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Mark Chung schreibt an Julia Reda und John Hendrik Weitzmann

In der Diskussion ums Urheberrecht wird es persönlich. Das Forum Musikwirtschaft hatte sich hinter den offenen Brief von Künstler*innen unter dem Motto "Das Entsetzen hat kein Ende" gestellt. Am Statement von VUT-Vorstand Mark Chung rieben sich danach Julia Reda in der "Zeit" und im "Spiegel", aber auch John Hendrik Weitzmann (Wikimedia) im "Tagesspiegel". Deren Position weist nun wieder Mark Chung zurück.

04.05.2021 15:04 • von
Vielen Dank, für die Blumen: Mark Chung, hier bei der Verleihung der VIA Awards, schreibt an Julia Reda und John Hendrik Weitzmann (Bild: VIA VUT Awards, Screenshot)

In der Diskussion ums Urheberrecht wird es persönlich. Das Forum Musikwirtschaft hatte sich jüngst hinter den kurz zuvor veröffentlichten offenen Brief von mehr als 1145 Künstlerinnen, Künstler und Bands unter dem Motto "Das Entsetzen hat kein Ende" gestellt.

Der VUT-Vorstandsvorsitzende Mark Chung hatte dabei formuliert: "Wenn man den Netzpolitiker*innen der SPD und Julia Reda, die auf europäischer Ebene mit allen Mitteln gegen die Richtlinie gekämpft, aber im demokratischen Prozess verloren haben, in Deutschland dann die Federführung bei der Umsetzung derselben Richtlinie anvertraut, ist der jetzige Gesetzentwurf das Ergebnis."

An unter anderem diesem Statement sowie der Argumentation von Künstlern und Rechteinhabern rieben sich danach Julia Reda unter anderem in der "Zeit" und im "Spiegel", aber auch John Hendrik Weitzmann als Leiter Politik und Recht bei Wikimedia Deutschland im "Tagesspiegel". Reda hielt Chung dabei zum Beispiel in der "Zeit" vor, Künstler dazu aufgerufen zu haben, den offenen Brief zu unterzeichnen. Inzwischen wurde die Stelle indes auf Wunsch der Autorin in "hat kürzlich Unterschriften für einen offenen Brief gesammelt" geändert, wie die "Zeit"-Redaktion dazu anmerkt. Weitzmann schreibt derweil im "Tagesspiegel": "Die Genese der offenen Briefe und mutmaßlich auch der Gesetzesfolgenabschätzung, die Maffay sich öffentlich zu eigen macht, lässt sich zurückverfolgen zu einem einzigen Verband und dort zu einem einzigen Manager: Mark Chung."

Diese Position wiederum weist Mark Chung nun zurück: In einem "persönlicher Brief an John Hendrik Weitzmann & Julia Reda" dankt er auf den Onlineseiten des VUT den beiden Autoren "für die Blumen", und feuert eine Breitseite voll bitterer Ironie: "Ich gebe es zu: Ich kontrolliere aus meinem kleinen Home-Office die Gedanken und Tastaturen Tausender Künstler*innen, zusammen übrigens mit meinem Freund Bill Gates. Lasst Euch baldmöglichst impfen - dann werdet auch ihr wissen was zu tun ist."

Chung ergänzt: "Wir würden alle noch befreiter über solch groben Unfug lachen können, wenn der Hintergrund Eurer etwas panisch wirkenden, offensichtlich und nachweislich falschen Einlassungen nicht so arrogant und herablassend wäre. Wenn ihr wirklich glaubt, hochintelligente Künstler*innen wie Peter Maffay oder Balbina würden einfach mir zuliebe einen Brief unterschreiben, solltet ihr das Offensichtliche tun - mit den beiden, die u.a. in der Süddeutschen Zeitung ausführlich hierzu Stellung genommen haben, sprechen."

Die weitaus größere Zahl der Unterzeichner*innen aber "hat noch nie von mir gehört", betont Chung. "Ich unterstütze den Brief - persönlich, als zumindest ehemaliger Künstler, als Musikverleger und auch als (noch) Vorstandvorsitzender des VUT." Deshalb habe er den Brief "an einige der mir bekannten Unterzeichner*innen des ersten Briefes weitergeleitet und sie gebeten zu überlegen, ob sie auch diesen zweiten Brief unterschreiben möchten", räumt Chung ein, stellt aber klar: "Geschrieben habe ich an dem Brief kein Wort. Ich hätte ihn wahrscheinlich anders formuliert, aber weil ich ihn unterstütze, finde ich auch nicht schlimm, dass Du, John, mir Auszüge daraus in den Mund legst. Die beleidigende und herablassende Weise, in der Du Herbert Groenemeyer und Farin Urlaub das Recht absprichst, sich zu einem Gesetz zu äußern, dass sie - anders als Wikipedia - direkt und erheblich betrifft, spricht allerdings Bände."

Dann wendet sich Chung an Julia Reda: "Julia, Du wirst nicht müde zu behaupten, Politiker*innen müssten doch den Forderungen der YouTuber*innen nachkommen, die an Demonstrationen teilgenommen haben. Sollen wir uns nochmal ansehen, mit welchen Behauptungen YouTube-CEO Susan Wojcicki alle YouTuber*innen wirkungsvoll aufgerufen hatte, sich "Gehör zu verschaffen"? Sie informierte die junge "YouTuber-Gemeinde" u.a., dass die Richtlinie "Millionen YouTube Kanäle abschaffen" würde." Dagegen, so formuliert Chung, hätte er auch demonstriert - "wenn es wahr gewesen wäre".

Text: Knut Schlinger