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GEMA-Bilanz zeigt Corona-Symptome

Die GEMA verbuchte 2020 ein Minus bei den Einnahmen von rund zehn Prozent. Vor allem bei den Aufführungsrechten gab es Einbrüche. Das macht sich auch bei sinkenden Ausschüttungen bemerkbar. Die Coronakrise habe "tiefe Spuren in der Bilanz" hinterlassen, fasst die Verwertungsgesellschaft zusammen.

04.05.2021 13:09 • von
Massive Einbußen im Livebereich: die GEMA zeigt grafisch eindrucksvoll, welche Spuren die Coronakrise hinterlassen hat (Bild: GEMA-Geschäftsbericht 2020, Screenshot)

Die GEMA verbuchte 2020 ein Minus bei den Einnahmen von rund zehn Prozent. Vor allem bei den Aufführungsrechten gab es Einbrüche. Das macht sich auch bei sinkenden Ausschüttungen bemerkbar. Die Coronakrise habe "tiefe Spuren in der Bilanz" hinterlassen, fasst die Verwertungsgesellschaft die Entwicklung in der Mitteilung zur Präsentation des Geschäftsberichts am 4. Mai 2021 zusammen.

"Die Auswirkungen der Pandemie auf die schöpferische Arbeit der Kreativen und ihre Einkommenssituation sind dramatisch", bilanziert Harald Heker als Vorstandsvorsitzender der GEMA. Das zurückliegende Jahr habe jedoch auch gezeigt, welche Kraft in der GEMA stecke. "Die Solidargemeinschaft der Musikurheberinnen und -urheber stellt in der Krise abermals unter Beweis, dass gerade im kollegialen Zusammenhalt eine herausragende Stärke der GEMA und ihrer Mitglieder liegt. Allem voran mit einem mehrere Millionen Euro starken Hilfsprogramm für besonders betroffene Mitglieder, pünktlichen Ausschüttungen und einer pragmatischen Handhabung von Vorauszahlungen in Härtefällen." So zeigt der Geschäftsbericht, dass allein rund fünf Millionen Euro im Rahmen eines Corona-Hilfsfonds an GEMA-Mitglieder ausgeschüttet wurden; 2376 Anträge haben demnach bewilligt werden können.

2020 erzielte die GEMA Gesamterträge in Höhe von 958,8 Millionen Euro. Das sind gut zehn Prozent weniger als die 1,069 Milliarden Euro, die noch im Jahr 2019 als Einnahmen verbucht werden konnten.

2019 hatte die GEMA ihre Erträge im Vorjahresvergleich noch um 50,2 Millionen Euro auf 1,069 Milliarden Euro steigern können - und lag damit nach 2016, 2017 und 2018 im vierten Jahr in Folge über der Milliardenmarke.

2020 aber sanken die Lizenzeinnahmen vor allem im Außendienst, den man bei der GEMA als den traditionell stärksten Ertragsbereich bezeichnet, aufgrund des Lockdowns, der Absage von Veranstaltungen und den Schließungen von Gastronomie und Handel: Nahm die GEMA hier 2019 noch gut 407 Millionen Euro ein, so waren es 2020 nur noch 230,1 Millionen Euro - ein Minus von 43 Prozent.

Dennoch habe man 806,5 Millionen Euro an Mitglieder und Rechteinhaber ausschütten können, betont man bei der GEMA. Allerdings waren es im Vorjahr noch 905,6 Millionen Euro.

Obwohl die Verwertungsgesellschaft 2020 nicht an die guten Ergebnisse der Vorjahre anknüpfen konnte, seien die pandemiebedingten Einbußen doch geringer ausgefallen als befürchtet, heißt es bei der GEMA. Das sei vor allem auf einmalige Sondererträge zurückzuführen. So lagen die ZPÜ-Erträge dank rückwirkenden Abschlüssen für die Musiknutzung auf Mobiltelefonen und PCs mit 141,7 Millionen Euro um fast 100 Millionen Euro über dem Vorjahreswert. "Mit den Sonderausschüttungen der ZPÜ konnte die GEMA etwa die Hälfte ihrer Ertragseinbußen in anderen Bereichen auffangen", heißt es dazu aus München.

Aber auch "die der Krisensituation angepasste Ausgabenpolitik" habe zum Ergebnis beigetragen. So konnte die GEMA ihre Gesamtaufwendungen im Vorjahresvergleich von 163,7 Millionen Euro auf 152,4 Millionen Euro drücken, der Kostensatz betrug demnach 15,9 Prozent, nach 15,3 Prozent im Jahr 2019.

"Alles in allem haben wir das Krisenjahr 2020 für die GEMA zufriedenstellend abgeschlossen", fasst Harald Heker zusammen. "Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage äußerst angespannt bleibt." Heker prognostiziert: "Das Pandemiegeschehen wird die Ausschüttungen der GEMA im laufenden und voraussichtlich auch im kommenden Jahr empfindlich schmälern. Für viele Musikschaffende wird dies erhebliche finanzielle Einbußen mit sich bringen."Allerdings wertet es Heker als ein gutes Signal in die Musikbranche, dass der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages Ende März zusätzliche Finanzmittel für das Programm "Neustart Kultur" freigegeben habe: "Ebenso wird die GEMA selbst ihre Mitglieder weiterhin unterstützen und 2021 erneut einen Schutzschirm aufspannen, so dass bedürftige Mitglieder Vorauszahlungen auf kommende Ausschüttungen beantragen können."

Text: Knut Schlinger