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KlubNetz kritisiert Wiederöffnungen als "holprigen Start"

Der niedersächsische Live-Verband KlubNetz wirft der Politik ein wenig kooperatives Vorgehen bei der Wiederöffnung von Spielstätten vor: "Die ersten Erfahrungen mit den Behörden in dieser frühen Phase stoßen viele vor den Kopf."

21.05.2021 12:49 • von Dietmar Schwenger
War 2020 möglich: die Fête de la Musique in Hannover (Bild: Florian Arp)

Der niedersächsische Live-Verband KlubNetz wirft der Politik ein wenig kooperatives Vorgehen bei der Wiederöffnung von Spielstätten vor: "Die ersten Erfahrungen mit den Behörden in dieser frühen Phase stoßen viele vor den Kopf", heißt es in einer Mitteilung, in der der Verband auf das Beispiel des Rock am Kennel Festival in Braunschweig verweist, das laut einer Verordnung angeblich möglich gewesen wäre, das zuständige Gesundheitsamt aber untersagt hat.

So zitiert KlubNetz aus einem Schreiben des Gesundheitsamts, bei dem es um erlaubte Konzerte etwa aus dem Klassikbereich geht: "Diesen Veranstaltungen ist gemein, dass die Besucher während der Veranstaltung keine verbale Interaktion/Kommunikation betreiben, sich insoweit ruhig verhalten, mit Ausnahme des (nicht verbalen) Applauses. Der Charakter eines Rock-Konzertes ist dagegen ein grundlegend anderer. Das Publikum singt die Lieder häufig mit, die Bands werden häufig lautstark bejubelt. Die Besucher können sich während des Konzerts uneingeschränkt verbal betätigen, ohne dass dieses aufgrund der Lautstärke eines Rock-Konzertes sofort bemerkt werden kann/muss."

Der Verband der niedersächsischen Konzertkulturschaffenden interpretiert diese Aussage so: "Die Behörde würde zwar gerne erlauben, kann aber nach ihrer Lesart der aktuellen Verordnung nicht. Über zusätzliche mögliche Auflagen wie mehr Abstand oder eine durchgängige Maskenpflicht wurde nicht einmal nachgedacht. Geht es also wirklich um Infektionsgefahr? Alle wollen Kultur ermöglichen, aber keiner kann. Bürokratie kann verbieten, also verbietet sie."

Der auf diese Weise umgesetzte Start in einen Kultursommer lasse ein ungutes Gefühl zurück, heiißt es aus Hannover. ""Wir fordern, dass Ungleichbehandlung zwischen Kultursparten verhindert wird", sagt Simone Beer aus dem KlubNetz-Vorstand. Der von der Landesregierung vorgelegte Stufenplan biete eine Orientierung, aber natürlich auch Anlass für Kritik. Bei sinkenden Infektionszahlen, Impferfolgen und der gebotenen Vorsicht zum Start müssten bessere Regelungen gefunden werden.

Gunnar Geßner als Vorstand KlubNetz hat den Eindruck, dass Kultur von der Landesregierung stiefmütterlich behandelt werde. "Sie veröffentlicht auf die letzte Minute Regelungen, die wenig begründet und erläutert werden, aber dann manchmal seltsame Folgen haben. Viele Clubs und Veranstaltende, die sich jetzt auf ein Open-Air-Programm vorbereiten, sind verunsichert. So jedenfalls können wir nicht planen."

"Wir stellen erschrocken fest, dass die Regelungen für Kulturveranstaltungen weiterhin nicht die erhoffte Planungsperspektive bieten", bemängelt Geßner. "Schon bei Sitzkonzerten wird ein guter Start verhindert und das trotz inzwischen eines Jahres Erfahrungen und Studienergebnissen. Der Kultursommer ist noch nicht gerettet " fügt Johannes Teller an, Festivalsprecher des KlubNetz aus der AG niedersächsischer Open-Air-Festivals.

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