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Auf dem Weg zum Neustart - was erwartet die Musikbranche von 2021

2020 hinterließ Spuren, wie der Rückblick von MusikWoche zeigte. Auch das neue Jahr bringt viele Unwägbarkeiten mit sich. MusikWoche fragte deshalb ausgewählte Akteure der Musikwirtschaft, was sie aus Sicht der Branche für 2021 erwarten?

22.01.2021 11:15 • von
Frische Pneus statt Luft raus: wohin geht es im neuen Jahr (Bild: Foto Imago Images, Hochzwei, Layout MusikWoche)

2020 hinterließ Spuren, wie kürzlich schon der Rückblick von MusikWoche zeigte. Auch das neue Jahr bringt viele Unwägbarkeiten mit sich. MusikWoche fragte deshalb ausgewählte Akteure der Musikwirtschaft, was sie aus Sicht der Branche für 2021 erwarten?

Axel Ballreich & Karsten Schölermann, Geschäftsführende Vorstände der LiveMusikKommission (Livekomm): Wir hoffen, dass zumindest im zweiten Halbjahr 2021 eine Annäherung an das wieder möglich ist, was den Reiz von Clubbing ausmacht: Nähe, Emotion und Musikgenuss ohne störende Bestuhlung. Schnelltests und ein stetig fortschreitender Impfstatus werden hoffentlich bald für eine Wiederkehr von Feiern und Konzerten sorgen. Wir wollen weiterhin unseren Teil dazu beitragen, dass die Wahrnehmung unserer »lauten Kultur« als soziales Geräusch verstanden wird und nicht an die Hüter eines bedingungslosen Schallschutzes verloren geht. Covid-19 zeigt uns gerade eindrücklich, was fehlt, wenn die Musik ausgeht im öffentlichen Raum. When the music's over, turn out the light ... Nichtsdestotrotz wissen wir, dass das Hochfahren unserer Clubkultur nicht ohne sicher teilweise auch schmerzvolle Einschnitte vonstattengehen wird: Neue, auch hybride Veranstaltungsmodelle werden uns helfen, den Weg zwischen »klassischer« Clubkultur und neuen Herausforderungen zu finden.

Michael Bisping, a.s.s. concert & promotion: Wir erwarten ein nach wie vor stark eingeschränktes Jahr, mit Glück ab dem Frühjahr wieder bestuhlte, kapazitätsreduzierte Veranstaltungen unter Hygienebedingungen. Im Sommer Open Airs unter Corona-Bedingungen und im Herbst - hoffentlich - weitere Lockerungen. Inwieweit oder ab wann die Impfungen und die verschiedenen möglichen Schnelltests für uns alle echte Erleichterungen bringen werden, vermag ich mir noch nicht vorzustellen. Aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt!

Birgit Böcher, Geschäftsführerin Deutscher Musikverleger-Verband (DMV): 2021 wird es für Autorinnen und Autoren sowie die Musikverlage dramatisch. Die zeitversetzten Ausschüttungen der GEMA werden um ein Vielfaches einbrechen - denn wo nichts aufgeführt, keine Musik in Restaurants, Clubs und Diskotheken abgespielt wird und deutlich weniger TV-Sendungen und Kinofilme entstehen, kann auch keine GEMA-Gebühr eingezogen werden. Das werden wir im neuen und auch im darauffolgenden Jahr deutlich spüren. Und die Angst wird natürlich größer, dass es dann keine Hilfsprogramme mit ähnlichem Volumen wie im vergangenen Jahr mehr geben wird. Dazu kommt noch die Ungewissheit, wie es mit dem Livesektor weitergeht, wann es dort wieder losgehen kann. Die Frage über allem bleibt: Wird eine breite Impfung rechtzeitig erfolgreich sein, damit nicht zu viele der zahlreichen Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Soloselbstständigen der Branche auf der Strecke bleiben? Es wird ein hartes Jahr, aber auch das werden wir gemeinsam überstehen!

Jörg Böhm, Geschäftsführer Plattenmann: Ich erwarte einen ähnlich wechselhaften Geschäftsverlauf wie 2020. Wenn die Discotheken wieder öffnen, werden wir uns wohl Doppelschichten einrichten können.

Frank Briegmann, CEO & President Universal Music Central Europe und Deutsche Grammophon: Die digitalen Formate und darin vor allem das Streaming werden weiter dynamisch wachsen, und ich erwarte erneut ein Gesamtmarktwachstum. Dauer und Folgen des zweiten Lockdowns sind dagegen ungewiss, das Livegeschäft wird leider so bald noch nicht wieder zur alten Stärke zurückfinden. Für unsere Künstlerinnen und Künstler folgt deshalb wohl ein zweites Jahr voller Herausforderungen. Ich befürchte, dass die wirtschaftliche Not bei Kreativen, Soloselbständigen und kleinen Unternehmen zunächst noch weiter wachsen wird. Wir brauchen daher umso mehr Stabilität im Label- und Verlagsgeschäft. Besonderes Augenmerk müssen wir deshalb auch auf das Gesetzgebungsverfahren zur Novellierung des Urheberrechts legen. Der vorliegende deutsche Entwurf widerspricht sowohl dem Geist als auch dem Wortlaut der EU-Richtlinie und wäre in der aktuellen Fassung für alle Kreativen und Rechteinhaber ein Schlag ins Gesicht. Dem Digitalstandort Deutschland würde er auf unabsehbare Zeit schaden. Wir dürfen an dieser Stelle nicht nachlassen.

Michael Brill, Geschäftsführer D. Live: Es ist ein hartes Q1 ohne Events zu erwarten. Meine Prognose ist, dass es ein leichtes Durchatmen mit kleinen Outdoor-Formaten unter Anwendung wirkungsvoller Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen in Q2 und Q3 geben wird und dann ein erstes leichtes Durchstarten ab Q4 mit 70 Prozent der Normallast für eine weitestgehend durchimpfte Gesellschaft - jedoch weitestgehend mit nationalen Inhalten. 2022 werden wir dann wieder unter teilweise veränderten Marktbedingungen voll durchstarten und das »most busiest year ever« erleben.

Heinz Bross, Geschäftsführer Rimpo Tübingen: Erwarten wollen wir gar nichts. Wir hoffen natürlich auf sich normalisierende Zustände und ein Ende der Pandemie und fühlen uns gewappnet und engagiert für die vielen Fragen und Wünsche unserer Kundschaft. Hoffentlich dann auch wieder mit Konzertverkäufen. Es gilt also noch immer: The future looks bright, you gotta wear shades.

Benjamin Budde, CEO Budde Music: Auch wenn aktuell die Zahlen und der erneute Lockdown schon wieder ein düsteres Licht auf uns werfen, hoffe ich doch inständig, dass im Laufe des neuen Jahres wieder Konzerte und Live-Shows möglich sind. Sicherlich nicht wie vor Covid 19, aber es wurden ja bereits im vergangenen Jahr Hygienekonzepte erarbeitet, die für den Sommer ein gewisses kulturelles Leben möglich machten. Durch die kommenden Impfungen und alternativen Wege wünsche ich besonders der Livemusik-Industrie ein schnelles wirtschaftliches Erholen.

Dominique Casimir, Executive Vice President Repertoire & Marketing Continental Europe BMG: Musik ist ein Wachstumsmarkt: Getrieben vom Streaming-Boom befindet sich die Branche in einer der aggressivsten M&A-Phasen seit 20 Jahren. Die bekannten Strukturen werden sich mit hoher Geschwindigkeit und nachhaltig verändern. Wir begrüßen den Wandel und starten optimistisch ins neue Jahr. Zusammen mit unseren Künstler*innen und ihren Managements freuen wir uns auf kreative Kampagnen und viel wunderbare Musik. Wichtig ist aber vor allem, dass sich die Veranstaltungsbranche wieder erholen kann, und wir hoffentlich in diesem Jahr wieder Konzerte erleben dürfen.

Manlio Celotti, Managing Director The Orchard: Ich denke, dass es noch bis weit ins neue Jahr dauern wird, bis sich die Situation wieder erholt, besonders im Livegeschäft. Ich bin sehr optimistisch, dass wir 2021 weiteres Wachstum im Streaming erleben werden, insbesondere im Indie-Sektor. Alle waren so eingeschränkt im vergangenen Jahr, dass der Hunger, rauszugehen und neue Geschäfte anzugehen, wie ein »Wiedererwachen« sein wird, dass durch das Marktwachstum noch bestärkt wird. Ich freue mich sehr auf ein dynamisches neues Jahr.

Thomas Chabin, Country Manager Deezer Germany: Keine Frage, niemand bleibt von dieser Krise verschont. Aber manche wird es härter treffen als andere, und die Musik- und Kulturwirtschaft gehört sicher dazu. In unserer Umfrage im Mai zum Hörverhalten in Corona-Zeiten berichteten 78 Prozent der Deutschen, dass ihnen Musik dabei helfe, ihre Stimmung zu heben. Das geht mir genauso, und so freue ich mich schon sehr auf den Moment, wenn wir Musik und Künstler*innen nicht mehr nur im Streaming, sondern wieder gemeinsam vor Ort in einem Club erleben können. Bis das wieder möglich ist, besinnen wir uns als Audio-Streamingdienst auf das, was wir am besten können: Unsere Nutzer*innen mit relevanten Inhalten und Angeboten zu versorgen und Künstler*innen einen digitalen Zugang zu ihren Fans zu bieten. Auch werden wir uns weiterhin für das nutzerzentrierte Abrechnungsmodell UCPS stark machen und die Gespräche hierzu mit unseren Labelpartnern weiter fortsetzen. So blicke ich zuversichtlich auf 2021, denn keine Krise überdauert die Ewigkeit.

Udo Dahmen, Geschäftsführer & Künstlerischer Direktor, und Hubert Wandjo, Geschäftsführer & Business Direktor Popakademie Baden-Württemberg: Aus unserer Perspektive wird auch 2021 ein spannendes Jahr. Onlineformate bleiben an der Popakademie weiterhin wichtig, zum Beispiel bei der Konferenz Zukunft Pop oder dem Future Music Camp. Digitale Formate bieten der gesamten Branche neue Perspektiven und Chancen, wobei wir unsere Erfahrungen aus 2020 nutzen. Die momentan schwierige Situation von Künstlerinnen und Künstlern muss auch 2021 unbedingt thematisiert werden.

Christian Doll, Geschäftsführer C² Concerts: Es wird schwierig bleiben - bis lange im Jahr 2021 und darüber hinaus, bis wir ein neues »Normal« bekommen - denn so wie es war, wird es nicht wieder sein.

Bernd Dopp, Chairman & CEO Warner Music Central Europe: Wir hoffen, dass mit der Einführung des Impfstoffs auch Live-Events wieder stattfinden können. Unsere Künstler*innen warten sehnlich darauf, wieder persönlich mit ihren Fans bei Konzerten und Festivals interagieren zu können. Und obwohl es natürlich gut war, dass Recorded Music den Künstlern*innen auch während des Live-Verbotes weiterhin ein Einkommen verschafft hat, kann die Branche insgesamt langfristig nur dann gesund sein, wenn beide Bereiche eine starke Performance aufweisen. Damit der Recorded-Music-Bereich aber auch weiterhin erfolgreich am Markt agieren kann, muss die deutsche Regierung die EU-Urheberrechtsrichtlinie wortgetreu umsetzen und sicherstellen, dass alle digitalen Dienste, die Musik, die sie für den Aufbau ihres Business nutzen, auch fair bezahlen.

Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender Bundesverband Musikindustrie (BVMI): Ich denke, dass die Krise die erweiterte Branche an vielen Stellen herausfordern, aber eben eben auch inspirieren wird, kreativ und unternehmerisch. Das zentrale Thema des neuen Jahres bleibt natürlich die Umsetzung der DSM-Richtlinie. Hier müssen wir gemeinsam daran arbeiten, dass der Gesetzgeber endlich bereit ist, sich mit den Wirkweisen digitaler Wertschöpfung auseinanderzusetzen und zu einer inhaltlichen Befassung mit den Argumenten zu kommen, die ganz verschiedene Stakeholder der Kultur- und Kreativwirtschaft inzwischen gegen den vorliegenden Gesetzentwurf formuliert haben. All dies setzt voraus, dass man sich im BMJV endlich emanzipiert von Likes und Shares.

Guido Evers und Tilo Gerlach, Geschäftsführer der GVL: Auch wir setzen unsere Hoffnungen darauf, dass sich die Situation in den kommenden Monaten normalisiert, und die Menschen wieder Kultur in all ihren Farben und Facetten genießen können. Und wir blicken - trotz aller Schwierigkeiten dieses herausfordernden Jahres - zuversichtlich in die Zukunft. Allerdings wird die erste Jahreshälfte weiter von einem eingeschränkten öffentlichen Leben geprägt sein. Die Auswirkungen des vergangenen Jahres werden unsere Berechtigten erneut im neuen Jahr spüren, denn dann werden die Einnahmen aus 2020 an unsere Berechtigten verteilt werden. 2021 steht aber noch ein anderer wichtiger Termin in unserem Kalender: die Berechtigtenversammlung der GVL, die alle vier Jahre stattfindet. Wir freuen uns, unsere über 160.000 Berechtigten erstmals digital zur Wahl ihrer Delegierten begrüßen zu können.

Timo Feuerbach, Geschäftsführer EVVC: Leider erwarten wir auch im Jahr 2021 keine schnelle Rückkehr zur alten Normalität in der Veranstaltungsbranche mit vollen Hallen und unbestuhlten Konzerten ohne Abstandsregeln und Maske. Viele Veranstaltungshäuser werden derzeit zu Impfzentren ausgebaut - auf der einen Seite gut, weil die Häuser genutzt werden und eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe erfüllen - auf der anderen Seite auch ein Risiko, weil die Flächen nicht zur Verfügung stehen werden, wenn das Veranstaltungsgeschäft wieder anläuft. Unser Ziel ist es natürlich immer, jede Form von Veranstaltung mehr als kostendeckend zu realisieren, um aus der Abhängigkeit von Hilfsprogrammen jeglicher Art zu kommen. Auch nach den Worten von Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der eine Planung von Veranstaltungen in der zweiten Jahreshälfte 2021 für realistisch hält, hoffen wir sehr auf eine Erholung im Sommer und Herbst. Wichtig für die Veranstaltungsbranche ist hier ein bundesweit abgestimmtes Konzept, das einen schrittweisen Wiederanlauf abhängig vom Pandemiegeschehen möglich macht. Damit möglichst viele Betriebe die Zeit bis dahin überbrücken können, muss unter anderem die staatliche Ausfallversicherung bei coronabedingten Absagen aller Arten von Veranstaltungen kommen. Dafür kämpfen wir im Moment. Digitale und hybride Elemente werden in Zukunft sicherlich fester Bestandteil von vielen Veranstaltungen sein. Darauf stellt sich die Branche ein. Dennoch steigt von Monat zu Monat die Sehnsucht nach den echten, persönlichen Begegnungen, die so wichtig sind für uns Menschen. Wir setzen alles daran, dem auch bei den EVVC-Veranstaltungen im Jahr 2021 gerecht zu werden, und planen einen digitalen Auftakt der greenmeetings & events-Konferenz im Frühjahr sowie eine Präsenzveranstaltung mit hybriden Elementen im Sommer. Auch die EVVC-Fachtagung im Herbst sowie die AG-Sitzungen sollten in ähnlicher Form wieder möglich sein.

Sybil Franke und Sebastian Rüß, Geschäftsführer Velomax: Wir erwarten noch lange keine Rückkehr in den normalen Spielbetrieb, erhoffen uns jedoch durch Schnelltests und Impfstoffe zumindest einen Restart in der zweiten Jahreshälfte 2021. Dabei sorgen wir uns sehr um die Existenzen unserer Dienstleister und Partner und können die Politik nur bestärken, die extrem angeschlagene Veranstaltungsbranche kurzfristig und unbürokratisch bis zum Wiedereinstieg und auch darüber hinaus zu unterstützen.

Uwe Frommhold, Vice President & COO AEG Germany: Wir erwarten bis zum Sommer weiterhin keine großen Tour-Produktionen in unseren Arenen, arbeiten aber mit deutschen Veranstaltern an Konzepten für der Pandemie angepasste Events, mit denen wir die Zeit überbrücken könnten. Hierfür brauchen wir aber einen Fahrplan, der sich an den Inzidenzzahlen orientiert, mit Zuschauerobergrenzen, die auf der Grundlage von Hygienekonzepten festgelegt werden, und die individuellen Kapazitäten sowie begünstigende Gegebenheiten der einzelnen Spielstätten berücksichtigen.

Oke Göttlich, Managing ­D­­irector Musik Zebralution: 2021 wird noch sehr stark von der gesellschaftlichen Situation rund um die ­Pandemie gekennzeichnet sein. Hier gilt es, als Branche ­miteinander und solidarisch zu agieren. Die Nutzung aufgenommener Werke wird sich weiter steigern, die Veröffent­lichungsfrequenz, auch aufgrund ­ausbleibender Live-Einnahmen, ebenfalls. Hier gilt es, eine Über­forderung und Übersättigung der Hörer*innen im Blick zu behalten. Denn auch dies wird bei allgemein gesunkener Aufmerksamkeitsspanne dazu führen, dass Werke und Titel kürzer werden, und auch die ­Nutzungen und Plattformen sich ­danach ausrichten. Messenger­dienste und Social-Media-Dienste wie Triller, TikTok und YouTube Shorts werden davon profitieren und die Teilbranche Recorded Music ­abermals vor Veränderungen stellen.

Jonas Haentjes, CEO Edel: Sicherlich wird es einen weiteren Anstieg in den digitalen Kanälen geben. Wir erwarten auch eine vermehrte Nachfrage bei hochwertigen und individuellen Produkten, egal ob Vinyl oder CD, der Endkunde wird auch weiterhin bereit sein, in Qualität zu investieren.

Ernst-Ludwig Hartz, Geschäftsführer E.H.Hartz Promotion: Für 2021 erwarte ich, dass größere Veranstaltungen hoffentlich wieder ab Juni oder Juli möglich sein werden - unter welchen Auflagen auch immer. Gleichzeitig rechne ich aber auch damit, dass wir uns auf eine neue Normalität einstellen müssen. So, wie es 2019 war, wird es nicht wieder sein.

Jörg Heidemann, Geschäftsführer Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen (VUT): Vermutlich müssen wir uns dieses Jahr mit einer umgesetzten Urheberrechtsrichtlinie in Deutschland auseinandersetzen, und welche Auswirkungen dies für die Branche hat. Das wird gegebenenfalls nochmal weh tun, aber wir werden nicht müde, in den sachlichen Diskurs zu treten. Im zweiten Halbjahr finden dann hoffentlich wieder ein paar Konzerte statt! Doch zunächst wird es nochmals ein hartes Jahr, denn allen Musiker*innen, Verlagen und Tonträgerherstellern werden durchaus erhebliche GEMA- und GVL-Einnahmen aus 2020 fehlen. Daneben wird es weiter einen sachlichen Dialog mit den Verwertungsgesellschaften über Selbstverständnis, Zukunftsvisionen und deren Umsetzung geben müssen. Zudem müssen wir fortlaufend kritisch auf die Marktkonzentration schauen und bei Streamingdiensten bezüglich Transparenz und Verteilungsalternativen nachbohren. Langweilig wird 2021 definitiv nicht.

Marie Heimer, Managing Director ease agency: Zunächst einmal hoffe ich, dass der ökologische Fußabdruck der Branche so reduziert bleibt, wie er aktuell ist - dass man für Meetings nicht mehr quer durch Europa oder in die nächste Stadt fliegt, sollte nach der Krise selbstverständlich sein. Der Trend zum Vertriebsdeal wird noch weiter wachsen und durch Set-ups wie unseres, freie Promoter und ein flexibles Team ergänzt. Künstler müssen 2021 vor allem aus einem Markenansatz heraus wachsen - und dieser muss sich digital absetzen und transportieren lassen. Diesen digitalen Markenkern herauszuarbeiten und daraus Maßnahmen, Formate und Monetarisierungswege abzuleiten, wird die größte Herausforderung für viele Künstler sein - und unsere Hauptbeschäftigung.

Karin Heinrich, stellvertretende Vorsitzende Interessenverband Musikmanager & Consultants (IMUC): Wir wünschen uns, dass Veranstaltungen jeder Art wieder stattfinden können auf Basis der inzwischen vorhandenen Erkenntnisse und der Einhaltung notwendiger Hygienemaßnahmen, für die im Übrigen kräftig investiert werden musste. Hybrid-Veranstaltungen mit added value könnten Künstlern und Publikum helfen, durch die Zeit

zu kommen - auf Basis der Akzeptanz, dass auch für Streaming-Konzerte Tickets zu erwerben sind, und diese Umsonst-Mentalität ein Ende hat zugunsten von ehrlicher Wertschätzung. Wir werden mit dem Virus noch eine ganze Weile leben müssen. Neben effizienteren Schnelltests sind diverse Apps in der Entwicklung, zum Beispiel Luca, die unter anderem Nachverfolgung unkompliziert ermöglichen. Wir hoffen, dass es 2021 eine Open-Air-Saison geben kann, die auf dem Weg zur Normalität ist und sich die Lage im Herbst und Winter nicht zuletzt durch die Impfung deutlich entspannt hat.

Birgit Heuzeroth, General Manager Beggars Group Germany: Ganz viel Arbeit! Wir müssen alle alles dafür tun, dass die Infrastruktur der Musikszene erhalten bleibt und ich vermute, 2021 wird richtig hart werden, weil viele da schon am Limit sind.

Michael Hoeweler, Head of Amazon Music Deutschland: Wir hoffen im Sinne der Künstler und der gesamten Branche, dass sich die Lage zur Open-Air- und Festival-Saison zumindest teilweise wieder normalisiert. Bis dahin und auch langfristig glauben wir, dass insbesondere Live-Performances auf Twitch und Amazon Music eine bedeutende Möglichkeit für Künstler sein werden, ihre Fans zu erreichen und zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Aber auch die Musiknutzung über Alexa zu Hause und unterwegs oder Podcasts sind neben dem reinen Musikhören weitere Bereiche, von denen wir glauben, dass sie für unsere Kunden und Künstler auch im Jahr 2021 wichtig sein werden. Unser Unterhaltungsangebot werden wir daher auch im neuen Jahr weiter ausbauen.

Dirk Hohmeyer, Geschäftsführer P.S.E. Germany: Wir hatten zuletzt eine »virtuelle Tournee« mit Videobeiträgen, Clips aus den vergangenen Jahren, Hintergrundberichten, Interviews aus den für 2020 geplanten Tourneestädten über YouTube, Facebook etc. produziert. Wir sind überwältigt über die Resonanz und erfahren eine unglaubliche Unterstützung des Publikums. Dieses hat auch zur Folge, dass wir wieder Eintrittskarten jede Woche verkaufen, sicherlich auch mit der Perspektive, dass es zeitnah Impfungen geben wird. Somit hat das Publikum Vertrauen und Hoffnung, dass es 2021 wieder Konzerte geben wird. Im Endspurt des vergangenen Jahres scheint nun doch der Politik und der Öffentlichkeit aufgefallen zu sein, wie viele Menschen und Schicksale in unserer Branche arbeiten, welche Umsätze und Steuereinnahmen wir generieren, und wie viele Zuschauer wir begeistern. Wenn die zugesagten Hilfen nun wirklich fließen, und die Betroffenen bis dahin überleben, dann wird es hoffentlich im Laufe 2021 wieder weitergehen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Oliver Hoppe, Geschäftsführer Wizard Promotions: Ich tue mir nach allem, was wir bisher gesehen und gelernt haben, sehr schwer, Prognosen abzugeben. Ich glaube, das große Erwachen kommt bei vielen erst noch, und es wird einige Kollegen im Sommer nicht mehr geben. Dann wird sich auch drastisch zeigen, dass die Politik die letzten Monate konsequent an der Veranstaltungsbranche und ihrer speziellen Beschaffenheit vorbei gearbeitet hat. Der Markt wird sich weiter monopolisieren, was der kulturellen Vielfalt nur schaden wird. Ab dem Zeitpunkt, zu dem Konzerte wieder möglich sind, wird es wieder einen Flickenteppich aus unterschiedlichen Verordnungen geben, die das Tourneegeschäft erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen werden. Aber ich glaube auch, dass wir 2021 irgendwann wieder normale Konzerte unter Vollauslastung haben werden. Und dann werden das die geilsten Events, die man sich vorstellen kann, weil alle vor, hinter und auf der Bühne feiern, dass wir wieder zusammen sind.

Thomas Jensen, Geschäftsführer ICS Marketing: Da ist zum einen die große Hoffnung, dass die Livemusik fulminant zurückkehren wird. Wann und wie, weiß man nicht. Aber ich weiß auf jeden Fall: Rock'n' Roll Will Never Die. Darüber hinaus ist meine Erwartung, dass wir innerhalb und außerhalb der Branche zusammenhalten und das Beste daraus machen.

Sybille Kornitschky, Projektleiterin jazzahead! Messe Bremen: Ich rechne mit sehr vielen Kollateralschäden, vielen Insolvenzen, eigentlich mit einem komplett veränderten Jazz- und Musikbusiness. Ich denke, dass viele Soloselbstständige sich beruflich neu orientieren werden, und dass auch Ressourcen generell knapper sein werden. Wir gehen davon aus, dass es noch viel mehr Onlineformate geben wird. Auch wir planen die jazzahead!-Fachmesse für 2021 digital. Gleich nach der ersten Corona-Welle wurde das Netz von digitalen Konzerten und anderen künstlerischen Inhalten förmlich überflutet. Meistens waren diese kostenfrei und für die breite Öffentlichkeit zugänglich, aber leider nicht immer von guter Qualität in der Übertragung. Wir gehen davon aus, dass sich jetzt neue Wege der Monetarisierung im Netz stärker durchsetzen werden. Die Notwendigkeit ist da. Insofern wird es neue Geschäftsmodelle geben. Wir von der jazzahead! wollen diesbezüglich unbedingt am Ball bleiben und diese Entwicklungen für unsere Community auch aufbereiten. Aber eigentlich wartet die Branche nur auf eines: den Bühnenbetrieb wieder aufnehmen zu können und auch unter Pandemiebedingungen wieder wirtschaftlich produzieren zu können. Dafür wird die Branche weiterhin auf Unterstützung angewiesen sein. Darüber hinaus hoffen wir und sind zuversichtlich, dass sich die Solidarität innerhalb der Musikbranche, die sich insbesondere auch im Jazzbusiness im Zuge dieser Pandemie gezeigt hat, weiterhin bestehen bleibt.

Sabine Loos, Geschäftsführerin Westfalenhallen Dortmund: Wir haben es es gerade in der Diskussion um verschärfte Maßnahmen für Weihnachten und Silvester erlebt: Die Politik fährt von Woche zu Woche auf Sicht und wirbt bei jeglichen Beschlüssen zunächst um das Verständnis der Menschen. In dieser dynamischen Phase ist unsere Branche gefordert, mögliche Veranstaltungen für 2021 sicher vorzubereiten und zu ermöglichen, wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen es wieder erlauben. Daher arbeiten wir unter Hochdruck an der Realisierung anstehender Konzerte und Shows von Kiss über Night Of The Proms und Cavalluna bis hin zu Let's Dance in der Dortmunder Westfalenhalle.

Katja Lucker, Pop-Kultur Festival-Leiterin und Geschäftsführerin Musicboard Berlin: Besonders jene Teile der Branchen, die nicht rein digital oder kontaktlos funktionieren, wurden schwer erschüttert. Wir erwarten viele Menschen, die 2021 weiterhin sehr erfinderisch und flexibel sein müssen, um in dieser extremen Zeit die eigene Existenz zu sichern. Ich hoffe ganz stark, dass wir möglichst keine Akteur*innen der Musikbranche, seien es Veranstalter*innen, Agent*innen oder Clubs verlieren, sondern dass alle möglichst mit passgenauen Förderungen - da ist noch Luft nach oben! - durch Bund und Länder weiter existieren und dann 2022 wieder richtig durchstarten können. In diesem Jahr müssen wir noch viel entbehren, befürchte ich.

Jens Michow, Präsident BDKV: Die Veranstaltungsbranche ist leider noch nicht am Ende des Tunnels angekommen. Hallentermine selbst für das zweite Halbjahr 2021 sind schon seit langem nicht mehr buchbar. Neue Tourneen können daher überhaupt erst wieder für 2022 geplant werden. Mal vorausgesetzt, dass Spielstätten bis dahin wieder uneingeschränkt ohne Abstandsregeln genutzt werden können, wird es für einen tatsächlichen Restart erforderlich sein, dass internationale Künstler überhaupt wieder ohne Quarantäne-Schranken nach Deutschland kommen können. Und wenn diese Hürden genommen sind, wird es hoffentlich nicht mehr zu lange dauern, bis sich alle Menschen auch wieder in Konzerthallen und damit unter größere Menschansammlungen wagen. Auch werden wir schauen müssen, was von der jahrzehntelang gewachsenen personellen Infrastruktur der Branche noch übrig geblieben ist. Wird es die vielen unersetzlichen Dienstleister*innen noch geben: Produktionsleiter, Tourneebegleiter, Techniker, Bühnenbauer - um nur einige wenige zu nennen? Wir können nur hoffen, dass nicht zu viele sich bis dahin beruflich anders orientiert haben. Große Sorgen mache ich mir darüber, in welchem Umfang die gewohnte Vielfalt des Kulturangebots der Krise zum Opfer gefallen sein wird. Leider wird es trotz der diversen Überbrückungshilfen eine Reihe von Veranstaltungsunternehmen, die Garant unseres kulturellen Facettenreichtums waren, nicht mehr geben. Das werden vor allem die kleineren Unternehmen sein, denen wir aber bisher das besondere Jazz-, Blues-, Folk- oder Singer-Songwriter-Konzert oder den Kabarett-Abend zu verdanken hatten - also jenseits vom Mainstream das Event, mit dem nicht das »große Geld« zu verdienen war. Der Kulturveranstaltungsbranche wird leider wohl noch eine Weile ein rauer Wind um die Ohren wehen, bevor man tatsächlich von einem Neustart sprechen kann. Und ob es wieder so wird, wie es war? Wer weiß das schon.

Ben Mitha, Geschäftsführer Karsten Jahnke Konzertdirektion: Ich denke, wir werden bis zum Sommer 2021 alle gemeinsam noch viel Durchhaltevermögen beweisen müssen. Ab Sommer erwarte ich eine Verbesserung der Gesamtlage. Hier und da wird der Weg sicher noch von einigen unerwarteten Rückschlägen gesäumt sein, aber spätestens im vierten Quartal 2021 werden wir einen Boom in unserer Branche erleben, wie wir ihn während dieser Phase der langen Durststrecke kaum für möglich gehalten hätten. Davon bin ich felsenfest überzeugt, und es gilt, die verbleibende Zeit sinnvoll zu nutzen, um in allen Bereichen optimal dafür aufgestellt zu sein.

Patrick Mushatsi-Kareba, CEO Sony Music GSA: Wir bleiben bei unserer aktuellen Strategie und werden diese weiter fortführen. Künstler entdecken mehr und mehr die Chancen der digitalen Vermarktung und wir werden sie weiter auf diesem Weg unterstützen und ihnen die bestmöglichen Leistungen bieten. Es wird wahrscheinlich weiter auf Hochtouren an kreativen Konzeptideen gearbeitet werden, teilweise auch Pionierarbeit geleistet, um die Zeit, bis zu einer - hoffentlich baldigen - Rückkehr der Liveveranstaltungen, zu überbrücken.

Manuela Nikele und Andres Hubmann, Head of Labelmanagement & Promotion und Head of Sales, Bertus Musikvertrieb: Die Situation bleibt sicherlich mindestens im ersten Halbjahr noch angespannt, und wir sehen einige grundsätzliche Veränderungen im öffentlichen Raum sowie im direkten Arbeitsumfeld. Wann das wichtige Livegeschäft wieder startet, kann zum jetzigen Zeitpunkt wohl niemand mit Gewissheit sagen. Dennoch erwarten wir bei Bertus Musikvertrieb auch aufgrund unseres erweiterten Fokus auf die Bereiche Klassik und Jazz eine gute Umsatzsteigerung und ein weiterhin starkes Interesse an Vinyl und Special-Editions.

Norbert Oberhaus, Geschäftsführer cologne on pop, und Ralph Christoph, Director c/o pop Convention: Für die Livebranche wird es Stand jetzt vor Mai keine Entspannung geben. Und selbst dann wird man sehen müssen, unter welchen Bedingungen wieder Veranstaltungen werden stattfinden können. Daher ist es zwingend notwendig, schon jetzt Mittel für die Branche - Stichwort: Neustart Kultur Pt. 2 - bereitzustellen, da wir alle wissen, dass sonst ein Großteil der Unternehmen ein First-out-last-in-Szenario wirtschaftlich nicht wird überleben können. Darüber hinaus braucht es natürlich dringend eine Perspektive - und gerade hier müssen wir uns alle weiter konstruktiv mit einbringen. Hier sind nicht nur - aber vor allem! - die Netzwerke und Verbände weiter gefragt, sondern auch die Zuschauer*innen und Besucher*innen unserer Veranstaltungen. Nur wenn sich hier alle solidarisch verhalten, können wir auf dem Weg zum Wiedereinstieg auch mit alternativen Monetarisierungsmodellen in einer digital-hybriden Welt zum Überleben der Musiker*innen, der Unternehmen und der vielen Menschen aus der Veranstaltungswirtschaft beitragen. Und so womöglich auch gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.

Marc Oßwald, Geschäftsführer Vaddi Concerts: Ich erwarte mir eine langsame Rückkehr zur Normalität ab August 2021. Bis dahin wird es die Durststrecke bleiben, die wir jetzt schon kennen. Dafür können die großen Hallen vorübergehend als Impfarenen genutzt werden. Ich erwarte ab August eine langsame Öffnung mit einem Maßnahmenmix aus Masken, Abstand, Schnelltests, Impfung etc. Dann könnten wir mit einem Weihnachtsgeschäft 2021 zuversichtlich in das Jahr 2022 schauen.

Ken Otremba, Geschäftsführer Telamo: Ich hoffe sehr auf eine Beruhigung der Fallzahlen in den nächsten beiden Monaten, auf langfristige, tragfähige Konzepte seitens der Politik, damit das Alltagsleben und damit auch das Livegeschäft, die Clubs und die Reisen wieder eine Perspektive bekommen. Alle Partner haben tolle, tragfähige Konzepte entwickelt, nur müssen wir zu einer Planbarkeit zurückkommen, damit die auch verlässlich umgesetzt und eingesetzt werden können. Ich kann das erste Livekonzert, den ersten Clubbesuch und die erste TV-Show mit Fans und Publikum kaum mehr erwarten. Die Branche hat ihre Hausaufgaben gemacht - nun fehlt nur noch der Fahrplan der Regierung - und ein schrittweises Annähern an die Vor-Corona Zeit ist greifbar nahe.

Iris Rackwitz, Marketing & Eventmanagerin ZSL: Wir hoffen, im Frühjahr/Frühsommer wieder in der Quarterback Immobilien Arena mit reduzierten Kapazitäten unter Hygiene-Konzepten vor allem mit den Handballspielen des SC DHfK in der 1. Bundesliga starten und dann im Sommer Open Airs auf der Festwiese Leipzig, Konzerte und Shows organisieren zu können. An entsprechenden Formaten und Projekten arbeiten wir bereits in Abstimmung mit unseren Veranstaltern. Mit Kollegen aus schon 24 Häusern am Runden Tisch Leipziger Spielstätten bereiten wir eine Kampagne für den Neustart vor, mit dem wir unsere Besucher zurückholen und Vertrauen wecken wollen. Ab dem dritten Quartal sind wir dann hoffentlich alle wieder im präpandemischen Setup Live dabei.

Andrea Rothaug, Geschäftsführerin RockCity Hamburg: Wir erwarten Großes von uns allen! Soll heißen: Die Musikbranche wird ein zweites Mal zur Blaupause für Kunst, Kultur und Wirtschaft, denn für uns ist Corona nicht die erste große Krise. Wenn wir es schaffen, aus unseren Erfahrungen, aber auch Fehlern klug zu lernen, umzudenken, neu anzufangen und den Kopf nicht in den Sand zu stecken, erwarte ich klima- und urheberfreundliche, globale digitale Lösungen, die in punktgenauer Abrechnung an unsere Artists gehen und physische Veranstaltungen nach Test, Impfung oder Herdenimmunität mit allem Pipapo.

Rudi Schedler, Geschäftsführer Rudi Schedler Musikverlag: Für 2021 erwarten wir aus wirtschaftlicher Sicht ein äußerst schwieriges Jahr mit Auswirkungen in 2022 und auch noch in 2023. Das Wort »positiv« wird hoffentlich bald wieder nicht so negativ in unseren Köpfen schwirren. Gerade in der Weihnachtszeit fiel uns wieder auf: »It's all about the song«. Das spornt uns immer wieder an und bringt uns auch auf andere Gedanken.

Arndt Scheffler, Geschäftsführer white label eCommerce: Wir werden noch einige Zeit benötigen, um wieder zur Normalität zurückzukehren, aber der Wendepunkt steht aus meiner Sicht kurz bevor. Ich glaube, dass es einen enormen Nachholbedarf der Konzertgänger, Musikliebhaber und den Akteuren auf der Bühne gibt, der sich ab der zweiten Jahreshälfte entlädt und mindestens bis Ende 2022 anhält. Ich gehe von starken Verkaufszahlen in nahezu allen Bereichen aus, wovon der Live-Bereich massiv profitieren wird. Es bleibt zu hoffen, dass bis dahin möglichst viele durchhalten und an der Entwicklung teilhaben. Denn eine weitere Konzentration in der Branche gefährdet langfristig das Angebot und die Vielfalt.

Lothar Schlessmann, Geschäftsführer Hello Concerts: Angesichts der angekündigten Hilfsmaßnahmen für den Zeitraum ab Juni 2021 wird mir dann wirklich Angst und Bange. Spätestens dann müssen Konzerte ohne Abstandsregelung und sonstiges wieder möglich sein, sonst helfen auch staatliche Förderungen für unsere Branche nicht.

Marion Schöne, Geschäftsführerin Olympiapark München: Natürlich wünschen wir uns, dass die Veranstaltungs-, Freizeit- und Tourismusbranche sukzessive wieder hochfahren kann. Für unser Haus rechnen wir für 2021 bei den Veranstaltungen mit 30 Prozent der Umsatzerlöse aus den Vorjahren, im Freizeit- und Tourismusbereich mit 50 Prozent. Wir hoffen sehr, dass ab April im Außenbereich wieder Veranstaltungen möglich sind und spätestens ab Herbst auch wieder in den Hallen. Dabei schürt die angekündigte Unterstützung von Bundesfinanzminister Olaf Scholz die Hoffnung, wie die Tatsache, dass ein Impfstoff nun zur Verfügung steht. Und wenn die ersten Konzerte und Sportveranstaltungen wieder stattfinden können, bestätigt sich hoffentlich, dass Live Entertainment nicht durch digitale Formate ersetzt werden kann, langfristig eben nicht verzichtbar ist.

Klaus-Peter Schulenberg, Vorstandsvorsitzender CTS Eventim: Ich habe seit Beginn der Pandemie immer wieder betont, dass wir einen Impfstoff oder wirksame Medikamente gegen die Krankheit brauchen, bevor es wieder Konzerte und Veranstaltungen im gewohnten Umfang geben wird. Es ist daher sehr ermutigend, mit welcher Geschwindigkeit Wissenschaftler Impfstoffe entwickelt haben, und dass in Europa mit den Impfungen sogar schon begonnen wurde. Auch Schnelltests sind eine aussichtsreiche Option. Entsprechend gibt uns diese Entwicklung Hoffnung, dass sich die sehr schwierige Lage unserer Branche in absehbarer Zeit zum Besseren wendet, und die Menschen Kunst und Kultur wieder wie vor der Pandemie genießen können. CTS Eventim steht bereit und sieht sich bestens positioniert, sollten sich die Umstände wieder normalisieren.

Tessy Schulz, Vorstandsmitglied IMUC: Schritt für Schritt zurück zu einer neuen Normalität. Mit der unendlichen Kreativität und Schaffenskraft der Künstler, der Einigkeit der Branche, der Unterstützung der Regierung und der Sehnsucht des Publikums werden wir alle Möglichkeiten unter den gegebenen Umständen maximal ausschöpfen.

Detlef Schwarte, Geschäftsführer Reeperbahn Festival: Natürlich hoffe ich, dass die Rahmenbedingungen ab Sommer nachhaltig andere sind und wieder Musik live und mit immer weniger Auflagen stattfinden kann. Insolvenzen und wirtschaftliche Not wird dies aber nicht verhindern. Die Marktmacht der digitalen Plattformen hat sich in den vergangenen Monaten vergrößert und damit auch der Rückenwind für den Recorded-Sektor. Diese grundsätzliche Wetterlage wird sich in 2021 fortsetzen.

Peter Schwenkow, Vorstandsvorsitzender DEAG: Nach jetzigem Stand gehen wir aufgrund von besseren Schnelltests und den zeitnah realisierbaren Impfmaßnahmen davon aus, dass wir ab Mai/Juni 2021 das Konzertgeschäft mit Veranstaltungen von 2000 bis 3000 Besuchern wieder langsam hochfahren können. Im Herbst des kommenden Jahres sind wir dann hoffentlich wieder bei Veranstaltungen mit bis 10.000 Besuchern, und die ganz großen Open Airs sollten ab Sommer 2022 wieder möglich sein.

Dieter Semmelmann, Geschäftsführer Semmel Concerts: Für das Jahr 2021 erwarten wir alles und nichts. Wir hoffen natürlich, dass wir endlich wieder unserer Leidenschaft nachgehen und Konzerte durchführen dürfen. Bis dahin versuchen wir, uns den Optimismus nicht nehmen zu lassen, weil uns Pessimismus auch nicht weiterbringt.

Christof Strimitzer, Leitung Marketing und Kommunikation Messe Congress Graz Betriebsgesellschaft: Das erste Quartal beziehungsweise Halbjahr werden bestimmt noch sehr herausfordernd sein. Wir sind aber frohen Mutes - auch gemeinsam und in Absprache mit unseren Partnern und Veranstaltern -, dass es 2021 wieder Live-Auftritte, Live-Konzerte und Live-Veranstaltungen geben kann. Wie und in welcher Form hängt natürlich vom weiteren Verlauf und aufkommenden Durchführungsrichtlinien ab. Große Erwartungen setzen wir alle natürlich auf den Beginn der Impfungen, und dass diese wieder Ruhe und Sicherheit in die Bevölkerung bringen, um schrittweise in die Normalität zurückkehren zu können. Sicher ist aber, dass wir alles daran setzen, dass »life wieder live« stattfinden zu lassen. Somit sollten wir alle positiv gestimmt in die Zukunft blicken und das Beste aus der Situation machen.

Stephan Thanscheidt, Geschäftsführer FKP Scorpio: Über dem Jahr 2021 steht ein großes Fragezeichen. Die jüngsten Fortschritte in der Impfstoffentwicklung und -distribution sind ein starkes Signal, das eine Rückkehr in die Normalität in Aussicht stellt. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie die Pandemie weiterhin verläuft, und welchen Weg die Politik in ihrem Umgang damit einschlagen wird. Es ist für die Branche von äußerster Wichtigkeit, dass sie uns genauso wie anderen Wirtschaftszweigen auch möglichst langfristige Perspektiven aufzeigt. Wir merken, dass das Bewusstsein für die besondere Situation der Veranstaltungswirtschaft in der Politik beständig zugenommen hat; die jüngsten Maßnahmen und Vorschläge der Bundesregierung sind jedenfalls ein wichtiger Schritt, dem jetzt Taten folgen müssen. Wir selbst tun gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Branche alles dafür, um der Politik ein guter und offener Partner zu sein - dass wir die Situation ernst nehmen und dennoch gute Lösungen finden können, haben wir im Verlauf der Pandemie schon mehrfach gezeigt. Das und die vielversprechenden Ergebnisse aus Medizin, Wissenschaft und Politik stimmen uns vorsichtig hoffnungsvoll, dass wir im Verlauf des kommenden Jahres wieder schrittweise in die Normalität finden können.

Kleo Tümmler, Vorstandsmitglied IMUC: Der Zusammenhalt in der Musikbranche muss erhalten werden. Wir müssen weiterhin mehr unsere Gemeinsamkeiten betonen, und uns nicht voneinander abgrenzen. Genres sollten bei der Planung und dem Wiederaufbau unserer Branche eine untergeordnete Rolle spielen. Gemeinsames und planvolles vorgehen wird uns von Nutzen sein. Mit einem Impfstoff, Schnelltests und Hygienekonzepten können wir uns eine Perspektive erarbeiten und ertragreiche Tourneen und Konzerte etablieren.

Stefan Vogelmann und Holger Fleder, Managing Director Broken Silence: Viele Veröffentlichungen wegen Corona zu verschieben, wird sich kaum oder gar nicht auszahlen. Wir können als Vertriebs- und Nischenspezialist mit kleiner werdenden Verkaufszahlen im physischen Segment ganz gut umgehen - mutmaßlich besser als manch größere Company. Wir werden weiter solide wachsen in den nächsten Jahren und haben schon neue und vielversprechende Signings getätigt.

Zusammenstellung: Dietmar Schwenger, Knut Schlinger, Jonas Kiß