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Deutscher Jazzpreis soll zur Dauereinrichtung werden

Am 3. Juni steht erstmals die Verleihung des neu geschaffenen Deutschen Jazzpreises an. Staatsministerin Monika Grütters stellt dafür ein Budget von einer Million Euro zur Verfügung. Die Durchführung liegt bei der Initiative Musik.

20.05.2021 16:22 • von
Will mit dem Deutschen Jazzpreis "Strahlkraft" für die ganze Jazz-Szene erzeugen: Tina Sikorski (Bild: Initiative Musik)

Am 3. Juni steht erstmals die Verleihung des neu geschaffenen Deutschen Jazzpreises an. Staatsministerin Monika Grütters stellt dafür ein Budget von einer Million Euro zur Verfügung. Die Durchführung liegt bei der Initiative Musik.

Deren Geschäftsführerin Tina Sikorski präsentierte nun, unterstützt von unter anderem dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Initiative Musik, Dieter Gorny, und Andreas Brandis (ACT Music) als Mitglied des Jazzpreis-Beirats am 20. Mai weitere Details zum Konzept und zu den Plänen mit dem neuen Award. Dabei machte Dieter Gorny zunächst klar, warum es neben so manch anderem Award in der Jazz-Sparte nun auch noch den Deutschen Jazzpreis geben müsse: "Weil er unabhängig ist und von der öffentlichen Hand getragen wird." Die finanzielle Unterstützung durch das BKM wertete Gorny als "ein deutliches Statement" für den Jazz. Für Gorny ist klar: "Der Deutsche Jazzpreis soll eine Dauereinrichtung werden."

Dass der Award nun trotz Corona schon 2021 erstmals verliehen werden kann, hätten manche nicht für möglich gehalten, als sie selbst im Oktober 2020 zur Initiative Musik kam, erinnerte sich Tina Sikorski. "Es war uns aber wichtig, ein Zeichen für die Kulturbranche und für die Jazzszene zu setzen, dass gerade auch in diesen Zeiten Unterstützung vorhanden ist", sagte sie. Deshalb habe man sich entschlossen, die Verleihung durchzuziehen. Angesichts knapper Vorlaufzeiten aber sei das schon bislang "ein wilder Ritt" gewesen, räumte sie ein. Das fordere "viel Energie", bringe aber auch "viel Freude", denn schließlich "weiß man ja, wofür man sich einsetzt". Es sei eine Ehre für die Initiative Music, diesen Preis durchführen zu dürfen. Sikorski versprach: "Es sieht gut aus, dass wir am 3. Juni eine sehr schöne Verleihung haben werden."

Für den Beirat des Deutschen Jazzpreises bezeichnete ACT-Musikmanager Andreas Brandis die Zusammenarbeit mit der Initiative Musik als "wirklich beachtlich". Zwar habe es erste Gespräche zu einem neu positionierten Jazzpreis nach dem Wegfall des Echo Jazz schon 2018 gegeben, doch angesichts vieler unterschiedlicher Interessengruppen innerhalb der Jazzszene hierzulande sei es schließlich der Initiative Musik zu verdanken, all diese "Stakeholder" an einen Tisch gebracht zu haben. Brandis berichtete von einer kollegialen sehr freundschaftlichen Zusammenarbeit bei der Entwicklung des Konzepts zum Deutschen Jazzpreis. Schließlich sei es darum gegangen, ein "transparentes Entscheidungsverfahren" zu entwickeln mit einer Jury, die die Vielfalt einer "sehr fragmentierten Szene" abbilde. Offenbar mit Erfolg: "Was an Resonanz kommt, sehe ich sehr positiv", bilanzierte Brandis.

Tina Sikorski stellte zudem das Set-Design für das Verleihungsfest vor, das mit Hilfe von Direktübertragungen die Standorte Hamburg, Berlin, München und Mannheim unter dem Motto "Gemeinsam, Nah. Live." in einem "spürsinnigen Zusammenspiel" vereinen soll. Dabei sollen jeweils ausgewählte Nominees und Preisträger*innen vor Ort sein, als Headliner des Abends hat Nils Landgren zugesagt: "Wir sind froh, dass wir ihn für den Jazzpreis gewinnen konnten", machte Sikorski klar.

Die Auszeichnungen in den meisten der 31 Kategorien sind im ersten Jahr des Deutschen Jazzpreises mit jeweils 10.000 Euro dotiert: "Die Preisträger*innen werden erst am Abend erfahren, dass sie Preisträger sind", betonte Brandis. Schließlich sei es in der Konzeptionierung wichtig gewesen, "dass schon die Nominierung eine Auszeichnung ist". Man hoffe nun auf "emotionale Momente" bei der Show.

Schon beim ebenfalls mit BKM-Geldern ausgestatteten Spielstättenpreis Applaus gab es Diskussionen um das Verhältnis der ausgeschütteten Fördergelder zu den Kosten für die Durchführung. Dass beim Deutschen Jazzpreis nun verhältnismäßig mehr des zur Verfügung stehenden Budgets in die Ausrichtung geht, liege an der Ausrichtung des neuen Awards: "Beim Deutschen Jazzpreis geht es um Förderung einer ganzen Szene", sagte Tina Sikorski. "Es geht auch um Strahlkraft", ergänzte Andreas Brandis. Deshalb habe man sich auch entschieden, internationale Kategorien einzuführen, denn: "Wir wollen schließlich, dass auch im Ausland über den Deutschen Jazzpreis gesprochen wird." Deshalb setze man auf ein Konzept mit Gala und Liveveranstaltung, bei dennoch dotierten Preisen.

Text: Knut Schlinger