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Brook Demissie geht mit Gold League "jede Extrameile für Künstler und Partner"

Vor zwei Jahren erweiterte Sony Music mit Gold League unter der Leitung von Brook Demissie sein Labelportfolio. Der Senior Director von Gold League zieht im Interview mit MusikWoche eine Bilanz der letzten 24 Monate und erklärt die Besonderheiten der Zusammenarbeit mit Künstler*innen.

31.03.2021 09:42 • von Norbert Schiegl
Blickt mit Stolz auf die ersten zwei Jahre von Gold League: Brook Demissie (Bild: Foto: Sony Music; Layout: MusikWoche)

Vor zwei Jahren erweiterte Sony Music mit Gold League unter der Leitung von Brook Demissie sein Labelportfolio. Der Senior Director von Gold League zieht im Interview mit MusikWoche eine Bilanz der letzten 24 Monate und erklärt die Besonderheiten der Zusammenarbeit mit Künstler*innen.

Interview: Norbert Schiegl

__Wie fällt Ihre Bilanz nach zwei Jahren Gold League aus?

Wir blicken mit Stolz auf die ersten zwei Jahre von Gold League zurück. 25 Singles, die einen Gold/Platin-Status in GSA erreicht haben, fünf Top-Ten-Alben und dazu ein Roster, das sich sehen lassen kann. Darüber hinaus freut es mich sehr, so ein tolles Team zu haben, das wirklich mit Passion arbeitet und auch jede Extrameile für unsere Künstler und Partner geht.

__Konnten die 2019 gesteckten Ziele erreicht werden?

Fast alle Ziele, die wir uns bei der Gründung gesteckt haben, haben wir voll erreicht und manche sogar übertroffen. Natürlich waren wir im zweiten Jahr aufgrund von Corona teilweise nicht so handlungsfähig, wie wir uns das gewünscht hätten und wir mussten kleine Anpassungen vornehmen, aber ich will da gar nicht jammern. Denn erstens ging es uns ja allen so und zweitens lief es dafür doch relativ gut.

__Wie würden Sie die Arbeitsweise von Gold League beschreiben, geht es hier vor allem um den Dienstleistungsgedanken in Hinblick auf Fragen rund um Vertrieb und Marketing, oder spielt auch die kreative Seite in Hinblick auf Künstleraufbau oder A&R-Arbeit eine Rolle?

Wir sehen uns nicht als reinen Vertrieb, sondern leben und agieren auch wie ein Label, sprich neben dem Dienstleistungsgedanken, der bei uns großgeschrieben wird, ist der kreative Input, sei es im Marketing, strategisch oder im A&R-Bereich, sehr wichtig. Wir bieten unsere Leistungen sehr flexibel und nach Bedarf der Künstler an, gehen teilweise sehr tief in die einzelnen Projekte rein. Die A&R-Leistung spielt dabei natürlich immer auch eine wichtige Rolle und wir haben im Team einen erfahrenen und künstlernahen A&R. Es gibt aber auch Themen, bei denen eine klassische Vertriebsleistung gefragt ist.

__Was waren neben RIN die größten Erfolge für Gold League in den zurückliegenden 24 Monaten?

Neben RIN konnten wir unter anderem mit The Cratez, Yung Kafa & Kücük Efendi, Jalil und Kynda Gray schöne Erfolge feiern. The Cratez haben auch ähnlich wie RIN für die Singles »Honda Civic« und »Skifahren« Platin- in Österreich und Schweiz sowie Gold-Status in Deutschland erreicht. Auch hier stehen die beiden Singles kurz vor Platin und ihr Album »Nonstop« hat bereits über 300 Millionen Streams innerhalb eines Jahres generiert. Yung Kafa und Kücük Efendi sind dieses Jahr mit ihrem Mixtape auf Platz zwei der Albumcharts eingestiegen und Kynda Gray ist mit seinem Debütalbum als Newcomer in die Top 20 gechartet, was uns sehr freut. Auch Jalil konnte seine erste Top-10-Platzierung für seine Single »NBA« in diesem Jahr mit uns feiern. An dieser Stelle sind auch die ­vielen Newcomer wichtig zu erwähnen, auf welche wir als Label großen Wert legen. Einige haben wir schon früh an uns angedockt, die heute gut »Welle machen«. Dazu ­zählen zum Beispiel Lugatti & 9ine oder auch ­Alicia Awa, unsere erste Künstlerin, die direkt bei uns gesignt ist und auch einen guten Start hingelegt hat. Da wird noch einiges kommen. Aber das alles wäre ohne die sowohl interne als auch externe Unterstützung, die wir seit Beginn durch die zentralen Abteilungen und auch unsere Partner erhalten, nicht möglich gewesen. Ich bedanke mich von ganzem Herzen bei allen.

__Mit welchen Partnern neben Division arbeitet Gold League inzwischen zusammen?

Wir haben mittlerweile mit über 25 Künstler-Camps und Labels eine Kooperation. Teilweise sind auch mehrere Künstler bei einem Label gesignt, das dann wiederum an uns angedockt ist. Um ein paar zu nennen, haben wir neben Division und Selfmade eine große Kollaboration mit RBK, das Label von Ronny Boldt und RAF Camora sowie mit AEIOU, die Heimat von Künstlern wie Yung Kafa & Kücük Efendi & REEZA. Auch bei der Zusammenarbeit mit Künstlereigenen Labels wie SWISH von Jalil, oder Traumfænger von Credibil ist uns wichtig, hier Künstler zu stärken, die ihren Weg autark in die Hand nehmen.

__Was macht Gold League in der Zusammenarbeit mit Künstler*innen anders, als vergleichbare Vertriebslabels?

Wir sind 24/7 erreichbar und mit Leidenschaft dabei. Wir geben, wo möglich, in beratender Funktion unseren Input rein und unterstützen, wo wir nur können. Wir lieben, was wir machen und das, finde ich, merkt man unserer Arbeit auch an. Es gelingt uns, unseren Partnern und Künstlern immer auf Augenhöhe zu begegnen, ehrliche Gespräche über die Wünsche und Möglichkeiten der Künstler zu führen und über ihre Musik zu sprechen.

__Wie ist Gold League heute aufgestellt? Beim Start waren es damals vier Mitarbeiter, wie viele sind es heute, wie viele sollen es mittelfristig werden?

Wir haben Zuwachs bekommen, sind aber weiterhin ein kleines und tatkräftiges Team, aktuell bestehend aus sechs Personen. So wird es mittelfristig auch erst mal bleiben.

__Kann es nicht firmenintern zu Konflikten kommen, wenn eines der Sony-Music-Labels wie Four Music und Gold League einen Künstler für sich gewinnen wollen?

Nein im Gegenteil, auch wenn ein gesunder Wettbewerb existiert, tauschen wir uns gut aus und finden schnell eine Einigung. Darüber hinaus hat ja jedes Label normalerweise sein eigenes Signing-Schema und es kommt wenig zu Konflikten. Grundsätzlich halte ich das für einen großen Vorteil für die Firma aber auch für den Künstler, dass es mittlerweile mehrere Labels bei Sony gibt, die das HipHop-Genre barbeiten, und der Künstler so auch mehrere Optionen hat, ein Match zu finden.

__Und wie ist die Sparte bei Sony Music aufgehängt, weiter beim Commercial-Team um Andre Mühlhausen, oder inzwischen eher im Labelbereich?

__Wir sind weiterhin Teil von der Commercial Division, haben aber - wie jedes andere Label auch - die gleichen Zugriffe auf die zentralen Units wie Bold Collective oder Partnerships. Es hängt aber natürlich von den Deals ab.

__Welchen Einfluss hat und hatte die Pandemie auf ihre Arbeit?

Die Pandemie hat den Signing-Prozess etwas verändert. Nichts ersetzt ein persönliches Treffen, auch wenn man über Videocalls viele Termine wahrgenommen und Deals abgeschlossen hat. Ich denke, man hätte ohne Corona in den letzten zwölf Monaten auch sicherlich mehr Themen gesignt. Man war grundsätzlich etwas vorsichtiger. Auch Listening Sessions mit Partnern konnten leider nicht persönlich stattfinden. Für uns war es on top auch bitter, dass wir die geplanten Gold League Events absagen mussten. Wir hatten vor - durch diverse Events - die Marke Gold League noch mehr aufzubauen und zu festigen. Das holen wir aber bald nach.

__Welche Prozesse mussten deshalb verändert und angepasst werden?

Im Daily-Doing hat sich nicht viel verändert, da wir vorher schon relativ digital gearbeitet haben und die Prozesse der Projektabwicklung auch in der Pandemie nahtlos fortsetzen konnten. Das hat eigentlich wunderbar geklappt.

__Ist der Genrebegriff Urban, der zumindest bei der Gründung von Gold League noch Verwendung fand, heute noch anwendbar?

Mir sind die kontroversen Diskussionen um den Begriff Urban bewusst, und wir haben uns auch intern schon intensiv mit der Frage beschäftigt. Ich würde die Frage aber aktuell trotzdem mit einem »Ja« beantworten, denn hier im deutschsprachigen Raum ist das Wort nicht negativ behaftet wie in den USA, und es trägt meiner Meinung nach, keinen abwertenden Unterton für schwarze Menschen, die Musik machen oder in der Musikbranche arbeiten. Jetzt das Wort Urban zu streichen wäre für mich ein purer Aktionismus wie die ganzen Pseudoplatzierungen von Schwarzen auf Playlistcover an einem bestimmten Dienstag oder im Februar.

__zur Person

Brook Demissie, Senior Director von Gold League: Der Diplom-Medienwirt startete seine berufliche Karriere als selbständiger Eventveranstalter und stieß nach seinem Studium Anfang 2009 zu der Catalog Division von SonyBMG. Dort war er zunächst als Digital Manager, dann als Produkt- und schließlich als Marketing Manager tätig, bis er anschließend als Head of Marketing & Digital alle Marketingkampagnen sowie die Digitalstrategie für die Catalog Abteilung der Commercial Division verantwortete. 2019 stieg er zum Label Head von Gold League auf und wurde mit der Aufgabe anvertraut das Label aufzubauen.