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Reeperbahn Festival vernetzte sich mit Peking

Per digital/hybridem Event aus dem Nochtspeicher in Hamburg baute das Reeperbahn Festival im Rahmen seines internationalen Programms eine Brücke nach Peking, unterstützt vom Auswärtigen Amt.

26.04.2021 17:49 • von Frank Medwedeff
Kooperationspartner für die internationalen Aktiviäten des Reeperbahn Festivals: Staatsminister Niels Annen (Bild: Thomas Ihmo_phototek.net)

Das Reeperbahn Festival tauchte vom 21. bis 23. April aus dem Hamburger Kiezclub Nochtspeicher mit einer 40-köpfigen Delegation aus Vertreter*innen der deutschen und europäischen Musikwirtschaft drei Tage lang in die chinesische Musik-, Tech- und Kreativindustrie ein.

In Kooperation mit WISE - The Future Festival & Think Tank und mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes ermöglichten die Reeperbahner den Delegierten beim ersten "Auslandsgastspiel" des Jahres ein vielfältiges Programm, um den wirtschaftlichen wie kulturellen Dialog mit der Musikszene in China zu ermöglichen. Coronabedingt musste die vorgesehene Delegationsreise nach Peking ausfallen und wurde deshalb als digital/hybrides Event präsentiert.

Nach dem offiziellen Kick-off am 21. April folgten digitale Firmenbesuche bei der für die chinesische Musikwirtschaft führenden Beratungsagentur Kanjian und der Niederlassung von Live Nation in Peking. Hierbei gaben Entscheidungsträger der europäischen Delegation Einblicke in ihre Arbeit sowie in die chinesische Musik- und Kreativindustrie. Digitale Video-Rundgänge boten einen Einblick in das Büroleben moderner chinesischer Unternehmen und gaben den Delegierten die Möglichkeit, Fragen an die "sehr auskunftsfreudigen Company-Representatives" zu stellen, wie es aus Hamburg heißt.

Ein hybrides Showcase-Erlebnis mit den aufstrebenden Acts Lie Ning aus Deutschland und Bohan Phoenix aus China wurde am Abend des ersten Tages aus dem Nochtspeicher im Livestream übertragen. Wegen eines positiven Covid-Tests bei Mitgliedern ihrer Band konnte Ava Vegas indes nicht vor Ort live performen. Deshalb wurde ein Live-Interview mit ihr und im Anschluss ihr letzter Auftritt vom diesjährigen Eurosonic-Festival in den Stream eingebunden. Den Livestream verfolgten demnach auf Facebook gut 55.000 Viewer.

Am Donnerstag bot das Sessions-Programm digitale Talks und Panels zu den Themen "Music Marketing in China", "Touring and Festivals in China" und "Future Trends in Music and Tech". An der anschließenden Q&A-Session nahmen unter anderen Jane Polubotko (International Marketing Manager Kanjian/Music Ally) und Shan Wie (Chief Director Midi Festival) teil.

Niels Annen, Staatsminister Auswärtiges Amt, erklärte: "Das Reeperbahn Festival hat sich in den letzten Jahren zu einer globalen Marke in der Musikwelt entwickelt. Ich freue mich sehr, dass wir dabei im Rahmen unserer internationalen Kulturpolitik Partner sein dürfen. Von den USA über China bis Tansania - und das seit Jahren. Ich danke an dieser Stelle ausdrücklich dem Deutschen Bundestag, der hierfür Mittel zur Verfügung gestellt hat. Die Pandemie hat auch das Reeperbahn Festival vor besondere Herausforderungen gestellt. Der Aufbau von Netzwerken, Austausch, Märkten und Möglichkeiten für Musik ist schwieriger geworden. Das Reeperbahn Festival hat mit dem digital/hybriden 'Reeperbahn Festival International'-Programm die richtige Antwort auf diese Herausforderung gefunden. Dazu gratuliere ich, und ich freue mich darauf, dass das Reeperbahn Festival weiter die Musik- und Kreativwirtschaft aus und mit Deutschland verbindet und nachhaltig ausbaut. Besonders freue ich mich darüber, dass wir so auch den Musikerinnen und Musikern helfen, dass sie mit ihrer Kunst Verbreitung und ein Auskommen finden. Denn am Ende des Tages ist es doch genau das, was wir wollen und worauf wir uns freuen: Musik!"

Alexander Schulz, CEO Reeperbahn Festival, sagte: "Die Musik- und Kreativwirtschaft ist und bleibt ein People's Business. Wenn Reisen und persönliche Begegnungen derzeit pandemiebedingt nun einmal nicht möglich sind, dann ist es gerade in einer Phase, in der insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sowie vielversprechende neue Artists unter Druck geraten, wichtig, den Dialog mit einer digital/hybriden Weiterentwicklung unseres Formates zu ermöglichen. Ich freue mich sehr, dass wir gerade in dieser für die Kultur so schwierigen Phase, die Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt nicht nur weiterführen, sondern intensivieren können."

Nasim Beizai, Senior Manager International Marketing bei Universal Music, lobte, dass die Konferenz ihr erlaubte, "noch mehr über chinesisches Musikmarketing zu erfahren und mich mit Professionals zu vernetzen. Bereits mit Abschluss des ersten Konferenztages wurden alle meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern auch übertroffen: Ich habe sehr informative Panels erlebt, durfte interessante Menschen der internationalen Musikbranche kennenlernen und mir den digitalen Auftritt faszinierender Künstler*innen ansehen. Der krönende Abschluss des ersten Abends war der digitale VIP-Bereich, in dem man wie im realen Leben andere Teilnehmer*innen ansprechen und sich zu laufenden Gesprächen hinzugesellen konnte."

Chen Cheng, Manager Product/Workflow Development bei Zebralution, meinte: "Die Entwicklung des chinesischen Musikmarktes ist einer der wichtigsten strategischen Schritte unseres Unternehmens; die Teilnahme an der Veranstaltung hat es mir ermöglicht, mehr Einblicke in den Markt zu gewinnen und mich mit lokalen Fachleuten zu vernetzen. Besonders aufschlussreich fand ich die Podiumsdiskussion zum Thema 'Music Marketing in China'. Jetzt wollen wir die chinesischen Social-Media-Plattformen wie zum Beispiel Weibo, douyin, Bilibili etc. und die Community-Funktionen der chinesischen DSPs bestmöglich nutzen, um unsere Künstler*innen und unser Repertoire auch in China zu etablieren."

Dan Glaunsinger, A&R Manager, Roba Music Publishing, resümiert: "An Reeperbahn Festival International Peking wollte ich teilnehmen, um tiefere Einblicke in den chinesischen Markt zu gewinnen und um mit lokalen Akteur*innen in den Austausch zu treten. Das digitale Setup war dabei sehr intuitiv und eine super Möglichkeit, diesen Austausch auch ohne die Reise nach Peking zu ermöglichen. Von chinesischer Business-Etikette über lokale Marktgegebenheiten bis hin zu einem digitalen Showcase waren viele inspirierende Impulse gegeben."

Weitere Termine Reeperbahn Festival International:

Nashville (10. - 12. Mai 2021, in Kooperation mit Music Biz)

Pan-Afrika (31. Mai - 3. Juni 2021, in Kooperation mit Music In Africa Foundation und Music In Africa Conference For Collaborations, Exchange and Showcases (ACCES)

New York (14. - 17. Juni 2021 , in Kooperation mit A2IM Indie Week)

Für den Herbst sind zwei weitere Veranstaltungen in Los Angeles (in Kooperation mit Musexpo) sowie in Dar es Salaam in Tansania (in Kooperation mit Music In Africa Foundation und ACCES) in Planung.

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