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Philipp Schnyder hofft auf Zuschauer bei m4music 2022

Vom 24. bis 26. März bot das m4music-Festival des Migros-Kulturprozent ein Programm mit Showcases, Diskussionsrunden und Nachwuchswettbewerb. Im Gespräch mit MusikWoche analysiert Festivalleiter Philipp Schnyder, die Zahlen sowie die Unterschiede zwischen echten und virtuellen Events, verrät aber auch seine Pläne für ein mögliches Mini-Festival im Herbst.

31.03.2021 11:20 • von
Zeigt sich zufrieden mit den Zahlen, mit dem Engagement der Professionals und den interessanten Diskussionen: Festivalleiter Philipp Schnyder (Bild: m4music, Migros Kulturprozent)

Vom 24. bis 26. März 2021 bot das m4music-Popmusikfestival des Migros-Kulturprozent bei seiner 24. Ausgabe ein Programm mit unter anderem Schweizer Showcases, Diskussionsrunden und dem Nachwuchswettbewerb der Demotape Clinic. Im Gespräch mit MusikWoche analysiert Philipp Schnyder, m4music Festivalleiter beim Migros-Kulturprozent, die Zuschauerzahlen sowie die Unterschiede zwischen echten und virtuellen Events, verrät aber auch seine Pläne für ein mögliches Mini-Festival im Herbst.

MusikWoche: 2020 fiel das m4music-Popmusikfestival des Migros-Kulturprozent noch ziemlich in den Beginn der Pandemie und daraufhin aus. 2021 stand nun eine virtuelle Version an. Hätten Sie vor einem Jahr gedacht, auch jetzt noch von Corona betroffen zu sein?

Philipp Schnyder: Vor einem Jahr waren wir damit beschäftigt, die Situation zu analysieren und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Kurz darauf kam der Lockdown - diesen Schock galt es erst einmal zu verdauen. Die folgende, weitverbreitete sommerliche Zuversicht verfolgte ich skeptisch, denn eines schien mir klar: Das Coronavirus ist unberechenbar und das Wort "Planungsunsicherheit" würde uns auch in Richtung m4music 2021 begleiten.

MusikWoche: Wann haben Sie realisiert, dass Sie auch für 2021 nicht wie gewohnt planen können?

Philipp Schnyder: Wir haben im September 2020, als doch einige Publikumsveranstaltungen stattfanden, vorsichtig mit einer Kapazität von 50 Personen pro Anlass - Konzert, Panel - konzipiert. Über Weihnachten kam die Erkenntnis: Das wird im März 2021 kaum möglich sein. Deshalb der im Rückblick richtige Entscheid: Wir setzen auf ein rein digitales Festival.

MusikWoche: Wie viele Zuschauer konnten Sie beim virtuellen Festival, beim Kongress und bei der Demotape Clinic zählen??Philipp Schnyder: Wir hatten zwei Angebote: Für den Kongress haben sich 951 Professionals auf der m4music-Plattform registriert - etwas weniger als bei einer "richtigen Festivalausgabe". Interessant: Die einzelnen Formate, also zum Beispiel Conference-Panels, wurden eher von mehr Menschen besucht als im "normalen" Festival, wo das persönliche Networking zu Recht viel Aufmerksamkeit einnimmt.

Das zweite Angebot - ein Stream für das Publikum - wurde von deutlich mehr Menschen genutzt als das Angebot für die Professionals, wenn auch weniger intensiv. Hier sind wir noch dabei, die eigenen Zahlen mit derjenigen der Partnermedien, die den Stream übernommen hatten, aufzuaddieren. Sie sind aber weniger relevant, weil wir den Fokus auf die Musikszene und die Professionals legten.

MusikWoche: Sind Sie zufrieden mit diesen Zahlen für m4music 2021?

Philipp Schnyder: Wir sind sehr zufrieden mit den Zahlen, aber auch mit der aktiven Partizipation der Professionals und damit, wie interessant die Paneldiskussionen tatsächlich geworden sind. Zudem freuen wir uns über die Entdeckungen, die wir mit unserem Talent-Scouting-Wettbewerb Demotape Clinic gemacht haben, wie etwa die Band Batbait.

MusikWoche: Taugt das virtuelle Event dazu, schweizerischen Acts auch international mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen?

Philipp Schnyder: Obwohl wir Professionals aus Deutschland und Frankreich dabei hatten: das virtuelle Festival kann hier das "echte" Festival wirklich nicht ersetzen. Die Qualität einer Band zeigt sich oft erst im Livekonzert.

MusikWoche: Wie sieht Ihre Planung für 2022 aus?

Philipp Schnyder: Das nächste m4music findet vom 23. bis 26. März 2022 statt - ich hoffe doch, wieder mit Publikum. Wir planen derzeit ein m4music-Mini-Festival vom 9. bis 11. September in Zürich - natürlich im Wissen, dass das Virus unberechenbar ist und wir noch keine Gewissheiten kennen.

MusikWoche: Und wie sehen Ihre Hoffnungen aus?

Philipp Schnyder: Die Corona-Krise fordert gegenwärtig Opfer im Musikbusiness und wird auch den strukturellen Wandel beschleunigen. Ich glaube aber, dass nach der Krise auf der kreativen Seite auch Neues entstehen wird: neue Styles, neue Bewegungen, neue Musikkulturen!

Fragen: Knut Schlinger