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"Metal Summit" debattierte über Wert der Kultur

In der Online-Auftaktdiskussion der neuen Veranstaltungsreihe "Metal Summit" des Netzwerks "Metality" ging es um das Thema "Wie viel muss dem Staat Kultur wert sein?". Dazu äußerten sich unter anderem Wacken-Veranstalter Thomas Jensen und der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda.

18.01.2021 15:55 • von Frank Medwedeff
Warnte davor, die Kultur als etwas Nebensächliches beiseite zu schieben: Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (Bild: Bertold Fabricius)

In der Online-Auftaktdiskussion der neuen Veranstaltungsreihe "Metal Summit" des Netzwerks "Metality" ging es vor dem Hintergrund der coronabedingten Einschränkungen um das Thema "Wie viel muss dem Staat Kultur wert sein?".

Zu diesem übergeordneten Thema debattierten unter Leitung von Moderator Reinhold Beckmann nicht nur Teilnehmer aus der Metal-Gemeinde wie Wacken-Veranstalter und "Metality-"Mitglied Thomas Jensen oder Musiker Mark Weichert von der Band Heaven Shall Burn, sondern unter anderem auch Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda, der kulturpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Erhard Grundl, der ehemalige Bundesverfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier oder Nina George, Bestsellerautorin und Präsidentin des European Writer`s Council, des europäischen Dachverbands der nationalen Verbände von Schriftsteller*innen und Übersetzer*innen.

Carsten Brosda zitiert der NDR dabei wie folgt: "Da ist es tatsächlich die Frage, wie gehen wir als Gesellschaft mit Kunst und Kultur und den entsprechenden Angeboten um? Ich glaube, wir müssen aufpassen, dass wir als Gesellschaft nicht Signale senden, die so ein bisschen sind wie die Tante, die dem Jungen sagt: 'Lern' doch was Ordentliches, mach doch was Anständiges, anstatt Musiker zu werden.' Diesen Gestus haben wir manchmal als Gesellschaft. Wir schieben die Kultur, übrigens völlig egal ob Hochkultur oder Unterhaltungskultur, immer beiseite als etwas Nettes, wenn wir noch Zeit dafür haben."

Auch Wacken-Open-Air-Gründer Thomas Jensen sorgt sich angesichts des Veranstaltungsverbots und fehlender Perspektiven aktiver künstlerischer Verwirklichung in der Pandemie um den Nachwuchs: "Da wird jetzt eine Lücke gerissen. Man kann sich jetzt noch gar nicht ausmalen, ob die zu schließen ist. Warum soll jetzt irgendeiner noch den Wunsch haben, Rockstar zu werden? Die werden wahrscheinlich in den nächsten Jahren alle Virologen."

Mark Weichert, der Gitarrist von Heaven Shall Burn, hob die Bedeutung harter Gitarrenmusik aus Deutschland als international beachtetetes Kulturgut und Exportschlager hervor: "Für die jetzige Situation wünschte man sich, dem deutschen Staat wäre bewusst, was für Botschafter und was für Trademarks wir als Künstler sind. Unsere neue Platte und die neue Rammsteinplatte sind auf jeden Fall in den USA besser angekommen als der letzte Diesel von VW oder Audi."

Metality e.V. ist ein Zusammenschluss von Metal-begeisterten Menschen unterschiedlichster Herkunft und Alters. Als internationale Community setzt sich das Netzwerk dafür ein, Werte wie Respekt, Toleranz und Teilhabe auch außerhalb von Konzerten und Festivals zu leben. Zu den Förderprojekten von Metality gehört unter anderem die Aktion "666 Schlafsäcke für die Outsiders outside", bei der in den vergangenen Jahren auf Festivals liegengebliebene Schlafsäcke an Bedürftige weitergegeben wurden - 2020 habe man mit Geldspenden geholfen. Zudem hat sich Metality im Oktober 2020 mit einer Petition für ein Grundeinkommen für MusikerInnen stark gemacht, die durch Corona an den Rand des Ruins getrieben wurden.