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BVMI und Majors zeigen in der Diskussion ums Urheberrecht Flagge

Bevor der Bundestag Mitte Mai in zweiter und dritter Lesung den Gesetzesentwurf zum Urheberrecht berät, stellt sich der Bundesverband Musikindustrie im Berliner Regierungsviertel öffentlichkeitswirksam hinter die Forderungen von inzwischen 1248 Künstler*innen an die Politik. Auch aus den Häusern Universal Music, Warner Music und Sony Music kommen deutliche Worte.

06.05.2021 13:47 • von Dietmar Schwenger
Findet auch auf der Straße statt: Protestplakat des BVMI zum Thema Urheberrecht (Bild: BVMI)

Bevor der Deutsche Bundestag voraussichtlich am 18. und 19. Mai 2021 in zweiter und dritter Lesung den Gesetzesentwurf zum Urheberrecht berät, stellt sich der Bundesverband Musikindustrie mit einer Plakataktion im Berliner Regierungsviertel öffentlichkeitswirksam hinter die Forderungen von inzwischen 1248 Künstler*innen an die Politik. Im Anschluss an den offenen Brief an die Politik unterstützen auch Universal Music, Warner Music und Sony Music mit deutlichen Worten die Forderung, dass Deutschland bei der Novelle keinen Sonderweg gehen dürfe. MusikWoche dokumentiert die Statements der Geschäftsführer der drei Musikkonzerne im Wortlaut:

Frank Briegmann, Chairman & CEO Universal Music Central Europe und Deutsche Grammophon: "Ich begrüße und unterstütze diesen offenen Brief vollumfänglich. 1248 Künstler:innen verdeutlichen damit, dass sie selbst über die Verwendung und Vermarktung ihres Schaffens entscheiden wollen. Der vorliegende Gesetzentwurf ist schlecht, weil er dieses Selbstbestimmungsrecht und damit die Vertragsfreiheit ignoriert, weil er die Artists gegenüber großen Internetplattformen schlechterstellt, statt sie zu stärken und weil er der europäischen Urheberrechtsdirektive in entscheidenden Punkten widerspricht. Er ist schlecht für die Rechteinhaber:innen und schlecht für den Kreativstandort Deutschland. Wir schließen uns den Forderungen der Künstler:innen an und bitten den Bundestag eindringlich, den Gesetzentwurf dahingehend zu ändern, dass er dem Geist und Wortlaut der europäischen Vorgaben wieder entspricht. Ganz so, wie es zum Beispiel bei unseren europäischen Nachbarn in Frankreich und den Niederlanden längst der Fall ist."

Bernd Dopp, Chairman & CEO Warner Music Central Europe: "Die Forderungen der Künstlerinnen und Künstler, dass es auch in Deutschland, ebenso wie bei unseren europäischen Nachbarn, ein faires Miteinander zwischen Online-Plattformen, Nutzer:innen und Rechteinhaber:innen geben soll, unterstütze ich natürlich. Vor dem Hintergrund der Pandemie-bedingten Einnahmeausfälle und der damit einhergehenden existenziellen Bedrohung für die gesamte Kreativbranche, ist der Schutz geistiger Werke im digitalen Raum dringlicher denn je. Europaweit sichert allein der Musiksektor mit seinen Teilbereichen mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze. Die europäische Richtlinie ist dabei ein Erfolg zur Sicherung der kulturellen Vielfalt. Der deutsche Gesetzentwurf dagegen schadet der gesamten Branche. Unter anderem, weil er Künstler:innen und ihren Partner:innen faktisch die Kontrolle über wesentliche Teile ihrer Inhalte entzieht und 15-sekündige Nutzungen bagatellisiert. Das ist nicht fair und darüber hinaus europarechts- und verfassungswidrig. Deshalb möchten wir nochmals an die Politik appellieren, geistiges Eigentum auch in Deutschland im Sinne der europäischen Richtlinie zu schützen."

Patrick Mushatsi-Kareba, CEO Sony Music Entertainment GSA: "Ich hätte es vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten, dass wir beim Urheberrecht über Insellösungen sprechen, wie wir sie jetzt sehen. Wir brauchen eine zeitgemäße Übersetzung unserer Arbeit, und am Beispiel des Urheberrechts zeigt sich, dass wir immer noch eine Übersetzungsleistung vollziehen müssen! Wir haben neue Geschäftsmodelle, die im stetigen Wandel sind und eine Anpassung erfordern. Als Label sind wir hier, um unsere Künstler:innen und deren und unser geistiges Eigentum bestmöglich zu vertreten. Und wir stehen auch klar auf der Seite der inzwischen 1248 Künstler:innen, die sich noch einmal an die Politik gewendet haben. - Es geht um alles, es geht um geistiges Eigentum, es geht um das Fundament unserer Arbeit!"

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