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BVMI-Vorstände ziehen Bilanz und zeigen Wege für 2021 auf

Der Corona-Krise zum Trotz haben die deutschen Musikunternehmen im Jahr 2020 im Geschäft mit Recorded Music ein deutliches Umsatzplus erzielen können. MusikWoche wollte dazu von den Vorständen des Bundesverbands Musikindustrie wissen, wie sie das Ergebnis beurteilen, und was passieren muss, damit sich der Trend 2021 weiter fortschreiben lässt?

04.03.2021 12:16 • von
Positiver Trend: die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre im deutschen Musikmarkt zeigt vor allem dank Zuwächsen im Streaming aufwärts (Bild: Bundesverband Musikindustrie, GfK Entertainment)

Der Corona-Krise zum Trotz haben die deutschen Musikunternehmen im Jahr 2020 im Geschäft mit Recorded Music ein deutliches Umsatzplus erzielen können, wie die am 4. März 2021 vom Bundesverband Musikindustrie vorgelegte Jahresbilanz zeigt. MusikWoche wollte dazu von den BVMI-Vorständen wissen, wie sie das Ergebnis beurteilen, und was passieren muss, damit sich der Trend 2021 weiter fortschreiben lässt?

_____"Unser Markt kann nur weiter prosperieren, wenn Musiknutzung lizenziert und bezahlt wird, ohne Ausnahmen oder Bagatellklauseln." FRANK BRIEGMANN, UNIVERSAL MUSIC

MusikWoche: Wie beurteilen Sie die Entwicklung im deutschen Musikmarkt im Jahr 2020, gerade auch vor dem Hintergrund der Corona-Krise?

Frank Briegmann, Chairman & CEO Universal Music Central Europe und Deutsche Grammophon: Mit neun Prozent Wachstum gehört der Musikmarkt zu den Erfolgsbranchen 2020 und darüber freue ich mich natürlich. Andererseits war das letzte Jahr ein schwieriges Jahr für viel Kreative und Kulturschaffende und das kann ich schwer ausblenden. Sie haben unsere Solidarität und Unterstützung ihrer Forderung nach Perspektiven. Wir als Universal Music sind froh, dass wir durch unsere Arbeit und Investments in Künstlerinnen und Künstler auch in einer Zeit wie dieser für Stabilität sorgen können.

MusikWoche: Was muss Ihrer Ansicht nach passieren, damit sich der Trend im Geschäft mit Recorded Music 2021 weiter fortschreiben lässt?

Frank Briegmann: In erster Linie wollen wir gemeinsam mit unseren Künstlerinnen und Künstlern sicherstellen, dass der Content-Flow nicht abreißt. Während der Lockdowns sind in unserem Umfeld viele spannende Projekte entstanden - seien es neue Songs, Alben oder auch vollkommen neue Corona-initiierte Formate, von denen einige sicherlich auch nach der Pandemie Bestand haben werden. Wir wollen die Künstler-Fan-Beziehungen besonders in den digitalen Kommunikationswegen weiter intensivieren, mit den Plattformen weiter an maximaler bezahlter Nutzung der Musik arbeiten und bei alldem nicht unsere physischen Produkte vergessen. Ich bin sehr optimistisch, dass uns das gelingen wird. Allerdings treibt uns noch ein anderes Thema um, das für den zukünftigen Erfolg der Musikbranche womöglich noch entscheidender sein wird als das baldige Ende der Corona-Pandemie: Die Rahmenbedingungen des Urheberrechtes müssen sich der rasant entwickelnden digitalen Landschaft anpassen - unser Markt kann nur weiter prosperieren, wenn Musiknutzung lizenziert und bezahlt wird, ohne Ausnahmen oder Bagatellklauseln.

_____"Gerade vor dem Hintergrund der Pandemie und den Einnahmeausfällen der gesamten Kultur- und Kreativbranche ist die wortlautgetreue Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie in deutsches Recht umso wichtiger." BERND DOPP, WARNER MUSIC.

MusikWoche: Wie beurteilen Sie die Entwicklung im deutschen Musikmarkt im Jahr 2020, gerade auch vor dem Hintergrund der Corona-Krise?

Bernd Dopp, Chairman & CEO Warner Music Central Europe: COVID-19 hat die ohnehin schon weit fortgeschrittene Digitalisierung im Musikmarkt noch einmal beschleunigt, wobei der durch Corona bedingte Umsatzrückgang des stationären Handels insbesondere durch den eCommerce besser als erwartet abgefedert werden konnte. Die durch die Krise leider ausgelösten drastischen Einbußen im Live-Entertainment-Sektor - mit direkten Auswirkungen auch auf unsere Künstler*innen und ihr kreatives Umfeld - können durch das Plus im Recorded-Music-Markt aber bei weitem nicht ausgeglichen werden. Gerade vor dem Hintergrund der Pandemie und den Einnahmeausfällen der gesamten Kultur- und Kreativbranche ist daher die wortlautgetreue Umsetzung der EU Urheberrechtsrichtlinie in deutsches Recht umso wichtiger.

MusikWoche: Was muss Ihrer Ansicht nach passieren, damit sich der Trend im Geschäft mit Recorded Music 2021 weiter fortschreiben lässt?

Bernd Dopp: Vor allem im von Dynamik geprägten digitalen Umfeld wird es weiter darauf ankommen, die direkte Fanbindung zu intensivieren. Wir setzen neben den bekannten Formaten und Plattformen deshalb auch immer auf innovative digitale Kampagnen sowie auf Marken- und Influencer-Kooperationen, die unseren Künstler*innen und Partner*innen neben Aufmerksamkeit und Reichweite auch neue Geschäftsmodelle sichern. Die Musikbranche ist und bleibt ein kreativer Zusammenschluss vieler Akteure, die geprägt ist von immer neuen Technologien, Services und Plattformen. Wir verstehen uns in dieser Dynamik als Early Adopter und Treiber von Innovationen.

_____"Der Zenit im Streaming ist noch lange nicht erreicht." PATRICK MUSHATSI-KAREBA, SONY MUSIC.

MusikWoche: Wie beurteilen Sie die Entwicklung im deutschen Musikmarkt im Jahr 2020, gerade auch vor dem Hintergrund der Corona-Krise?

Patrick Mushatsi-Kareba, CEO Sony Music GSA: Wir freuen uns sehr über die weiterhin positiven Entwicklungen im deutschen Musikmarkt. Wir konnten zusammen mit unseren Künstler*innen die Zeit sehr gut nutzen, um gemeinsam neue Konzeptideen und Formate zu entwickeln. Gleichzeitig entdecken Künstler*innen mehr und mehr die Chancen der digitalen Vermarktung und wir werden sie auch weiter auf diesen Weg unterstützen um ihnen die bestmöglichen Leistungen zu bieten.

MusikWoche: Was muss Ihrer Ansicht nach passieren, damit sich der Trend im Geschäft mit Recorded Music 2021 weiter fortschreiben lässt?

Patrick Mushatsi-Kareba: Der Zenit im Streaming ist dennoch noch lange nicht erreicht. Wir werden uns weiter für unsere Künstler*innen für weiteres Wachstum in der Musikwirtschaft engagieren. Dazu gehört auch die korrekte nationale Umsetzung der europäischen Copyright-Direktive.

_____"Eine ordentliche Portion Demut ist hier angebracht." KONRAD VON LÖHNEYSEN, EMBASSY OF MUSIC.

MusikWoche: Wie beurteilen Sie die Entwicklung im deutschen Musikmarkt im Jahr 2020, gerade auch vor dem Hintergrund der Corona-Krise?

Konrad von Löhneysen, Geschäftsführer Embassy of Music: Eine ordentliche Portion Demut ist hier angebracht. Natürlich ist die Entwicklung trotz Corona und einem großen Einbruch im physischen Geschäft sehr erfreulich, aber wir wissen, wie auf der anderen Seite die Situation im Livegeschäft ist und was das auch mit den Gefühlen der Künstler macht.

MusikWoche: Was muss Ihrer Ansicht nach passieren, damit sich der Trend im Geschäft mit Recorded Music 2021 weiter fortschreiben lässt?

Konrad von Löhneysen: Ich denke, dass das Wachstum im digitalen Marktsegment auch die nächsten drei bis fünf Jahre in Deutschland sehr dynamisch bleiben wird. Das sieht man ja in Märkten wie USA und UK, die schon etwas vor uns den Switch von physisch zu digital erlebt haben und trotzdem im Gesamtmarkt weiter wachsen.

Die Herausforderungen bleiben aber mannigfaltig, dazu gehörten:

Nach Durchsetzung der europäischen Richtlinie die Einnahmen aus Videostreaming auf ein höheres Niveau zu heben.

Künstler und Konsumenten dürfen nicht das Vertrauen in das aktuell florierende digitale Geschäftsfeld durch "Unruhe von drinnen und draußen" verlieren.

Darf man auch mal über eine Erhöhung des monatlichen Abopreises wie in Norwegen nachdenken, oder ist das ein Tabu?

Wenn ich mein eigenes Geld aus Versehen beim falschen Bankautomat oder am Flughafen ziehe, kostet das fünf Euro, aber für zehn Euro bekomme ich den kompletten Musik Katalog der Welt!

Weitere inhaltliche, redaktionelle Plattformen mit Empfehlungskompetenz im deutschen Markt zu schaffen, die die Lücke des Musikfernsehens und des Musikjournalismus schließen.