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c/o pop verteilt zum zweiten Mal Hugs & Kisses

Die Veranstalter der c/o pop richten vom 22. bis 24. April zum zweiten Mal einen hybriden Branchentreff samt Festival unter dem Namen c/o pop xoxo aus. Im Gespräch mit MusikWoche schildert Ralph Christoph Erfahrungen der ersten digitalen Ausgabe, spricht über aktuelle Herausforderungen und kündigt in Zusammenarbeit mit den Entwicklern der RAUM-App ein traumhaftes Zukunftsexperiment an.

14.04.2021 10:16 • von
Kölner Branchentreff in den Startlöchern: Ralph Christoph und Helen Smith sind bei der c o pop xoxo 2021 dabei (Bild: Fotos Philipp Träumt, Impala; Layout: MusikWoche)

Die Veranstalter der c/o pop von cologne on pop richten vom 22. bis 24. April zum zweiten Mal einen hybriden Branchentreff samt Festival unter dem Namen c/o pop xoxo aus. Im Gespräch mit MusikWoche schildert Ralph Christoph, Director der c/o pop Convention, Erfahrungen der ersten digitalen Ausgabe, spricht über aktuelle Herausforderungen und kündigt ein traumhaftes Zukunftsexperiment an.

»Wir waren mit den Zahlen der ersten xoxo-Ausgabe wirklich sehr zufrieden«, blickt Ralph Christoph zurück auf die erste Sonderausgabe des Festivals und Branchentreffs unter dem xoxo-Motto, die im Herbst 2020 über die Bühne ging. »Mit 30.000 Unique Users über alle Formate hinweg haben wir eine etwa genauso große Öffentlichkeit erreicht wie auch sonst bei der Präsenzveranstaltung.« Und der Zähler bei den Video-On-Demand-Abrufen ticke täglich weiter. »Allerdings«, so schränkt Christoph ein, »wachsen die Bäume bei der Live-Ausstrahlung zunächst nicht in den Himmel«. Eine Band, die bei einem »echten« Konzert 1500 Zuschauer anziehe, erreiche diese Zahlen im Stream leider kaum: »So funktioniert das Netz nicht.«

Aus den Zahlen der ersten c/o pop xoxo habe man ablesen können, dass viele Zuschauer online am späteren Nachmittag zu erreichen seien, und nicht nur zu klassisch gelernten Konzertzeiten nach 20.00 Uhr. Die Allermeisten würden dabei auf Mobile Devices zurückgreifen, nicht auf Desktop-Rechner. »Das heißt für uns, dass wir bei der Ausspielung viel mehr auf die Formate achten müssen, und auf die Länge.« Die Frage nach möglichst vielen verschiedenen Kameraeinstellungen würde hingegen eher an den Rand rücken. Wichtig bleibe aber die Interaktion mit den Künstlern: »Man muss einfach auf ganz andere Dinge achten.«

Für die zweite c/o pop xoxo halte man weiter an Wort- und Musikformaten fest, wolle diese aber zeitlich klarer voneinander trennen, berichtet Christoph: »Wir sind zu dem Schluss gekommen, die Talks und Konzertangebote im Programm klarer zu strukturieren.« So soll das Konferenzprogramm zumeist ab 12.00 Uhr stattfinden, ab 17.30 Uhr dann der Festivalteil. Im Kongressbereich wolle man sich nach den Erfahrungen mit der ersten xoxo zudem auf Donnerstag und Freitag konzentrieren. Hinzu kommt außerdem der Nachwuchstag, der bei der c/o pop Convention traditionell am Samstag stattfindet. Hier wollen sich die Veranstalter auch in diesem Jahr wieder auf die New-Talent-Themen fokussieren, die im vorherigen Kongressprogramm allerdings mit ausgesuchten Schwerpunkten ebenfalls zu finden sind.

Egal ob physisch oder digital, die Finanzierung der c/o pop sei auch in diesem Jahr und darüber hinaus gesichert, betont Ralph Christoph. Die Fördergeldgeber von Stadt, Land und Bund hätten sich dabei als sehr offen gegenüber digitalen Konzepten und Formaten erwiesen: »Es ist schließlich ein Trugschluss zu glauben, dass ein digitales Event weniger kostet als eine Präsenzveranstaltung - es ist eher sehr viel teurer.« So wurden die Teams bei jedem Dreh getestet, was entsprechende Kosten mit sich bringe. »Aber wir haben unsere Kalkulationen angepasst.«

_____Scott Cohen kommt als Avatar zur c/o pop

Wer nun aber glaubt, dass die Veranstalter beim Kongress eher kleckern als klotzen wollen, irrt. Denn in Kooperation mit einem Kölner Unternehmen hievt das Team um Ralph Christoph und Norbert Oberhaus, dem Geschäftsführer von cologne on pop, das Keynote-Interview mit Scott Cohen, Mitbegründer von The Orchard und heute als digitaler Vordenker in Diensten von Warner Music, in eine ganz besondere virtuelle Umgebung. Nämlich in die RAUM-App, entwickelt von der Kölner Firma Blanx Effects Interactive für die zu Facebook gehörende Oculus-Plattform.

»Was diese App leistet, ist - ich kann es nicht anders sagen - unglaublich beeindruckend«, zeigt sich Ralph Christoph glaubhaft begeistert. »Man bewegt sich dort als Avatar mit einer unfassbar hohen Bild- und Tonqualität frei im virtuellen Raum und kann dort mit anderen Teilnehmer*innen arbeiten, sich vernetzen oder auch Konzerte hören.« Und so will er denn am 22. April, dem ersten c/o-pop-Convention-Tag, 50 Teilnehmer mit drahtlosen Oculus-VR-Brillen in der RAUM-App zusammenführen. »Wir kommen virtuell zusammen, und vorn auf der Bühne interviewt Antònia Folguera vom Team der Sonar-Programmmacher dann Scott Cohen, den CIO Recorded Music der Warner Music Group.« Er habe Cohen angerufen, ihm von dem Projekt erzählt und gleich davon begeistern können, berichtet Ralph Christoph.

Was die eingeladenen Teilnehmer virtuell sehen und hören, wollen die c/o-pop-Macher als zweidimensionalen Stream über die Webseiten des Branchentreffs verbreiten. Im Vorfeld und im Nachgang der Keynote steht zudem ein virtuelles Networking in der RAUM-App auf dem Programm.

_____FoMuWi stellt Wahlprüfsteine vor

»Das gab es in dieser Form noch nicht«, ist sich Ralph Christoph sicher, der die RAUM-App als »Silicon-Valley-Level« bezeichnet, nur eben aus Deutschland. Zahlreiche Premiumkunden wie Autobauer, Werbeagenturen oder Unternehmen aus der Telekommunkationsbranche würden die App bereits nutzen, auch die Musik- und Kreativwirtschaft sollte das Tool nun kennen lernen.

Als Highlight des zweiten Kongresstages steht ein Gespräch zwischen zwei Schotten auf dem Programm der c/o pop Convention: Hier trifft Impala-Geschäftsführerin Helen Smith auf den früheren Spotify-Chief-Ecomomist Will Page, der mit »Tarzan Economics« im Frühjahr 2021 sein erstes Buch veröffentlicht.

_____Erste Ergebnisse der Clubstudie

Darüber hinaus wird sich das Forum Musikwirtschaft um unter anderem Birigt Böcher (DMV) und Pamela Schobeß (LiveKomm) im Rahmen der VUT Indie Days Cologne bei der Convention mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht zuletzt in Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl beschäftigen. Auch werden die ersten Ergebnisse der von der Initiative Musik in Auftrag gegebenen Clubstudie präsentiert und der Frage nachgegangen, wie der Einsatz digitaler Hilfsmittel die Rückkehr zu einem geregelten Veranstaltungsbetrieb unterstützen könnte. Hierzu hat sich unter anderem der CIO der Landesregierung Nordrhein-Westfalens als Panelist angekündigt, Andreas Meyer-Falcke. Ebenfalls vorgestellt wird die von der LiveKomm ins Leben gerufene Bundesstiftung LiveKultur.

Text: Knut Schlinger