Unternehmen

Midia-Analyst sieht Podcasts und Hörbücher als Krisengewinner

In Sachen Nutzungszeit im Lockdown liegen Filme und Serien vorn, und Games machten den größten Sprung. Das zeigt eine aktuelle Studie von Midia Research. Doch auch Audioinhalte wie Podcasts und Hörbücher legten prozentual zweistellig zu, während Musik nur einstellig wuchs.

24.02.2021 12:01 • von
Video vorn, Audioinhalte dahinter, Musik ebenso: die Entwicklung der Mediennutzung im ersten Corona-Jahr laut Media Consumption: Lockdown's Attention Boom (Bild: midiaresearch.com, Scresnshot)

In Sachen Nutzungszeit im Lockdown liegen Filme und Serien vorn, und Games machten den größten Sprung. Das zeigt eine aktuelle Studie von Midia Research, die den Medienkosum von Nutzern in den USA, Großbritannien, Kanada und Australien im vierten Quartal 2020 mit den Werten aus dem zweiten Quartal verglich. Doch auch Audioinhalte wie Podcasts und Hörbücher legten prozentual zweistellig zu, während Musik immerhin ein prozentual einstelliges Plus verbuchte.

Laut den Erhebungen in "Media Consumption: Lockdown's Attention Boom" schnellte die mit dem Medienkonsum verbrachte Zeit im Jahr 2020 insgesamt um zwölf Prozent nach oben. Die Hördauer von Audioinhalten - gemeint sind hier Podcasts und Hörbücher, nicht aber Musik - kletterte um 24 Prozent, wobei laut Analyst Mark Mulligan die von Nutzern mit Podcasts verbrachte Zeit um 35 Prozent wuchs, und die mit Audiobooks sogar um 50 Prozent. Beide Formate würden damit nunmehr in der Nutzergunst beinahe gleichauf liegen, heißt es aus London. Kein Wunder, folgert der Branchenbeobachter, dass die Betreiber von Streamingdiensten wie Spotify, Amazon oder Apple Music ihren Fokus so sehr auf Podcasts und andere gesprochene Inhalte richten würden, wie gerade erst das "Stream On"-Event von Spotify zeigte.

Schließlich sei zwar auch die durchschnittlich mit Musikstreaming verbrachte Zeit um rund fünf Prozent gewachsen, da aber andere Formate deutlicher zulegen konnten, blieb der Musikanteil am gesamten Zeitbudget der Nutzer auf Vorjahresniveau.

Da die Corona-Krise sich auch auf Nutzungsgewohnheiten auswirke - etwa in Hinblick auf die sonst auf dem Weg zur Arbeit oder mit Training verbrachte Zeit - sieht Mulligan die Musik deshalb in einem härter werdenden Wettbewerb mit Audiobooks und Podcasts: Musikunternehmen müssen denn auch laut Mulligan erkennen, "dass sie jetzt im Audiogeschäft tätig" seien und dabei überwiegend auf derselben Linie wie andere Hörinhalte um die Gunst der Nutzer konkurrieren würden, wie der Analyst auf den Blogseiten von Midia Research schreibt.

Text: Knut Schlinger