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Reeperbahn Festival nahm DIY-Strategien unter die Lupe

Die dritte Ausgabe der Reeperbahn Festival Focus Session unter dem Motto "Music Marketing: The Age of DIY" stand am 16. Februar ganz im Zeichen der Selbstvermarktung für unabhängige Künstler.

17.02.2021 14:08 • von Jonas Kiß
Musikmarketing-Experten unter sich: Moderator Joe Sparrow (obn) mit (von links) Andreas Jantschen) mit (von links) Andreas Jantsch, Marie-Luise Heimer und Alice McLean (Bild: Screenshot, conference.reeperbahnfestival.com)

Die dritte Ausgabe der Reeperbahn Festival Focus Session unter dem Motto "Music Marketing: The Age of DIY" stand am 16. Februar 2021 ganz im Zeichen der Selbstvermarktung für unabhängige Künstler. In sieben Vorträgen stellten Experten ihre Plattformen und Unternehmen mit dem Fokus auf Musikmarketing vor. Aufgelockert wurde das Programm von zwei Panels, in denen die Speaker dann mit Moderator Joe Sparrow (Music Ally) diskutierten.

Zuerst präsentierte Marie-Luise Heimer (Managing Director Ease Agency) eine Fallstudie für "Markenidentität als Dreh- und Angelpunkt von Content Marketing". Dazu erläuterte sie die Kampagne für "Alles in Allem", dem aktuellen Album der Einstürzenden Neubauten. Mit der Ease Agency hatte sie auf den sozialen Kanälen wie Instagram verschiedene kleine Aktionen unter dem Motto "Zweckentfremdung" gestartet, um das Album zu bewerben. Die kreativen und kostengünstigen Ideen könne man laut Heimer auch als unabhängiger Künstler einfach übernehmen. So spielte man bei den Instagram Stories etwa 24 Stunden lang White-Noise-Rauschen ab oder lud Fotos im falschen Format hoch, so dass die Nutzer ihr Smartphone um 90 Grad drehen mussten.

Beim zweiten Vortrag stellte Andreas Jantsch vom Wiener Label Las Vegas Records die bald startende Fanklub-Plattform vor, eine Art Patreon für Musiker. Mit Fanklub können Bands und Künstler eigene Fanclubs gründen. Die Fans bekommen dann Zugang zu exklusiven Inhalten wie Livestreams und Gewinnspielen. Die Bands sollen bei der Plattform 90 Prozent der Abonnement-Einnahmen erhalten. Moderator Joe Sparrow verwies auf die analogen Vorläufer im letzten Jahrhundert. So hatten bereits Acts wie Elvis Presley oder die Beatles ihre eigenen Fanclubs, deren Mitglieder dann etwa exklusive Singles an Weihnachten und andere Extras erhielten.

Einen Einblick in das 2020 gestartete Kurzvideo-Format Reels bei Instagram gab Mathilde Burnecki (Strategic Partner Manager at Instagram, Facebook Germany). Laut Burnecki können Musiker die sogenannten Reels gut als Marketing-Werkzeug nutzen, indem die Nutzer etwa auf die verlinkten Songs aus der Instagram-Bibliothek klicken oder durch Merchandise-Verkauf in Echtzeit und Teaser für Musikvideos.

Ebenso service-orientiert für unabhängige Künstler ist der Online-Musikdienst Bandcamp. Hier führte Aly Gillani, EU Label & Artist Representative Bandcamp, mit einer Online-Präsentation durch die Neuerungen des Dienstes im vergangenen Jahr.

So führte Bandcamp 2020 einen "Vinyl Pressing Service" ein, um die Produktion der Vinyl-Version eines Albums vom Cover-Design bis zur Vinyl-Pressung zu übernehmen, wenn die Band per Crowdfunding genügend Unterstützer dafür findet.

Mit den "Ticketed Live Streams" führte Bandcamp im Dezember 2020 zudem die Möglichkeit ein, direkt von der Bandcamp-Seite eines Künstlers Konzerte zu streamen. Hier fanden laut Aly Gillani bis jetzt bereits 100 Shows mit 10.000 verkauften Tickets statt. 100.000 Dollar seien durch die Ticketverkäufe zusammengekommen. 10 Dollar sei laut Gillani also der optimale Ticket-Preis für ein Livestream-Konzert bei Bandcamp.

Noch futuristischer wurde es schließlich bei Yabal, einer Online-Musikfestivalwelt, die virtuelle Live-Konzerterlebnisse ermöglicht. Laut Dominik Faber (Günder und CEO Yabal/Granola Studios) sei damit kein Touring mehr nötig, um Millionen von Fans zu erreichen, zudem würden sich neue Wege der Monetarisierung eröffnen. Da es derzeit aber nur für Superstars, wie zum Beispiel Travis Scott beim Fortnite-Auftritt, lukrativ sei, habe er die Mixed-Reality-Plattform Yabal konzipiert. Hier können Fans mit einem eigenen Avatar durch die virtuelle Konzertlandschaft laufen, fliegen oder tanzen und interaktiv mit den Künstlern in Verbindung treten.