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Clubs und Spielstätten kritisieren Regierungen in Europa

Die im Verband Live DMA zusammengeschlossenen Clubs und Spielstätten stellen fest, dass die Unterstützung der Regierungen in Europa nicht ausreiche, um die erlittenen Verluste auszugleichen. Das ist das Ergebnis einer ausführlichen Umfrage "2021 - Stay Alive" zu den Corona-Auswirkungen unter den Verbandsmitgliedern.

12.01.2021 14:43 • von Dietmar Schwenger
Fehlende Umsätze: 95 Prozent halten ausbleibende Erlöse durch Zuschauer für problematisch (Bild: Live DMA, Screenshot)

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Die im Verband Live DMA zusammengeschlossenen Clubs und Spielstätten stellen fest, dass die Unterstützung der Regierungen in Europa nicht ausreiche, um die erlittenen Verluste auszugleichen. Das ist das Ergebnis einer ausführlichen Umfrage zu den Corona-Auswirkungen unter den Verbandsmitgliedern (PDF), an der 20 Livemusik-Verbände teilgenommen haben, die ihrerseits gut 3000 Spielstätten und Festivals aus 17 europäischen Ländern vertreten. Das Papier richtet sich vor allem an die europäischen Entscheidungsträger in Brüssel.

In der zehnseitigen Auswertung "2021 - Stay Alive" betonen die Live-DMA-Mitglieder, dass sie sich wünschen, dass Musikspielstätten und Clubs unter angemessenen Bedingungen wieder öffnen können. An oberster Stelle der Forderungen steht dabei eine "substanzielle finanzielle Unterstützung". Neben Sofortmaßnahmen geht es der Live DMA auch darum, eine Exit-Strategie zu finden, mit der Spielstätten schneller wieder den Betrieb aufnehmen könnten.

Die Untersuchung zeigt, dass die Spielstätten alle Hygieneregeln mitgetragen hätten - oft zu ihrem eigenen Nachteil, etwas wenn es um Beschränkungen der Kapazitäten ging. Nun sei es wichtig, dass die Akteure der Livebranche beratend mit in die Entscheidungsprozesse einbezogen würden, heißt es in dem Papier. Vor allem die Abstandsregeln müssten überdacht werden, um zum einen sichere Events zu ermöglichen, die zum anderen aber auch auch finanziell, künstlerisch und gesellschaftlich tragfähig seien. Bislang werde die Livebranche als pandemisch besonders gefährlich angesehen, ohne dass es dafür irgendeine Rechtfertigung gäbe.

"Das einzig Gute an dieser Krise ist, dass die Branche nun besser strukturiert ist, und dass die Kooperation im gesamten Wirtschaftssystem der Veranstaltungswirtschaft zugenommen hat", teilt Live DMA mit. "Nun besteht die Gelegenheit für die Branche wie die Politik, bei der Bewältigung der Krise zusammenzuarbeiten."

Zu den konkreten Ergebnissen der Umfrage gehört etwa die Feststellung, dass Zuschauerbeschränkungen und die begrenzte Unterstützung der Regierungen die Hauptursachen für die finanziellen Probleme der Clubs und Spielstätten seien. 70 Prozent der Teilnehmer halten es für "sehr problematisch", dass über Veranstaltungsbesucher zu wenig Umsatz erzielt werde, weitere 25 Prozent sehen das als "problematisch". 85 Prozent bewerten die Liquidiät des eigenen Unternehmens als problematisch oder sehr problematisch.

32 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage fürchten zudem, dass die Bereitschaft der Zuschauer, zu Veranstaltungen zurückzukehren, "problematisch sei". Nur 27 Prozent glauben nicht, dass dies ein Problem sein könnte. 90 Prozent kritisieren, dass die finanzielle Unterstützung der Regierungen nicht ausreiche, um die Corona-Verluste zu kompensieren. Auch gebe es ein riesiges Risiko, dass nach der Pandemie womöglich eine Verlagerung des Livegeschehens von unabhängigen Clubs und Spielstätten zu großen, internationalen Ketten stattfinde.

Weitere Punkte der Umfrage beschäftigen sich damit, dass der Zwang zu bestuhlten Konzerten die künstlerischen Möglichkeiten beim Booking beschränke; selbiges gelte für das schwierige Booking von internationalen Acts. 55 Prozent der Teilnehmer befürchten, dass nach der Pandemie zu wenige Bands aus dem Ausland zur Verfügung stehen werden. Gleichzeitig würden angesichts eines verschärften Wettbewerbs die Künstlergagen steigen.

Als Fazit konstatiert die Live DMA, dass die Kombination aller Restriktionen die Lage umso schwieriger mache. Deswegen wäre es hilfreich zu wissen, welche der von den Regierungen getroffenen Maßnahmen die wirkungsvollsten seien, um unnötige und nicht angemessene Beschränkungen für den Livesektor zu vermeiden. Auch sollten Clubs und Spielstätten unter dem Motto "Consult And Anticipate" mit in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Denn gerade die Erfahrung der Branche könne bei der Bewältigung der Krise helfen.