Unternehmen

US-Investor streckt Fühler nach Universal Music aus

Eigentlich schienen der Plan für den Börsengang von Universal Music fix abgesteckt. Eigentlich. Doch nun stellt der Mutterkonzern Vivendi in Aussicht, weitere zehn Prozent der Anteile an seiner Musiktochter an einen US-amerikanischen Investor veräußern zu wollen.

18.05.2021 13:10 • von
Hat noch einen US-Interessenten an der Hand, der bis zu zehn Prozent der Universal Music Group kaufen könnte: der Vivendi-Aufsichtsratsvorsitzende Yannick Bolloré (Bild: Vivendi)

Eigentlich schienen der Plan für den Börsengang der Universal Music Group fix abgesteckt. Eigentlich. Schließlich hatten der Vivendi-Aufsichtsratsvorsitzende Yannick Bolloré und CEO Arnaud de Puyfontaine bereits Mitte Februar bestätigt, mehr als 60 Prozent der Unternehmensanteile von Universal Music noch im laufenden Jahr in Form einer Sonderdividende an die bestehenden Vivendi-Investoren zu verteilen und dann über die Euronext in Amsterdam zu handeln. Im März nickten die Vivendi-Aktionäre diesen Plan dann ab.

20 Prozent an Universal Music hatte Vivendi bereits zuvor an ein Tencent-Konsortium verkauft, die verbleibenden Anteile wollte der französische Mischkonzern selbst behalten. Das galt so auch noch vor wenigen Tagen, als man festlegte, dass die Börsennotierung "vor oder bis zum 27. September 2021" erfolgen solle.

Doch nun trat ganz offenbar ein weiterer Interessent an Vivendi heran. So stellte denn der Mutterkonzern von Universal Music am 18. Mai 2021 in Aussicht, weitere zehn Prozent der Anteile an seiner Musiktochter an einen US-amerikanischen Investor veräußern zu wollen. Entsprechende Möglichkeiten würden derzeit analysiert, heißt es aus Paris.

Alternativ könnten auch fünf bis zehn Prozent der Anteile an Universal Music im Rahmen des Börsengangs veräußert werden. Vivendi selbst will demnach nur noch zehn Prozent an der Universal Music Group behalten, zumindest für die nächsten beiden Jahre. Um wen es sich bei dem neuen Interessenten handeln könnte, bleibt indes zunächst Spekulation. Klar ist hingegen, dass es hier erneut um eine Milliardensumme geht. Schließlich bewertete schon die Übernahme von zweimal zehn Prozent an Universal Music durch das Tencent-Konsortium den Musikkonzern mit 30 Milliarden Euro. Angesichts der internationalen Entwicklung im Geschäft mit Recorded Music und der anhaltenden Goldgräberstimmung in Hinblick auf den Kauf von Musikrechten dürften die Preise zwischenzeitlich kaum gefallen sein.

Zur Bestätigung des anhaltenden Aufwärtstrends liefert Vivendi zudem noch Ertragszahlen der Universal Music Group aus dem ersten Quartal 2021 nach; bei der jüngsten Präsentation der Quartalszahlen hatte der Konzern nur Details zur Umsatzentwicklung genannt, und dabei - bereinigt um Währungseffekte sowie Zu- oder Verkäufe - von Zuwächsen in Höhe von 9,4 Prozent berichtet.

Bei den Vorsteuergewinnen aber ging es laut den nun frisch nachgelegten Vivendi-Zahlen noch deutlich dynamischer voran. So fuhr die Universal Music Group von Anfang Januar bis Ende März 2021 ein EBIT-Ergebnis in Höhe von 322 Millionen Euro ein, fast 36 Prozent mehr als die noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres erzielten 248 Millionen Euro.

Text: Knut Schlinger

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