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Musikindustrie zieht gegen Likeservice24 vor Gericht

Der BVMI geht erneut mit rechtlichen Schritten gegen Streaming-Betrügereien vor. Diesmal untersagte das Landgericht Frankfurt dem Anbieter von Likeservice24 den Verkauf von Plays auf Plattformen wie Spotify, YouTube, Soundcloud und Deezer.

26.01.2021 16:07 • von
Plays und Follower im Angebot: am 26. Januar offerierte Likeservice24 unter anderem noch Spotify-"Dienstleistungen" (Bild: likeservice24.de, Screenshot)

Die Branchenverbände der Musikwirtschaft gehen erneut mit rechtlichen Schritten gegen Betrügereien und Manipulationen im Streaming vor. Diesmal untersagte das Landgericht Frankfurt dem Anbieter von Likeservice24 den Verkauf von Plays auf Plattformen wie Spotify, YouTube, Soundcloud und Deezer. Das gaben der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) und der Londoner IFPI-Dachverband am 26. Januar 2021 bekannt.

Demnach habe das LG Frankfurt dem Anbieter in einem Eilverfahren untersagt, "die Erzeugung zusätzlicher Plays, Views, Likes und Abonnenten für Musik auf kommerziellen Online-Media-Plattformen als Dienstleistung anzubieten". Der Anbieter sei "wegen Irreführung zur Unterlassung verurteilt". Das Urteil betreffe zunächst den Verkauf von Plays, darüber hinaus aber habe das LG Frankfurt auch das Angebot von gekauften Abonnenten, Rezensionen und Likes als wettbewerbswidrig untersagt.

"Dies ist eine weitere positive Entscheidung in einer Reihe von deutschen Gerichten, die den laufenden Kampf der Tonträgerindustrie gegen Streaming-Manipulationen weltweit unterstützt", kommentiert IFPI-CEO Frances Moore den Vorstoß. Die IFPI werde sich mit ihren Partnern in der Branche weiter dafür einsetzen, "diese schädliche Praxis zu bekämpfen, die nicht nur Künstler, Songwriter und andere Rechteinhaber ihrer rechtmäßigen Vergütung beraubt, sondern auch Musikfans in die Irre führt".

Auch Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des BVMI, greift in seinem Statement zur Entscheidung die Sache mit den Partnern auf:"Wir wissen zwar nicht, welche konkreten Schritte die Streamingdienste selbst zur Verhinderung solcher Aktivitäten auf ihren Plattformen unternehmen, ergreifen unsererseits in jedem Fall aber rechtliche Schritte, um sicherzustellen, dass der Streamingmarkt ordnungsgemäß funktioniert", formuliert Drücke. "Denn Manipulationen schaden den Künstler:innen und ihren Partnern, sie gefährden die Genauigkeit der Tantiemenzahlungen ebenso wie die Glaubwürdigkeit eines wichtigen Branchenbarometers, der Charts. Im Namen der Musikschaffenden wie der Fans werden wir das nicht hinnehmen."

Bereits im Sommer 2019 hatte sich eine globale Allianz aus Labels, Verlegern, Streamingdiensten und Verbänden zusammengefunden und veröffentlichte einen umfassenden "Code Of Best Practice", der Manipulation von Streams aufspüren und verhindern soll. Spätestens mit dem "Rap Hack" rückte das Thema der Fake Streams in den Fokus von Branche und Öffentlichkeit. Zuletzt hatten BVMI und IFPI im März und im August 2020 einstweilige Verfügungen gegen Betreiber erwirkt, die entsprechende "Dienstleistungen" im Angebot führten.