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Eurosonic diskutierte Streamingshows

Am zweiten Tag von Eurosonic Noorderslag ging es beim Konferenzprogramm unter anderem um die Monetarisierung von Streamingkonzerten. In seiner Keynote warnte der Marktforscher Mark Mulligan die Livebranche eindringlich davor, nicht denselben Fehler wie einst die Labels zu machen und die Musik zu verschenken.

15.01.2021 11:31 • von Dietmar Schwenger
Sprach über die Zunahme von UGC: Mark Mulligan (Bild: Screenshot, Eurosonic Noorderslag)

Am zweiten Tag von Eurosonic Noorderslag ging es beim Konferenzprogramm unter anderem um die Monetarisierung von Streamingkonzerten. In seiner Keynote am 14. Januar 2021 warnte der Marktforscher Mark Mulligan von Midia die Livebranche eindringlich davor, nicht denselben Fehler wie einst die Labels zu machen und die Musik zu verschenken. Zudem schlug er - "auch wenn das uncool klingt" - ein Geofencing vor, wie das in der TV- und Filmbranche üblich ist. Dadurch könnten statt eines global übertragbaren mehrere Shows in den jeweiligen Regionen gespielt werden.

Welch wichtige Rolle Musik auch während der Pandemie spielt, war ebenfalls ein zentraler Punkt von Mulligan. Der Musikkonsum sei plattformübergreifend im Jahr 2020 um 30 Prozent gewachsen. "Es wird mehr Musik gestreamt als jemals zuvor." Zugleich wachse die Menge der Musik, die weltweit produziert und online gestellt werde. Das habe jedoch bei einer fixen Abogebühr der Streamingdienste den Nachteil, dass "mehr Münder gefüttert werden müssen. Die Ausschüttungsrate pro Stream sinkt."

Mulligan geht von einer weiteren Zunahme von User Generated Content (UCG) aus. "So wie Instagram uns zu Fotografen und TikTok zu Regisseuren gemacht hat, ist nun die Frage, welche App uns alle zu Musikern macht."

Welche Rolle kostenpflichtige Streamingkonzerte bislang und auch künftig spielen können, stand auch im Mittelpunkt des Panels "Streaming Is Here To Stay. Or Isn't It?". So berichtete etwa Phil Middleton, Senior Project Manager der im Juli 2020 gegründeten UK-Veranstaltungs/Produktionsfirma Driift Live, dass man bereits beim ersten von der Firma ausgerichteten, virtuellen Konzert, eine Show von Laura Marling, 6000 Tickets verkauft habe. Bei Nick Cave im Alexander Palace waren es dann schon 35.000. Bei den insgesamt 15 ausgerichteten Konzerte habe man 400.000 Karten verkauft, wobei man mit externen Ticketingpartnern gearbeitet habe. "Das ist eine aufregende und spannende Reise", so Middleton über die Zukunft von Streamingshows.

Optimismus verbreitete auch Neil Warnock, Head Of Music UTA, in seinem Keynote Interview durch den ILMC-Chef Greg Parmley. Nach Ende der Pandemie werden sich "die Schleusen öffnen. Es wird sein wie nach dem Ende des 2. Weltkriegs. Die Leute wollen feiern und wollen unterhalten werden. Und wenn es soweit ist, müssen wir als Branche dafür bereit sein." Auch rechnet er mit einer Welle großartiger neuer Musik von neuen Künstlern - "vielleicht Covid-Rock". "Vor uns liegen fantastische Zeiten, auch wenn wir dann 2022 vor dem Problem stehen werden, dass es kaum noch verfügbare Spielstätten geben wird. So sind bereits in dem Jahr für die großen Acts allen Stadien ausgebucht."

Er glaubt auch, dass der befürchtete Fachkräftemangel vor allem auf der Produktionsseite nicht so massiv ins Gewicht fallen werde. "Wir haben eine hohe Arbeitslosigkeit in Großbritannien, da werden wir Leute für diese Aufgaben finden. Schwieriger könnte es bei den Experten für Licht oder Ton werden, die sich jetzt andere Jobs suchen mussten und dabei festgestellt haben, dass es auch schön sein kann, Zeit mit der Familie zu verbringen und nicht das ganze Jahr unterwegs zu sein."

Warnock sprach auch über Streamingkonzerte, die eine "Komponente" des Livegeschäfts bleiben werden. "Sie werden nicht verschwinden. Aber es kommt auf den jeweiligen Künstler an. Denn wir haben auch gesehen, dass nicht jedes Streamingkonzert ein großer Erfolg war." Zudem äußerte sich Warnock besorgt über die Folgen des Brexits für die Livebranche. "Wir werden vorübergehend weniger europäische Acts haben, die in Großbritannien touren werden, denn die derzeitige Lage ist nicht praktikabel, aber wir werden eine praktische Lösung finden - allerdings sagen mir meine europäischen Partner, dass wir ja die EU verlassen hätten, deswegen sähen sie keine Eile, nun eine Lösung zu finden."