Events

Eurosonic Noorderslag digital eröffnet

Mit einem rein digitalen Konferenzprogramm begann am 13. Januar Eurosonic Noorderslag. Bislang haben sich gut 3700 Fachbesucher für die 35. Ausgabe des niederländischen Showcasefestivals registriert.

14.01.2021 11:15 • von Dietmar Schwenger
Eröffnete Eurosonic Noorderslag mit einer Keynote: Scott Cohen (Bild: Screenshot, Eurosonic Noorderslag)

Mit einem rein digitalen Konferenzprogramm begann am 13. Januar 2021 Eurosonic Noorderslag. Bislang haben sich gut 3700 Fachbesucher für die 35. Ausgabe des niederländischen Showcasefestivals registriert. "Das Panel 'Successful Covid Festival Format' verfolgten mehr als 600 digitale Zuschauer - das ist erstaunlich. Auch gut zu sehen ist, dass allein am ersten Tag 1600 Delegierte an den Einzel-Workshops teilnahmen", teilen die Veranstalter mit.

Nach vorübergehenden technischen Problemen fing die Konferenz kurz nach 11 Uhr mit einem Keynote Interview mit Scott Cohen, Chief Innovation Officer Warner Music Group an. Thema Nummer eins war auch hier die Pandemie. "Corona hat nichts verändert, nur das Unvermeidliche beschleunigt", erläuterte er in Hinblick auf die voranschreitende Digitalisierung des Geschäfts. "Ich nutze Skype Meetings seit 17 Jahren."

Die Digitalisierung betreffe nicht nur den Bereich Recorded Music, sondern auch das Livegeschät. "Hat der traditionelle Weg, mit einer Band in einem Kleinbus herumzufahren und sich ein Publikum zu erspielen, noch eine Zukunft? Das ändert sich nun." Die künftige Aufgabe eines Veranstalters müsse es sein, Erfahrungen und Erlebnisse zu kuratieren. Damit meinte Cohen vor allem das Livestreaming von Shows, was bislang noch nicht gut gemacht werde.

Meistens würde bei derlei Streamingkonzerten nur mehr schlecht als recht versucht, ein analoges Live-Erlebnis nachzuempfinden, man müsse aber neue Wege gehen, andere Plattformen miteinbeziehen, interaktiver werden und vor allem Emotionen bei den Zuschauern wecken. "Das ist dann super wirkungsvoll." Auch die Festivals sollten sich nicht einer digitalen Zukunft verschließen. "Open Airs haben sich seit Woodstock beständig weiterentwickelt."

____"WAS EIN MAJOR LEISTET, KANN MAN NICHT KOPIEREN." Scott Cohen.

Für das Labelgeschäft habe er die gute Nachricht, dass niemand aufgehört habe, lizenzierte Musik zu hören. Während des Lockdowns habe Musikstreaming stark zugenommen. Zugleich betonte der Co-Gründer des Indievertriebs The Orchard die wichtige Rolle, die Majors auch heute noch spielen können. Denn während jeder heutzutage Musik aufnehmen und ins Netz stellen könne, sei es die Aufgabe von großen Firmen, "aus den Träumen von Künstlern Karrieren zu machen. Was ein Major leistet, kann man nicht kopieren."

In seinem Keynote Interview versuchte anschließend Paradigm-Agent Tom Windish, etwas Gutes in der Zwangspause der Livebranche zu finden. So sagte er, dass die Lockdown-Zeit Agenten die Möglichkeit gebe, etwa über bessere Beziehungen zu Marken nachzudenken. "Unsere Aufgabe ist es, dem Künstlermanager zu helfen, neue Geschäftsfelder für seinen Künstler zu finden."

_____"UNSER ZIEL MUSS ES SEIN, DEN KUCHEN ZU VERGRÖSSERN." Mark Chung.

Überzeugend agierte Freibank-Chef und VUT-Vorstandsvorsitzender Mark Chung in der Runde "Fix Streaming", an der auch der US-Musiker David Lowery teilnahm. "Unser Ziel muss es sein, den Kuchen zu vergrößern, nicht aber einen Keil zwischen Labels, Publishern und Autoren beim Streit um Anteile zu treiben." Dem stimmte Lowery zu: "Die Lizenzen von YouTube sind wahnsinnig. Das muss sich ändern."

In dem Zusammenhang warnte Chung auch eindrücklich davor, den deutschen Referentenentwurf zur Urheberrechtsnovelle anzunehmen. "Es ist besser, wir haben keine Reform des Urheberrechts als jene, die Deutschland nun anstrebt."

Darüber hinaus standen am Eröffnungstag Panels zu Themen wie "Women In Live Music", "The Gender Gap In Music", das von Julia Gudzent (Misc Berlin, Goodlive) moderierte "Equal Recruiting, Cultural Appropriation in The Music" oder "Going The Extra Mile For Diversity" auf der Agenda.

Auch das digitale Showcaseprogramm hob am Mittwochabend an. Gut 50 Bands aus ganz Europa waren auf der Onlineplattform von Eurosonic Noorderslag zu sehen. Die Bands hatten ihre jeweils 15-minütigen Konzerte vorab aufgezeichnet und dem Festival zur Verfügung gestellt.