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US-Musikmarkt trotzt Corona das fünfte Wachstumsjahr in Folge ab

Die USA haben nicht allein aufgrund der Corona-Pandemie ein wahrlich bewegtes Jahr hinter sich. Umso eindrucksvoller, dass die Umsätze der Musikunternehmen im Geschäft mit Recorded Music 2020 erneut deutlich zulegen konnten - das Plus erreichte fast den prozentual zweistelligen Bereich.

01.03.2021 11:18 • von
Nur noch neun Prozent: das physische Geschäft entwickelte sich, trotz Zuwächsen beim Vinyl, 2020 im US-Markt weiter zum Nischensegment (Bild: RIAA-Präsentation, Screenshot)

Die USA haben nicht allein aufgrund der Corona-Pandemie ein wahrlich bewegtes Jahr hinter sich. Es war beileibe "kein gewöhnliches Jahr", wie auch Chairman & CEO Mitch Glazier in einem Beitrag auf den "Medium"-Seiten der RIAA zusammenfasst. Umso eindrucksvoller, dass die Umsätze der Musikunternehmen im Geschäft mit Recorded Music 2020 erneut deutlich zulegen konnten, wie die Jahresbilanz der RIAA belegt. Zwar hatte der Branchenverband die Vorlage seiner Zahlen auf den Freitagnachmittag gelegt, wo findige Kommunikationsexperten meist eher schlechte Botschaften zu verstecken versuchen - aber das Plus erreichte doch fast den prozentual zweistelligen Bereich.

So wuchsen denn die Einnahmen der Plattenfirmen aus der Vermarktung von Recorded Music im Jahr 2020 in den USA nach hochgerechnten Konsumentenpreisen um 9,2 Prozent auf 12,2 Milliarden Dollar.

Nach Großhandelspreisen bedeuteten Umsätze in Höhe von acht Milliarden Dollar derweil ein Plus von 8,9 Prozent. Für den US-Markt bedeutet das in jedem Fall das fünfte Wachstumsjahr in Folge.

Und die schlechte Botschaft? In den vier vorherigen Jahren lagen die Zuwachsraten im prozentual zweistelligen Bereich, 2018 bei zwölf und zuletzt 2019 sogar bei 13 Prozent. Aber zum Halbjahr 2020 hatte die Tendenz bei einem Umsatzplus von gut fünf Prozent noch weniger freundlich ausgesehen.

Wachstumstreiber blieben auch 2020 kostenpflichtige Musikabos: Die Abonnenten der Streamingdienste wuchsen um 15 Millionen auf nunmehr 75,5 Millionen und erreichten damit eine neue Rekordmarke. Dabei zählte die RIAA Familienabos als einen Kunden und rechnete eingeschränkte Preismodelle nicht mit ein.

2020 entfielen auf vollwertige Subskriptionsangebote Umsätze von sieben Milliarden Dollar und ein Plus von 14,6 Prozent, während eingeschränkte Modelle - hier rechnet die RIAA zum Beispiel Amazon Prime, Pandora Plus oder die anfallenden Lizenzgebühren aus Fitness-Abos mit ein - um 13,4 Prozent auf Einnahmen von 724 Millionen Dollar zulegten. Zusammen sorgten die kostenpflichtigen Streamingdienste für 64 Prozent der Gesamteinnahmen im US-Musikmarkt.

Nimmt man noch werbefinanzierte Angebote aus dem Audio-und Videobereich mit hinzu, entfielen gar 83 Prozent am gesamten Umsatzkuchen aufs Streaming.

Allerdings ging es angesichts der zeitweisen Einbrüche im Werbegeschäft in diesem Bereich 2020 längst nicht so dynamisch voran wie in den Vorjahren: So sorgten Dienste wie YouTube oder Spotify Free bei Zuwächsen in Höhe von 16,8 Prozent zwar immerhin für Einnahmen von 1,2 Milliarden Dollar, doch der durchschnittliche Zuwachs der drei Jahre zuvor lag in diesem Bereich laut RIAA bei fast 30 Prozent.

Bei den Downloads ging es 2020 derweil weiter bergab, Umsätze von 674 Millionen Dollar bedeuteten ein Minus von 18 Prozent. Dazu trugen Alben bei 320 Millionen Dollar ein Umsatzminus von 13 Prozent bei, auf Singles entfielen noch 313 Millionen Dollar, 23 Prozent weniger als im Vorjahr. Downloads sorgten damit gerade einmal noch für sechs Prozent der Einnahmen der Plattenfirmen.

Im physischen Geschäft lagen die Einnahmen mit 1,1 Milliarden Dollar fast auf Vorjahresniveau. Dabei überholten die Vinyl-Umsätze erstmals seit 1986 die CD-Einnahmen. Bei den LPs ging es 2020 um 28,7 Prozent bergauf auf 626 Millionen Dollar, was zugleich einem Umsatzanteil von 5,2 Prozent entsprach. Die CD setzte hingegen ihren Abschwung fort und brach um 23 Prozent auf nur noch 483 Millionen Dollar ein.

Text: Knut Schlinger