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Veranstalter nehmen Stellung zu neuem Wiederöffnungskonzept

Die dem Forum Veranstaltungswirtschaft angeschlossenen Liveverbände begrüßen das am 22. Februar von zahlreichen Experten vorgelegte Konzept zur "schrittweisen Rückkehr von Zuschauern und Gästen", monieren allerdings, dass an entscheidenden Stellen "Anpassungsbedarf" bestehe.

23.02.2021 16:18 • von Dietmar Schwenger
Signalisiert Gesprächsbereitschaft: das Forum Veranstaltungswirtschaft (Bild: Forum Veranstaltungswirtschaft)

Die dem Forum Veranstaltungswirtschaft angeschlossenen Liveverbände begrüßen das am 22. Februar 2021 von zahlreichen Experten vorgelegte Konzept zur "schrittweisen Rückkehr von Zuschauern und Gästen". Der Leitfaden sei ein fundierter Diskussionsbeitrag für die dringend notwendige politische Konzeption zur Öffnung des kulturellen und sportlichen Lebens in Deutschland, heißt es aus Hamburg.

Der Ansatz des von 20 Wissenschaftlern und Experten verschiedener Fachrichtungen sowie 40 Kultur- und Sportinstitutionen vorgebrachten Konzepts sei zielführend und stimme mit dem bereits am 9. Februar vorgelegten "Manifest Restart" des Forums Veranstaltungswirtschaft "weitgehend überein". Deswegen werde eine Kooperation der beteiligten Akteure befürwortet.

"An entscheidenden Stellen besteht allerdings Anpassungsbedarf", kritisieren die Liveverbände. "Aus Sicht des Forums Veranstaltungswirtschaft ist das Konzept so noch nicht geeignet, einen 'Restart' des Veranstaltungsbetriebs tatsächlich zu ermöglichen. Die Spezialisten rund um die Autoren Dr. Florian Kainzinger und Dr. med. Georg-Christian Zinn stellen in ihrem Leitfaden einen modularen Ansatz auf drei Ebenen vor: Enthalten ist ein Grundkonzept, das Spielstätten aller Größenordnungen unter Einhaltung von Basisanforderungen wie Abstand, Hygieneregeln oder personalisiertes Ticketing den Betrieb mit 25 bis 30 Prozent, im Freien mit bis zu 40 Prozent der Kapazität ermöglichen soll."

Diese möglichen Kapazitäten blieben jedoch hinter den Ergebnissen der von den Verfassern dazu zitierten Studien aus Leipzig und Dortmund zurück, monieren die Veranstalter. "In der Dortmunder Aerosol-Studie wurde unter anderem eine Kapazität von 100 Prozent unter der Bedingung für unbedenklich gehalten, dass die Zuschauer im Saal Masken tragen."

Das Forum Veranstaltungswirtschaft nennt in seiner Mitteilung auch noch weitere Kritikpunkte: "Spielstätten, die größere Teile ihrer Kapazität nutzen wollen, sollen gemäß des Vorschlags über ein unter 'fachärztlicher Anleitung erstelltes individuelles Hygienekonzept' verfügen, in dem die besonderen Gegebenheiten der jeweiligen Veranstaltungsstätte, in geschlossenen Räumen insbesondere die Kapazität der Lüftungsanlage, Berücksichtigung finden. Diese Voraussetzung ist bereits praktisch nicht umsetzbar."

Es gebe in Deutschland nicht annähernd genügend geeignete Fachärzte, um für hunderte von Spielstätten aller Größenordnungen entsprechende Konzepte zu erstellen. "Für eine derartige Selbstrestriktion der Veranstaltungswirtschaft besteht auch keine Veranlassung, denn Spielstätten verfügen bereits ganz überwiegend über spezifische Infektionsschutz- und Hygienekonzepte. Sie wurden von sach- und fachkundigen Veranstaltungsfachplanern erstellt, kamen im vergangenen Jahr bereits zur Umsetzung und sind seitdem wiederholt angepasst und verfeinert worden."

Zudem kritisiert die Forumsmitteilung das in der Studie vorgeschlagene "Maximalmodell", das unter Durchführung einer Teststrategie, aber unter Beibehaltung der kapazitätsbegrenzenden Basismaßnahmen bis zu einer theoretischen Vollauslastung der Spielstätte führen könne. "Auch diese Einschränkung geht über das Gebotene weit hinaus: Aus Sicht des Forums Veranstaltungswirtschaft kann die Durchführung geeigneter Tests auch ohne weitere Maßnahmen eine Auslastung von 100 Prozent ermöglichen, wenn dadurch sichergestellt wird, dass ausschließlich negativ getestete, nichtinfektiöse Besucher Einlass in die jeweilige Spielstätte erhalten."

Zur Erörterung dieses Nachbesserungsbedarfs hat das Forum Veranstaltungswirtschaft dem Team um Kainzinger ein Gesprächsangebot unterbreitet. "Die Verbände wünschen sich, dass im Ergebnis das Zusammenwirken beider Papiere auf den politischen Entscheidungsprozess ermöglicht wird", heißt es abschließend in der Mitteilung des Forums.