsche Zeitung« zum Beispiel seit 2011 »Das Streiflicht« oder für den »Spiegel« jeden Werktag das »Spiegel Update am Morgen«.

Zu den Kunden gehören sehr viele Verlagspartner, Kulturorganisationen und Wissenschaftseinrichtungen. In den letzten ein, zwei Jahren habe laut Bollert vor allem die Produktion von täglichen Podcasts nochmal stark an Fahrt aufgenommen.

»Wir erzielen als unabhängiger Podcast-Anbieter und Produzent mit die größten Reichweiten in Deutschland. 'Zurück zum Thema' gehört als Nachrichten-Podcast zu den fünf erfolgreichsten täglichen Nachrichten-Podcasts. Wir sind die einzige Indie-Marke, die es bisher geschafft hat, neben »Spiegel«, »Zeit« oder »Deutschlandfunk«, täglich vorne mit dabei zu sein. 'Was läuft heute', unser täglicher Serien-Podcast ist auch einer der erfolgreichsten Podcasts zum Thema Serien. Auf die Erfolge sind wir sehr stolz«, bekräftigt Bollert.

Außerdem glaubt er, dass sich im Bereich Musik-Podcasts in den nächsten Jahren noch viel bewegen werde, auch weil GEMA und GVL mittlerweile erkannt hätten, wie interessant das Feld für Anbieter*innen sei. »Dementsprechend passen sie langsam aber sicher ihre Vertragsbedingungen an, auch wenn das in vielen Punkten noch nicht so ist, wie wir und viele in der Branche sich das vorstellen«, sagt Bollert.

_Livestream als Kontaktpunkt

Mit »Tracks & Traces« produziert detektor.fm bereits einen Podcast, der sehr nah an den Künstler*innen und ihrer Musik ist. Die Künstler*innen nehmen ihre Songs Spur für Spur auseinander und erklären, wie sie musikalisch darauf gekommen sind. »Tracks & Traces« sei laut Bollert als Musik-Podcast-Format mit einem sehr analytischen, tiefgehenden Ansatz in Deutschland in eine Lücke gestoßen' und war zudem 2020 als «Bester Podcast« für den Deutschen Radiopreis nominiert.

Was die Hörer*innenbindung angehe, sei der Radio-Livestream ein sehr interessanter Kontaktpunkt, um neue Podcasts vorzustellen und Hörer*innen auf neue Formate aufmerksam zu machen. »Deswegen betreiben wir nach wie vor mit großer Leidenschaft den Livestream und das Radio. Gerade unsere Livestream-Hörer sind extrem musikaffin, und wenn dann Acts wie Boy oder die Leoniden bei 'Tracks & Traces' ihre Lieder auseinandernehmen, dann gibt es einfach ein großes Interesse von unseren Hörer*innen, weil sie diese Künstler sehr schätzen, die wir normalerweise im Programm spielen und in den Podcasts dann nochmal vertiefen können. Das ist eine sehr gute Kombination«, findet Bollert.

»Am Ende verstärkt sich beides glücklicherweise gegenseitig. Viele Podcast-Hörer*innen entdecken wiederum unseren Livestream. Es ist auf jeden Fall hilfreich, da noch einen zweiten Verbreitungskanal zu haben.«

Und so zählt detektor.fm auch als Unternehmen auf mehrere finanzielle Standbeine. »Zum einen gibt es bei uns die Möglichkeit, Podcasts zu präsentieren. Die zweite Möglichkeit ist, dass Werbepartner eine bestimmte Zielgruppe ansprechen wollen, aber vielleicht auch eine gewisse Reichweite erreichen, und sie machen dann zum Beispiel Werbung im 'brand eins'-Podcast oder bei 'Zurück zum Thema'.

Da können wir dann die typischen Podcast-Werbeoptionen einsetzen«, erklärt Bollert. »Wir werden dabei von der AS&S vermarktet, dem Werbevermarkter der ARD, und sehen, dass dort die Umsätze mit Podcast-Werbung von Jahr zu Jahr deutlich wachsen.«

Die zweite wichtige Einnahmequelle sei die Podcast-Produktion für andere, wo man als Dienstleister zusätzliche Einnahmen generieren könne. »Die dritte Form ist, dass Hörer*innen sagen, ich finde detektor.fm als Podcast-Radio so gut, dass ich sie jeden Monat unterstützen will, bei Steady, Paypal oder mit einem Dauerauftrag. Wir merken auch, dass es immer mehr Leute gibt, die gerne bereit sind, zwei, fünf oder mehr Euro im Monat an detektor.fm zu überweisen, weil sie die Musik oder die Podcasts cool finden«, sagt Bollert.

_Gute Beziehungen zu den Plattformen

Zudem sieht er im neuen kostenpflichtigen Premium-Dienst Apple Podcasts Abonnements »erstmal eine Chance für den Podcast-Markt«, weil man sich mit der Form zumindest ein Stück unabhängiger von Werbeeinnahmen machen könne. Direkte Einnahmen von Hörer*innen seien eine interessante Methode, um sich zusätzlich abzusichern.

»Mit Apple haben wir zusammengearbeitet, um ab dem ersten Tag dabei zu sein, wenn die Plattform Apple Podcasts Abonnements im Mai starten wird. Dadurch, dass wir seit elf Jahren im Podcast-Markt unterwegs sind, haben wir sehr gute Beziehungen zu den einzelnen Plattformen. Wir erhalten sehr häufig die Chance, frühzeitig dabei zu sein, um verschiedene Sachen auszuprobieren, weil wir gern experimentieren, eine große Reichweite mitbringen und eine sehr große Erfahrung im Podcasten haben.«