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VPLT-Umfrage verdeutlicht ernste Lage der Veranstaltungsbranche

Der unter dem Kürzel VPLT bekannte Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik hat in einer Umfage das Stimmungsbild der Branche in der Corona-Krise erfragt. Als Hauptprobleme nannten die Befragten unter anderem Fachkräfteverlust und Perspektivlosigkeit.

06.04.2021 15:43 • von Frank Medwedeff
Fordert unter anderem weiterhin die volle Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge für die notleidende Veranstaltungswirtschaft: VPLT-Geschäftsführerin Linda Residovic (Bild: VPLT)

Der VPLT - Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik hat in seiner jüngsten Trendumfrage das Stimmungsbild in der Veranstaltungsbranche erfragt. Im Mittelpunkt standen Themen wie die aktuelle betriebliche und berufliche Situation, die Wirksamkeit der Finanzhilfen, Ausbildung und generell Rahmenbedingungen in der Veranstaltungswirtschaft. An der anonymen Umfrage, die auch eigene Kommentare der Befragten zuließ, beteiligten sich demnach Unternehmer, Einzelunternehmer und Angestellte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Aus den erhobenen Daten lasse sich ein genaueres Bild ableiten, welche Auswirkungen die Corona-Krise bisher auf die Betroffenen in verschiedenen Bereichen habe: So gaben laut VPLT rund 40 Prozent der Unternehmen an, dass sie inzwischen Mitarbeiter verloren haben. Entscheidende Gründe seien "Perspektivlosigkeit in Branche und Betrieb" oder "zu geringer Verdienst in der Kurzarbeit". Rund 24 Prozent der Befragten gaben an, dass sie absehbar Mitarbeiter entlassen müssen, circa 40 Prozent könnten dies noch nicht einschätzen. Für ein Drittel der Umfrageteilnehmer habe sich die Arbeitszeit, zum Beispiel in Teilzeit, verändert.

Ein wesentlicher Kritikpunkt in den eingegangenen Kommentaren sei, dass finanzielle Hilfen von staatlicher Seite bisher unzureichend oder nicht wirksam seien. Nach wie vor komme Unterstützung "nicht richtig an". Mehr als 80 Prozent der Befragten nehmen seit Beginn der Krise Kurzarbeitergeld in Anspruch. Bei rund 55 Prozent waren die Mitarbeiter zu 70 bis 100 Prozent in Kurzarbeit. "Nur wenige haben die Kurzarbeit inzwischen beendet, und wenn, dann zum Beispiel aufgrund der Abwanderung von Mitarbeitern", konstatiert der VPLT.

Die Teilnehmer der Umfrage monieren zudem, dass Unternehmen mehr Planungssicherheit für eine Zukunftsperspektive bräuchten, und sie fordern deutliche Verbesserungen in Sachen Corona-Schnelltests und -Impfungen.

Ungefähr zwei Drittel der Berfragten waren bei den Überbrückungshilfen I, II oder III antragsberechtigt. Bei einem Großteil seien die Gelder innerhalb von vier bis 20 Wochen ausgezahlt worden. 50 bis 60 Prozent der Antwortenden gaben indes bei allen abgefragten Hilfen an - also auch einschließlich Novemberhilfe, Novemberhilfe Plus, Dezemberhilfe und Dezemberhilfe Plus - dass das Geld der Regierung nicht ausreiche. 27 Prozent haben laut ihrer Angaben einen KfW-Kredit beantragt und erhalten.

"Wir sehen die Ergebnisse als Beleg für unsere bisherigen Argumente und Forderungen in Gesprächen mit der Politik", kommentiert Linda Residovic, Geschäftsführerin des VPLT. "Ihr muss endlich bewusst werden, dass sich keine Branche so lange im Lockdown befindet wie die Veranstaltungswirtschaft."

Helge Leinemann, der Vorstandsvorsitzende des VPLT, merkt an: "Es ist nur folgerichtig, dass unsere heterogene Branche ein Sonderprogramm benötigt. Ein Drittel bis zur Hälfte der Teilnehmer ist laut unserer Umfrage bei den unterschiedlichen Hilfen nicht antragsberechtigt, und viele kritisieren eine Förderung, die nicht ausreichend ist."

"Ständig ist in der Politik von Gerechtigkeit die Rede", so Linda Residovic. "Aber noch immer scheitert es am politischen Willen, auch den selbständigen Einzelunternehmern eine passende Hilfe zukommen zu lassen, obwohl auch sie völlig unverschuldet in diese prekäre Lage geraten sind. Und den Unternehmen würde unser Vorschlag helfen, speziell für die Veranstaltungswirtschaft die Sozialversicherungsbeiträge weiter voll zu erstatten. So könnten sie ihre momentane Perspektivlosigkeit überwinden und wieder mehr Planungssicherheit gewinnen. Die Zahlen und Antworten unserer Umfrage belegen bereits jetzt den Fachkräfteverlust und die negativen Auswirkungen auf Ausbildungsplätze."

Die aktuelle Ausbildungsprämie der Regierung motiviere lediglich "die Hälfte der Unternehmen, neu in Ausbildungsplätze zu investieren", so die Erkenntnis der Umfrage hierzu. Generell bieten demnach rund 65 Prozent der Unternehmen Ausbildungsplätze an, 22 Prozent nicht und rund 13 Prozent "taten dies früher mal". Ein Großteil erwähne Kosteneinsparungen und Kurzarbeit als Gründe für den aktuell fehlenden Bedarf an Azubis, aber teilweise auch schlechte Erfahrungen mit Kandidaten. Einige erwähnten deren mangelnde Eignung oder zu wenig betriebliche Zeit, sich um eine professionelle Ausbildung zu kümmern. 60 Prozent geben an, in Zukunft die gleiche Anzahl auszubilden, 30 Prozent wollen dies jedoch reduzieren.

Der VPLT wollte mittels der Umfrag zudem erfahren, wann sich die Teilnehmer eine Wiedereröffnung von Veranstaltungen vorstellen können: Die meisten Antwortenden gehen von einem möglichen Restart der Veranstaltungsbranche 2022 aus. Viele erwähnen in diesem Zusammenhang die dafür wichtige flächendeckende Impfung und Herdenimmunität. Optimistischere Teilnehmer glauben an die Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit Ende 2021. "Wenige" gehen laut VPLT von 2023, 2024 oder gar 2026 aus, um das Niveau einer normalen Geschäftstätigkeit wie vor der Krise zu erreichen.

Trotz der unterschiedlichen negativen Auswirkungen der Corona-Krise beteuern, wie der VPLT feststellt, knapp 80 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass sie der Branche treu bleiben werden. Rund 70 Prozent wollten "keine berufliche Alternative suchen". In ihrer Meinung gespalten seien die Befragten bei der Frage, ob die Branche gestärkt aus der Corona-Pandemie hervorgehen werde: Mehr als 40 Prozent sind diesbezüglich skeptisch, genauso viele dagegen glauben daran.

Mit der Untersuchung nahm der VPLT auch unter die Lupe, wie die Teilnehmer ihre eigene Branche einschätzen. Im Mittelpunkt zahlreicher Kritik stünden "fairer Wettbewerb statt mangelhafter Preisstruktur und unsolidarischem Preisdumping, Individualinteressen statt Zusammenhalt, Gefahren durch Scheinselbständigkeit, fehlende Qualifikation und Fachkräftemangel, zu wenig Wahrnehmung durch Politik und Öffentlichkeit, mangelndes Selbstbewusstsein, fehlende Nachhaltigkeit und Digitalisierung, zu wenig Standards und Normung sowie kein tragfähiger Fahrplan für die Zukunft".

Helge Leinemann bekräftigt: "Auch für uns als Verband steht weiterhin ganz oben auf der Agenda, den fairen Wettbewerb und Qualität statt Quantität zu fördern. Erleichtert würde das aktuell durch mehr Planungssicherheit für einen Restart unserer Branche. Im Mittelpunkt stehen künftig aber auch Themen wie lebenslanges Lernen sowie der Schulterschluss mit anderen Verbänden für gemeinsame Lösungen, wofür wir das Forum Veranstaltungswirtschaft weiter ausbauen."

Für die Trendumfrage "Stimmungsbild" befragte der VPLT Unternehmensgeschäftsführer, selbstständige Einzelunternehmer und Angestellte aus den Bereichen Betreiber, Händler, Hersteller, Personaldienstleister, System-Integratoren, technische Dienstleister und "Sonstige" in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Onlinebefragung erfolgte vom 16. bis 24. März 2021. Alle Teilnehmer seien über 18 Jahre alt. Der überwiegende Teil der Antwortgeber sei bereits zwischen zehn und 30 Jahren in der Veranstaltungswirtschaft tätig.