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Musikmarkt weltweit im Plus, Streaming bei mehr als 60 Prozent

Das weltweite Geschäft mit Recorded Music wuchs im vergangenen Jahr um mehr als sieben Prozent. Das zeigt der IFPI-Jahresbericht für 2020, den der Dachverband der am 23. März vorlegte. Im internationalen Vergleich ging es dabei in Lateinamerika, Asien und Afrika dynamischer voran als in Nordamerika und Europa.

23.03.2021 16:21 • von
Stellten die Zahlen fürs weltweite Geschäft mit Recorded Music vor (oben, von links): IFPI-Sprecher John Blewett, IFPI-CEO Frances Moore und Adam Granite (Universal Music Group) sowie (Mitte, von links) Dennis Kooker (Sony Music Entertainment), Jess Keeley-Carter (Warner Music) und Konrad von Löhneysen (Embassy of Music) sowie (unten, von links) Shridhar Subramaniam (Sony Music Entertainment), Simon Robson (Warner Music) und Sipho Dlamini (Universal Music) (Bild: Zoom-Meeting, Screenshot)

Das weltweite Geschäft mit Recorded Music wuchs im vergangenen Jahr um 7,4 Prozent auf Umsätze von rund 21,6 Milliarden Dollar. Das zeigt der IFPI-Jahresbericht für 2020, den der Dachverband am 23. März 2021 vorlegte.

Bei der Präsentation der Zahlen im Rahmen einer Onlinerunde sprach IFPI-CEO Frances Moore vom "sechsten Wachstumsjahr in Folge", und verwies auf eine auch weiterhin durchaus zuversichtlich stimmende Tendenz im weltweiten Musikmarkt. Allerdings ging es 2020, im ersten Jahr der COVID-19-Pandemie, nicht ganz so dynamisch voran wie noch ein Jahr zuvor, als das Umsatzplus laut IFPI-Angaben noch bei mehr als acht Prozent lag.

Laut dem "Global Music Report 2021" mit den Zahlen für 2020 hat sich der globale Musikmarkt inzwischen zu einem vornehmlich digitalen Geschäft entwickelt: 62,1 Prozent der Einnahmen der Musikunternehmen aus der Vermarktung von Recorded Music entfielen demnach 2020 allein aufs Streaming - im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 56,1 Prozent, und übertraf dabei erstmals die Marke von 50 Prozent. Im Abogeschäft ging es um 18,5 Prozent bergauf, die Zahl der weltweiten Musikabos kletterte bis zum Jahresende 2020 auf 443 Millionen. Rechnet man Premiumangebote und werbefinanzierte Streamingdienste zusammen, lagen die weltweiten Umsätze hier zusammen bei 13,4 Milliarden Dollar, ein Plus von 19,9 Prozent im Vergleich zu 2019.

Die Zuwächse im Streaming konnten dabei erneut die Einbußen in anderen Bereichen mehr als ausgleichen. So ging es im physischen Bereich weltweit um 4,7 Prozent bergab, aber auch die Einnahmen der Plattenfirmen aus Aufführungsrechten gingen angesichts zum Beispiel von coronabedingt ausfallenden Konzerten und Events um gut zehn Prozent zurück.

Zu Beginn der Corona-Krise hatte die IFPI die Vorlage ihrer vorherigen Jahresbilanz noch in den Mai verschoben, nun aber sagte Dennis Kooker, President Global Digital Business & US Sales im Hause Sony Music Entertainment, dass die Pandemie manche Trends sogar beschleunigt habe. So sei - neben den unzähligen Streaming-Events - Musik bei Freizeitaktivitäten wie Onlinefitness oder Games längst ein bedeutender Teil des Erlebnisses. Er rechne damit, dass die Art der virtuellen Aktivitäten für weiteres Wachstum sorgen und auch die Kreativität der Künstler selbst weiter befeuern werde. Das bestätigte Jess Keeley-Carter, Senior Vice President Global Marketing bei Warner Music, unter anderem mit Verweis auf einen Album-Launch von Ava Max mit mehr als einer Million Abrufen auf der Plattform Roblox.

Simon Robson, President International Recorded Music der Warner Music Group, verneinte allerdings die Nachfrage, ob die Musikwirtschaft bald gänzlich digital getrieben sei: "Auch in zehn Jahren werden wir noch keinen rein digitalen Markt haben", sagte er. Zwar werde es im physischen Geschäft vermutlich mehr als noch heute um Merch und Fanartikel gehen, aber vor allem das Vinyl werde auch weiterhin eine Rolle spielen.

Konrad von Löhneysen, Managing Director Embassy of Music, der von Berlin aus als Repräsentant der deutschen Musikwirtschaft zugeschaltet war, machte zudem klar, dass die Arbeit der Labels sich durch die Umwälzungen im Markt nicht grundsätzlich verändere: "Ganz unabhängig davon, ob es nun um NFTs oder Vinyl geht, so bleibt die Rolle der Plattenfirmen doch dieselbe wie bisher: Sie sind die Partner der Künstler, die ihnen helfen, zu wachsen und sie dabei unterstützen, ihre Kunst zu vollbringen."

Im internationalen Vergleich ging es 2020 in Lateinamerika, Asien und Afrika dynamischer voran als in Nordamerika und Europa: In Lateinamerika fielen Umsatzzuwächse von 15,9 Prozent an, wobei Streaming um mehr als 30 Prozent wuchs und nun gut 84 Prozent zu den Umsätzen in der Region beitrug. In Asien ging es derweil um 9,5 Prozent voran. Rechnet man hier mit Japan den weltweit weiterhin zweitgrößten Musikmarkt heraus, wo 2020 ein Umsatzminus von gut zwei Prozent anfiel, hätten die übrigen Länder der Region um kumuliert fast 30 Prozent zulegen können. Auch die im "Global Music Report" so erstmals zusammen veranschlagte Region Africa & Middle East legte um 8,4 Prozent zu. In Europa hingegen lag das kumulierte Umsatzplus bei 3,5 Prozent, für die USA und Kanada weist die IFPI Zuwächse von zusammen 7,4 Prozent aus.

Text: Knut Schlinger